Bachelorarbeit, 2021
59 Seiten, Note: 1.7
1. Einleitung
2. Grammatikalisierung
2.1. Lehmanns Modell
3. Präpositionen: Schwierigkeiten der Kategorisierung?
3.1. Präpositionen: Definition ex negativum
3.2. Idealpräpositionale vs. maximale Differenziertheit
3.3. Neue Präpositionen
4. Begründung der ausgewählten Korpora
4.1. Methodik
4.2 Im Verlauf im Korpus des DWDS
4.2.1 Im Verlauf in der DGD
4.3. Laufe im DWDS
4.3.1 Im Laufe in der DGD
4.4. Im Vorfeld im DWDS
4.4.1. Im Vorfeld in der DGD
5. Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Fazit
Die Arbeit untersucht den Grammatikalisierungsprozess neuer komplexer Präpositionen im Deutschen auf synchroner Ebene. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich diese Ausdrücke durch ihre Verwendung in schriftlichen und mündlichen Korpora in die Wortklasse der Präpositionen integrieren, welche Rolle Kasusschwankungen dabei spielen und ob sie sich an ein theoretisches Idealpräpositionale annähern.
3.1. Präpositionen: Definition ex negativum
Um eine Definition von Präpositionen darzulegen, ist es sinnvoll, diese in einem ersten Schritt von anderen Wortarten abzugrenzen, um dann typische Merkmale und Eigenschaften aufzuzeigen.
Innerhalb der Sprachwissenschaft werden die einzelnen Wortarten in einem ersten Schritt in Inhaltswörter und Funktionswörter unterteilt. Inhaltswörter haben eine eigenständige lexikalische Bedeutung. Zu ihnen zählen Substantive, Verben, Adverbien und Adjektive. Sie treten in freier Form auf und bilden eine offene Klasse, sind also beliebig erweiterbar. Versucht man beispielsweise alle Lexeme der Wortklasse Nomen aufzuzählen, wird deutlich, dass dies eine unlösbare Aufgabe darstellt, da die Klasse beliebig durch Wortneuschöpfungen ergänzt werden kann. Die Funktionswörter hingegen sind dadurch definiert, dass sie (vorwiegend) eine rein grammatische Funktion besitzen und ohne Kontext nicht bedeutungstragend sind. Sie sind tendenziell gebunden und bilden eine meist geschlossene Klasse. Funktionswörter haben aufgrund ihrer Abstraktheit und der grammatischen Bedeutung, eine relationale Funktion und stellen logische Verbindungen zu beziehungsweise zwischen Inhaltswörtern dar. Man unterscheidet hierbei nochmals zwischen flektierbaren Funktionswörtern, die eine einzige Sprachstruktur betreffen, und unflektierbaren Funktionswörtern, die eine Relation zwischen zwei Sprachstrukturen herstellen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der neuen Präpositionen ein, stellt die Relevanz der Grammatikalisierungsforschung dar und erläutert die methodische Vorgehensweise anhand von schriftlichen und mündlichen Korpora.
2. Grammatikalisierung: In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen und Modelle der Grammatikalisierung erörtert, insbesondere das Modell von Lehmann zur Bestimmung des Grammatikalisierungsgrades.
3. Präpositionen: Schwierigkeiten der Kategorisierung?: Das Kapitel diskutiert die definitorischen Herausforderungen bei der Abgrenzung von Präpositionen und führt das Konzept des Idealpräpositionale als analytischen Bezugspunkt ein.
4. Begründung der ausgewählten Korpora: Hier werden die verwendeten Korpora (DWDS für schriftliche und DGD für mündliche Sprache) methodisch begründet und die Vorgehensweise der empirischen Analyse dargelegt.
5. Zusammenfassung der Ergebnisse: Dieses Kapitel wertet die empirischen Analysen der einzelnen Präpositionen aus und vergleicht deren Grammatikalisierungsgrad sowie Kasusnutzung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, bestätigt die Tendenz zur Grammatikalisierung neuer Präpositionen und ordnet die Ergebnisse in den Kontext des Sprachwandels ein.
Grammatikalisierung, neue Präpositionen, Sprachwandel, Korpuslinguistik, Idealpräpositionale, Genitiv, Dativ, Kasusschwankung, Desemantisierung, komplexe Präpositionalphrase, Pragmatik, Diskurs, DWDS, DGD.
Die Arbeit befasst sich mit der Grammatikalisierung neuer, komplexer Präpositionalgefüge im Deutschen, die aus einer Präposition und einem Substantiv bestehen (wie etwa "im Verlauf").
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Definition von Präpositionen, die Mechanismen der Grammatikalisierung sowie der empirische Nachweis von Sprachwandelprozessen in der aktuellen deutschen Sprache.
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob sich komplexe Präpositionalgefüge einem Idealpräpositionale annähern und inwieweit sie durch Kasusschwankungen oder Rektionswechsel einen fortschreitenden Grammatikalisierungsgrad aufweisen.
Die Autorin verwendet eine korpusbasierte Methode, bei der Daten aus dem "Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache" (DWDS) für schriftliche und der "Datenbank für gesprochenes Deutsch" (DGD) für mündliche Sprache quantitativ und qualitativ ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Grammatikalisierung und der Kategorisierung von Präpositionen sowie einen empirischen Teil, in dem die drei Ausdrücke "im Verlauf", "im Laufe" und "im Vorfeld" detailliert analysiert werden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Grammatikalisierung, Sprachwandel, Idealpräpositionale, Korpuslinguistik und Kasusrektion charakterisieren.
Die Gegenüberstellung ist wichtig, um zu prüfen, ob der Grammatikalisierungsprozess im mündlichen Bereich – als Ort des "entstehenden" Sprachwandels – weiter fortgeschritten ist als im schriftsprachlich normierten Bereich.
Die Autorin widerspricht der These, dass der Genitiv ausstirbt. Sie stellt fest, dass neue Präpositionen initial meist den Genitiv fordern und dieser auch als Zeichen für ein höheres sprachliches Register (Bildungsschicht/Expertenstatus) dient.
Die Theorie wird genutzt, um den Übergang von räumlichen Ausdrücken (Source Domain) zu neuen, temporalen Bedeutungen (Target Domain) innerhalb der untersuchten Präpositionen zu erklären.
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