Magisterarbeit, 1999
91 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Die femme fragile
2.1 Merkmale der femme fragile
2.2 Biographische Einflüsse
2.3 Zusammenfassung
3 Religion und Liebe
3.1 Priesterin der Liebe
3.2 Heilsbringerinnen im Tod
3.3 Preis für christliches Gottvertrauen
3.4 Zusammenfassung
4 Natur und Schicksal
4.1 Naturkinder
4.2 Schuldlose Opfer
4.3 Zusammenfassung
5 Unschuld und Krankheit
5.1 Erotische Kinder
5.2 Sterbende Rätsel
5.3 Befleckte Reinheit
5.4 Zusammenfassung
6 Exkurs: Otto Weiningers „Geschlecht und Charakter“ (1903)
6.1 Werk und Wirkung
6.2 Die Ideen des Otto Weininger
6.3 Weininger und die femme fragile
7 Techniken der Verführung: Die Sexualisierung der femme fragile
7.1 Märchen und Mythos
7.2 Trieb und Amoral
8 Schlußbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und literarische Konstruktion des Frauentypus der "femme fragile" vom 19. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, wie dieser Typus – die zerbrechliche, kindliche und oft kranke Frau – als Projektionsfläche für männliche Unsicherheiten, sexuelle Verdrängung und gesellschaftliche Idealvorstellungen dient, und wie sich deren Darstellung über verschiedene Literaturepochen hinweg von der religiösen Verklärung zur expliziten Sexualisierung wandelt.
2.1.2. Krankheit und Tod
Oft ist die femme fragile krank oder erkrankt im Verlauf des Geschehens; die zumeist tödlich verlaufende Krankheit, die geduldig ertragen wird, wird oft nicht deutlich benannt. Die femme fragile stirbt an Tuberkulose oder an allgemeinem Zerfall, an der bloßen Berührung mit ihrer Lebensumwelt. Die schwere Krankheit erklärt außerdem die durchscheinende Blässe und die Passivität der Fragilen. Sie dient als Mittel, „die femme fragile als ätherisch-passives Kunstwesen zu enthumanisieren“21. Oft wird der Fragilen ein „brutal gesunder“ oder extrem unsensibler, gefühlskalter Partner zur Seite gestellt, „um ihre finesse gegen seine gesunde Grobheit abzuheben“22. Die femme fragile leidet zwar an diesem Gegensatz, handelt aber nicht. Sie scheint durch ihren nahen Tod der Welt schon entrückt, was ihr Desinteresse an ihrer Lebensumwelt erklärt. Auffällig ist, daß in der Beschreibung der Krankheit alle häßlich oder abstoßend wirkenden Symptome ausgespart werden. Die Krankheit wirkt - losgelöst vom eigentlich Körperlichen - als beseeltes und durchaus willkommenes Abschiednehmen von der Welt. Das Sterben der femme fragile wird ebenfalls nicht deutlich geschildert; der Tod der Fragilen wird romantisiert, sie schwindet dahin, verwelkt wie eine Blume und stirbt für den Leser unsichtbar. Während ihrer Krankheit durchläuft sie oft einen inneren Vergeistigungs und Läuterungsprozeß, aus dem sie als gereinigter Mensch hervorgeht, der „der ganzen Welt Verzeihung gewährt“23, so daß ihr Sterben oftmals eine Symbolfunktion hat.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verknüpfung von Frauenbildern mit dem gesellschaftlichen Status quo ein und stellt das Stereotyp der femme fragile als Gegenbild zur femme fatale im 19. Jahrhundert vor.
2 Die femme fragile: Dieses Kapitel definiert die zentralen Merkmale der femme fragile, wie etwa ihr fragiles Äußeres, ihre Tendenz zur Krankheit, ihre Passivität und ihre symbolische Verklärung.
3 Religion und Liebe: Hier wird analysiert, wie in der Romantik die femme fragile als religiös überhöhte Mittlerin zwischen Mann und Gott fungiert, wobei ihre Liebe den Mann zur höheren Erkenntnis führt.
4 Natur und Schicksal: Dieses Kapitel behandelt die Ablösung der rein religiösen Verklärung durch eine engere Definition der Frau über ihre vermeintlich schicksalshafte Naturverbundenheit.
5 Unschuld und Krankheit: Hier wird die Rolle der Krankheit als Mittel zur Vermeidung von Sexualität thematisiert, wobei die Reinheit der Kindfrau durch deren frühzeitigen Verfall geschützt wird.
6 Exkurs: Otto Weiningers „Geschlecht und Charakter“ (1903): Dieser Exkurs beleuchtet, wie Weiningers pseudowissenschaftliche Theorien die damalige männliche Sicht auf das "seelenlose" Weib und die Sexualität widerspiegeln und bestärken.
7 Techniken der Verführung: Die Sexualisierung der femme fragile: Dieses Kapitel zeigt den Wandel hin zu einer expliziteren Sexualisierung der femme fragile in der Literatur des Naturalismus und darüber hinaus.
8 Schlußbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die femme fragile über Epochen hinweg ein machtloses Projektionsfeld männlicher Wünsche bleibt, das mehr über männliche Konstruktionen aussagt als über die Frau selbst.
femme fragile, Geschlechterrollen, 19. Jahrhundert, Romantik, Naturalismus, Kindfrau, männliche Projektion, Sexualität, Verdrängung, Krankheit, Symbolismus, Frauenbild, Otto Weininger, Literaturgeschichte, Seelenkult
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der "femme fragile" – einer zerbrechlichen, kindlichen Frauengestalt – und analysiert, welche gesellschaftlichen und psychologischen Funktionen dieses Frauenbild im 19. und frühen 20. Jahrhundert erfüllte.
Die zentralen Themen sind die Konstruktion von Weiblichkeit, die Verknüpfung von Krankheit und Tod mit dem "weiblichen Wesen", die Bedeutung der Natur als Metapher sowie das männliche Bedürfnis nach Kontrolle und Projektion.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Darstellung der femme fragile von der romantischen religiösen Verklärung hin zur sexualisierten Figur des Fin de siècle entwickelte und dass sie dabei stets ein männliches Konstrukt blieb.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte literarische Werke chronologisch untersucht und im Kontext der zeitgenössischen gesellschaftlichen und biographischen Diskurse der jeweiligen Autoren interpretiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Epochen und thematische Aspekte, von der religiösen Überhöhung der Frau in der Romantik bis hin zur späteren Sexualisierung und der Rolle der Wissenschaft bei Weininger.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie femme fragile, Geschlechterkonstruktion, Sexualitätsverdrängung, 19. Jahrhundert, Kindfrau und Seelenkult geprägt.
Die Krankheit dient als Hilfskonstruktion der Dichter, um die Frau als "ätherisches Kunstwesen" zu definieren, ihre Handlungsunfähigkeit zu rechtfertigen und einer als bedrohlich empfundenen weiblichen Sexualität auszuweichen.
Nach der Jahrhundertwende wird die Figur zunehmend von der Krankheit zur "erotischen Vision" sexualisiert, wobei die Autoren versuchen, die Frau als unschuldiges Naturwesen trotz expliziterer Erotik von moralischer Verantwortung freizusprechen.
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