Examensarbeit, 1998
110 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Konzept der sozialdemokratischen Tolerierungspolitik
2.1 Der Bruch der Großen Koalition
2.2 Die SPD und die Regierung Brüning
2.3 Die Folgen der Reichstagswahl vom 14. September 1930
2.4 Die Position der Parteilinken
2.5 Die "ultralinke" Position der KPD
2.6 Stationen der Tolerierungspolitik auf dem Weg zu den Entscheidungswahlen des Frühjahrs 1932
2.7 Herbst 1931: Chance einer Annäherung der beiden Arbeiterparteien im Vorfeld der Reichspräsidentenwahlen?
3. Die Hintergründe der sozialdemokratischen Haltung zur Reichspräsidentenwahl in den ersten Monaten des Jahres 1932
3.1 Die SPD und das "Schicksalsjahr 1932"
3.2 Die KPD und ihre "selbständige, proletarische Klassenpolitik"
3.3 Brünings Pläne zur Amtszeitverlängerung des Reichspräsidenten
3.4 Die Vorbereitungen zu einer erneuten Kandidatur Hindenburgs
3.5 Das Herantasten an die offizielle Losung für Hindenburg
3.6 Die Reichstagsdebatte vom 23. bis zum 26. Februar 1932 und die offizielle Erklärung der SPD
3.7 Hitler ante portas: Die SPD und die Logik des kleineren Übels
4. Der Wahlkampf: "Befreit mit diesem einen Schlag das deutsche Volk von der faschistischen Bedrohung!"
4.1 Die Ausgangslage der sozialdemokratischen Agitation
4.2 Der Wahlkampf der KPD: "Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler!"
4.3 Einschätzungen und Erwartungen der KPD
4.4 Der Wahlkampf der SPD: "Schlagt Hitler! Darum wählt Hindenburg!"
4.5 Einschätzungen und Erwartungen der SPD
5. Die Resultate der Wahlen vom 13. März und 10. April
5.1 Das Wahlergebnis vom 13. März
5.2 Die zeitgenössischen Wahrnehmungsmuster in den Analysen und Kommentaren zum Ergebnis des 13. März
5.3 Das Ergebnis vom 10. April
5.4 Die zeitgenössischen Wahrnehmungsmuster in den Analysen und Kommentaren zum Ergebnis des 10. Aprils
6. Die Handlungsspielräume der SPD im Frühjahr 1932
6.1 Die Vorgänge um das Zustandekommen des SA-Verbots als Menetekel für den Zustand der Republik nach der Wiederwahl Hindenburgs
6.2 Hindenburgs Sieg, Hitlers Erfolg und Thälmanns Niederlage vor dem Hintergrund der Entwicklung im Frühjahr 1932
6.3 Ausblick und Bilanz: Die strategische Situation der SPD im Frühjahr 1932
7. Schlußbemerkungen
Diese Arbeit untersucht die politische Strategie der deutschen Sozialdemokratie (SPD) während der Reichspräsidentenwahlen von 1932. Zentral steht dabei das Dilemma der SPD, die sich angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung gezwungen sah, den amtierenden Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gegen ihren früheren politischen Widersacher zu unterstützen, um den Untergang der Weimarer Republik zu verhindern.
3.2 Die KPD und ihre "selbständige, proletarische Klassenpolitik"
Die KPD betrachtete die Reichspräsidentenwahlen "als Bestandteil des Kampfes von Klasse gegen Klasse". Die Kommunisten erwarteten für das Jahr 1932 die "historische Entscheidung zwischen Kapital und Arbeit": "Immer deutlicher wird sichtbar, daß die Entscheidung fällt auf dem Boden des sich herauskristallierenden Gegensatzes von Faschismus und Kommunismus." An die SPD-Anhänger richtete das ZK einen "Einheitsfront-Vorschlag in ehrlicher und brüderlicher Absicht". Doch machte die Rote Fahne keine Umstände zu erklären, was es mit der Einheitsfront nach kommunistischer Auffassung auf sich sollte: "Die Kommunistische Partei Deutschlands geht in das neue Jahr als die Klassenpartei des deutschen Proletariats, als die führende Partei der roten Einheitsfront [...] Was wir Kommunisten im neuen Jahr tun werden, das ist: [...] In unversöhnlicher Gegnerschaft die kapitalistische Diktatur, ihre soziale Hauptstütze: die SPD und ihre faschistischen Hitlerbanden zu bekämpfen."
