Masterarbeit, 2017
93 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Grundlagen
1.1 Begriffsdefinition „Metamorphose“
1.2 Ovidius Naso: Verwandlung als Grundprinzip des Lebens
1.3 Roland Barthes: Auflösung des Subjekts in Schrift
1.4 Botho Strauß: Wirklichkeits- und Identitätskonstruktion durch Sprache
2. Analyse
2.1 Metamorphose in Botho Strauß’ Marlenes Schwester
2.1.1 Vorüberlegungen zur Metamorphose: „Blut“ und „Meer“ als Zeichen für das Leben
2.1.2 Äußere Metamorphose:
a) „Meer“ als Zeichen für Erinnerung und Unterbewusstsein
b) Identität und Verwandlung
2.1.3 Innere Metamorphose:
a) „Erinnerungen“ als Zeichen für das Leben
b) „Meer“ als Zeichen für Verwandlung
c) Metamorphose als Erlösung
d) Juliens Erzählung: Wirklichkeitskonstruktion durch Sprache
2.1.4 Zwischenfazit
2.2 Metamorphose in Botho Strauß’ Theorie der Drohung
2.2.1 Lea als Zeichen personifizierter Erinnerung
2.2.2 Wirklichkeitskonstruktion durch Sprache:
a) Leas Verwandlung in S.
b) Schreiben zum Schutz vor Manipulation
c) Leas Auflösung
2.2.3 Leas Metamorphose: Transformation in Text
2.2.4 Lea als Konstrukt:
a) Lea als Personifizierung der Fantasie und des Unterbewusstseins
b) „Echo“ als Hinweis auf die Verwandlung
c) Lea als Personifizierung der schriftstellerischen Inspiration
2.2.5 Metamorphose des Ichs
2.2.6 Zwischenfazit
3. Abschlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht, mit welchen sprachlichen und bildlichen Mitteln die Verwandlung der Hauptfiguren in Botho Strauß’ Werken „Marlenes Schwester“ und „Theorie der Drohung“ dargestellt wird und welche Funktion diese Metamorphosen im Kontext der Identitätskrise und Wirklichkeitskonstruktion durch Sprache einnehmen.
1.1 Begriffsdefinition „Metamorphose“
Der Begriff „Morphose“ kommt vom griechischen Wort „morphae“, was „Gestalt“ bedeutet. Eine „Metamorphose“ ist demnach eine „Über-“ oder „Zwischengestalt“, was im Allgemeinen mit „Gestaltwandlung“ übersetzt wird. Eine solche Verwendung des Wortes ist jedoch unzureichend, da die konkrete semantische Bedeutung des Präfixes „Meta-“ als „Über-“ oder „Zwischen-“ keine Beachtung findet. Dabei ist „Metamorphose“ nicht als verwandelte Anschauungsform einer Gestalt zu verstehen, sondern meint vielmehr eine prozesshafte Verwandlung, die noch nicht abgeschlossen ist. Sie „imaginiert“ einen Vorgang, der beschreibt, was sich in Wahrheit nicht beschreiben lässt – den aktiven Vorgang eines Werdens, einer performativen Wandlung, die in eben diesem Moment geschieht. In ihrer schriftlichen Form ist die Metamorphose dabei „artikulierte Zeit im doppelten Wortsinn: Zum einen ‚zergliedert‘ sie jene abstrakte Zeit, die zwischen zwei Zuständen liegt. Zum anderen ‚drückt‘ sie diese mit dem Verfahren der ‚Literatur‘ aus.“ Das Medium lässt nun diese „Zwischengestalt“ erkennbar werden, die ohne die Literatur nicht greifbar bliebe.
In der Forschung gibt es keine einheitliche Begriffsdefinition, weshalb das Wort „Metamorphose“ eine vielfältige Bedeutungsvariation aufweist und häufig recht unpräzise gebraucht wird. So lassen sich beispielsweise auch biografische oder geschichtliche Veränderungen zum Bedeutungsbereich der „Metamorphose“ zählen.
Diese Arbeit schließt sich Friedmann Harzers Definition an, nach der eine Metamorphose jede Art physischer, psychischer und natürlicher Verwandlung ist. Sie kann auf logischen, naturwissenschaftlichen Ursachen beruhen oder durch übernatürliche, mystische Kräfte hervorgerufen werden. Diese Definition schließt sämtliche Verwandlungsvorgänge ein, was sich für die Analyse von Einzeltexten als sinnvoll erweist.
1. Grundlagen: Das Kapitel führt in die theoretischen Konzepte der Metamorphose, das Verständnis von Verwandlung bei Ovid und die sprachtheoretischen Ansätze von Roland Barthes ein, um eine Basis für die Analyse zu schaffen.
2. Analyse: Dieser Hauptteil untersucht detailliert die Metamorphose-Prozesse in den beiden Erzählungen „Marlenes Schwester“ und „Theorie der Drohung“, wobei die Rolle der Sprache als konstruierendes Element und der Verlust des schreibenden Subjekts beleuchtet werden.
3. Abschlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Metamorphose als zentrales, sowohl psychisches als auch äußeres Ereignis fungiert, das die Identitätskrise der Protagonisten durch die Macht der Sprache und Erinnerung darstellt.
Metamorphose, Botho Strauß, Marlenes Schwester, Theorie der Drohung, Roland Barthes, Identität, Sprache, Wirklichkeitskonstruktion, Ovid, Verwandlung, Schrift, Subjekt, Erzählung, Erinnerung, Intertextualität
Die Arbeit analysiert, wie der Autor Botho Strauß das Motiv der Metamorphose nutzt, um die psychischen Krisen und Identitätsverluste seiner Hauptfiguren in den Erzählwerken „Marlenes Schwester“ und „Theorie der Drohung“ literarisch darzustellen.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Sprache und Identität, die konstruierende Macht der Literatur, der Einfluss von Erinnerung sowie die Verbindung von mythologischen Verwandlungsmotiven mit moderner Identitätsproblematik.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, mit welchen sprachlichen und narrativen Strategien Strauß die Verwandlungen seiner Protagonisten beschreibt und welche Bedeutung diese Prozesse für das Verständnis der Werke als Ausdruck einer Identitätskrise haben.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Ansätze von Roland Barthes (zur Funktion von Schrift und Subjekt) sowie mythologische Referenzen (Ovid) einbezieht, um die primären Prosatexte von Strauß zu interpretieren.
Im Hauptteil (Kapitel 2) werden die beiden Erzählungen „Marlenes Schwester“ und „Theorie der Drohung“ getrennt analysiert. Dabei wird untersucht, wie äußere und innere Verwandlungen, die Rolle der Erinnerung und der Einfluss der Schrift auf das Selbstverständnis der Figuren wirken.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Metamorphose, Identitätskonstruktion, Sprachverlust, Intertextualität, Roland Barthes, Ovid und das Verhältnis von Realität und Fiktion.
Das Wasser dient in den analysierten Texten als ein zentrales, vielschichtiges Symbol, das sowohl für den Ursprung des Lebens und Erinnerungsprozesse als auch für die fließende, instabile Identität der Figuren steht.
Strauß’ Protagonisten versuchen oft, durch das Schreiben ihre Identität zu retten oder Wirklichkeit zu erzeugen, scheitern jedoch meist, da der Schreibprozess selbst eine Eigendynamik entwickelt, die zur Auflösung des schreibenden Subjekts führt.
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