Masterarbeit, 2019
56 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Dramaturgie und Motive des ersten Dramenteils
2.1 Der Prolog
2.1.1 Der Prolog bei Seneca
2.1.2 Der Prolog bei Sophokles
2.2 Der Orakelspruch
2.2.1 Der Orakelspruch bei Seneca
2.2.2 Der Orakelspruch bei Sophokles
2.3 Die Fluchrede
2.3.1 Die Fluchrede bei Seneca
2.3.2 Die Fluchrede bei Sophokles
2.4 Die Tatortbeschreibung und der Auftritt des Sehers
2.4.1 Die Tatortbeschreibung und der Auftritt des Sehers bei Seneca
2.4.2 Der Auftritt des Sehers bei Sophokles
2.5 Das Streitgespräch mit Kreon in beiden Fassungen
3. Der Weg zum Höhepunkt der Anagnorisis und die Peripetie
3.1 Merkmale einer guten Tragödie nach Aristoteles
3.2 Die Jokasteszene
3.3 Die Boten- und Hirtenszene
3.4 Peripetie und Anagnorisis bei Seneca und Sophokles
4. Fazit
Diese Arbeit untersucht den Erkenntnisprozess des Ödipus in den Tragödien von Seneca und Sophokles, wobei der Fokus auf der kompositionellen Gestaltung von Peripetie und Anagnorisis liegt, um strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die Rolle der Charakterzeichnung zu bewerten.
2.1.1 Der Prolog bei Seneca
Im ersten Akt der Tragödie Senecas (V. 1-109) werden einige auffällige Motive eingeführt, die für den weiteren Verlauf des Stücks und damit für das Verständnis des Erkenntnisprozesses des Ödipus relevant sind. Im Folgenden wird zunächst versucht, diese Motive zu identifizieren und sprachlich zu belegen. Anschließend folgt ein Vergleich mit der sophokleischen Fassung.
Das sprachlich dominanteste Motiv ist die Furcht des Ödipus: Der erste Teil des Monologs des thebanischen Königs ist geprägt von Ausdrücken der Angst (V. 13 curis solutus; intrepidus V. 15 timeo V. 22 timor V. 26 metuas V. 27 expavesco). Ödipus’ Beschreibung seines positiven inneren Zustandes, bevor er nach Theben kam, verdeutlicht gleichzeitig durch ihren abgrenzenden Charakter die aktuelle Gefühlslage. Das Furchtmotiv ist eng verbunden mit einem weiteren Motiv, nämlich dem der Schuld an den prophezeiten Verbrechen und am Leid der Stadt Theben (V. 17 scelus V. 18 nefas V. 34 Phoebi reus V. 35 sceleribus tantis): Von Anfang an ist sich Ödipus des Orakelspruchs bewusst, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten werde (V. 15-22). Anhand der sprachlichen Gestaltung wird bereits hier deutlich, dass der Inzest als deutlich schlimmer gewertet wird als der Vatermord, was im weiteren Verlauf des Stücks immer wieder aufgegriffen wird (V. 15 […] ne mea genitor manu / perimatur V. 17 […] maius […] scelus V. 18 est maius aliquod […] nefas? V. 20f. thalamos parentis Phoebus et diros toros / gnato minatur […]).
1. Einleitung: Einführung in den Ödipus-Stoff und die Rezeption durch Sophokles und Seneca unter Berücksichtigung aristotelischer Tragödienkriterien.
2. Dramaturgie und Motive des ersten Dramenteils: Analyse der einleitenden Szenen inklusive Prolog, Orakelspruch, Fluchrede und Tatortbeschreibung im Vergleich beider Autoren.
3. Der Weg zum Höhepunkt der Anagnorisis und die Peripetie: Untersuchung der entscheidenden Szenen wie der Jokasteszene und der Boten-/Hirtenszene zur Ausarbeitung des Erkenntnisprozesses.
4. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Synthese der Untersuchungsergebnisse.
Ödipus, Seneca, Sophokles, Erkenntnisprozess, Tragödie, Peripetie, Anagnorisis, Dramaturgie, fatum, Schuld, Inzest, Vatermord, Vergleich, griechische Antike, römische Antike
Die Arbeit analysiert und vergleicht den Prozess der Selbsterkenntnis des Ödipus in der lateinischen Fassung von Seneca und der griechischen Vorlage von Sophokles.
Zentrale Themen sind die dramaturgische Entwicklung, der Umgang mit Motiven wie Furcht und Schuld, die Rolle des Schicksals (fatum) sowie die Unterschiede in der Charakterisierung des Ödipus.
Das Ziel ist es, die Komposition der beiden Tragödien hinsichtlich der Peripetie und Anagnorisis zu vergleichen, um die Gestaltung des Erkenntnisprozesses des Ödipus bewerten zu können.
Es wird eine vergleichende sprachlich-strukturelle Analyse der beiden Tragödien durchgeführt, unter Einbeziehung textkritischer Editionen und einschlägiger Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Dramaturgie und Motive des ersten Dramenteils sowie den Weg zum Höhepunkt der Anagnorisis und Peripetie, jeweils getrennt nach Kapiteln für die einzelnen Szenen.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Ödipus, Seneca, Sophokles, Erkenntnisprozess, Tragödie, Peripetie, Anagnorisis, fatum und Schuld.
Bei Seneca ist Ödipus bereits zu Beginn des Stücks von der Furcht vor dem Orakelspruch geprägt, was sein gesamtes Handeln und Denken bestimmt und den dramatischen Aufbau grundlegend von der sophokleischen Fassung unterscheidet.
Seneca nutzt die Raffung, insbesondere bei den Verhören, um ein hohes Tempo und eine stufenweise Steigerung der dramatischen Spannung zu erzeugen, die sich von der ausführlicheren Darstellung bei Sophokles abhebt.
Während der Seher bei Sophokles eine starke Persönlichkeit mit Wissen um das Göttliche darstellt, ist er bei Seneca eher als schwacher Greis gezeichnet, der auf die Unterstützung der Manto angewiesen ist.
Seneca gewichtet den Inzest deutlich stärker als das schlimmere Verbrechen gegenüber dem Vatermord, was zentral für die Erkenntnisentwicklung und die emotionale Färbung der Tragödie ist.
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