Das entsprach der Haltung, die Christian Striefler als Hintergrund für die Einheitsfronttaktik ausmacht: "Alle klassenbewußten Arbeiter sollten sich unter dem Banner des Bolschewismus vereinigen, sich der kompromißlosen Haltung der KPD anvertrauen." Ernst Thälmann gab die Losung vor: "Den Faschismus schlagen, das heißt die Arbeiterklasse aus den Banden der Sozialdemokratie und des Reformismus erlösen!" Letztendlich stellten für die Kommunisten nach wie vor "Faschismus und Sozialdemokratie keine Gegensätze" dar, sondern "Instrumente mit gleichen Aufgaben und der gleichen Zielsetzung: Rettung des Kapitalismus vor der Gefahr der proletarischen Revolution". Für Werner Hirsch war die SPD gar "der aktivste Faktor der Faschisierung" Deutschlands. Während des gesamten Jahres 1931 hatte der "einmütige Kampf von Komintern und Partei gegen die Sozialdemokratie die Schlagzeilen der kommunistischen Presse beherrscht". In Reaktion darauf hatte Otto Wels sich in seinem Neujahrsgruß direkt an die Kommunisten gewandt: "Hauptfeind der Arbeiterklasse ist, wer jetzt den Bruderkampf schürt."
1. Einleitung: Die Arbeit untersucht die Politik der deutschen Sozialdemokratie im Hinblick auf die Reichspräsidentenwahlen des Jahres 1932, um einen Beitrag zur Kontroverse über die Rolle der SPD beim Untergang der Weimarer Republik zu leisten.
2. Das Konzept der sozialdemokratischen Tolerierungspolitik: Dieses Kapitel erläutert die Voraussetzungen und die Entwicklung der Tolerierungspolitik ab 1930, geprägt durch das Dilemma der SPD, eine Regierung zu stützen, deren Politik sie nicht mittragen konnte.
3. Die Hintergründe der sozialdemokratischen Haltung zur Reichspräsidentenwahl in den ersten Monaten des Jahres 1932: Hier wird der Prozess beschrieben, der die SPD zur Unterstützung der Wiederwahl Hindenburgs führte, einschließlich der gescheiterten Versuche, alternative Kandidaten oder eine Amtszeitverlängerung ohne Wahl zu forcieren.
4. Der Wahlkampf: "Befreit mit diesem einen Schlag das deutsche Volk von der faschistischen Bedrohung!": Das Kapitel analysiert die Wahlkampfstrategie der SPD, die auf der Logik des "kleineren Übels" basierte, und die heftige Gegenagitation der KPD.
5. Die Resultate der Wahlen vom 13. März und 10. April: Diese Abschnitte werten die Wahlergebnisse statistisch und qualitativ aus und untersuchen, wie die Parteien und die zeitgenössische Presse auf die Resultate reagierten.
6. Die Handlungsspielräume der SPD im Frühjahr 1932: Abschließend werden die politischen Möglichkeiten der SPD vor dem Hintergrund des SA-Verbots und der allgemeinen Destabilisierung im Frühjahr 1932 bewertet.
SPD, KPD, Weimarer Republik, Reichspräsidentenwahl 1932, Paul von Hindenburg, Tolerierungspolitik, Nationalsozialismus, Einheitsfront, kleineres Übel, Ernst Thälmann, Heinrich Brüning, Faschismus, Arbeiterbewegung, Eiserne Front, politisches System
Die Arbeit analysiert das politische Verhalten und die Strategie der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) während der entscheidenden Phase der Reichspräsidentenwahlen 1932.
Zentrale Themen sind die Tolerierungspolitik gegenüber dem Kabinett Brüning, die tiefe Spaltung zwischen SPD und KPD sowie die Wahlentscheidung zugunsten von Paul von Hindenburg als notwendiges, aber schwieriges Mittel zur Verteidigung der demokratischen Republik.
Das Hauptziel ist es, das strategische Handeln der SPD in einer ausweglos erscheinenden Zwangslage zu verstehen und aufzuzeigen, ob und inwieweit die Unterstützung Hindenburgs eine rationale Wahl zur Rettung der Demokratie oder ein folgenschwerer Fehler war.
Der Autor stützt sich auf eine quellenkritische Auswertung zeitgenössischer Parteipublikationen, Presseveröffentlichungen, Protokolle von Fraktionssitzungen sowie die vorhandene historische Literatur, um die Beweggründe der Akteure zu rekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des "Schicksalsjahres 1932", die detaillierte Analyse der Wahlkampfstrategien von SPD und KPD, die Ergebnisse der beiden Wahlgänge im März und April sowie eine Bilanz der strategischen Handlungsspielräume.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Logik des kleineren Übels", "Tolerierungspolitik", "Antifaschismus", "politisches Dilemma" und die Konkurrenz innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung.
Sie zwang die SPD, eine Regierung zu stützen, die Sozialabbau betrieb, während sie gleichzeitig ihre eigene Wählerbasis an die extreme Rechte und Linke zu verlieren drohte.
Die KPD betrachtete die SPD nicht als Bündnispartner im Kampf gegen den Faschismus, sondern als "sozialfaschistischen" Hauptgegner und als "Handlanger" des Kapitals, was eine gemeinsame Front gegen Hitler verhinderte.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

