Forschungsarbeit, 2000
138 Seiten, Note: 2,0
0. Vorwort
1. Orientierung
1.1. Vom Fischerdorf zum Touristenzentrum - Geschichte und Gegenwart
1.2. Liebe, Macht und Korruption - Akteure
2. Politik und Machtdiskurs
2.1. Dr. Langfinger und die Schönheitsköniginnen - Soziale Hierarchie und Konflikte
2.2. Heiliger Bimbes - Religiosität
2.3. Opfer und Täter - Frauen
2.4. Freibier und Volksmusik - Parteien
2.5. Messerstecher und Revolverhelden - Institutionen und Recht
2.6. Horrortrip Fernreisen - Mobilität
2.7. Klatsch, Tratsch und Intrigen - Vertrauen
2.8. Landei oder Weichei? - Kulturelle Identität
3. Das Projekt
3.1. Vom Heuschober Ausbildung ins World Wide Web und Öffentlichkeitsarbeit
3.2. Lehrer, Künstler, Krankenschwester Die Aktivisten
3.3. Kommunikation, Politik, Bildung Evaluation
3.4. Holzwege und Fallgruben Die Entwicklungshelfer
3.5. Die Mühen der Ebene Konsolidierung und Probleme
3.6. Nachgefragt Medien und Gesellschaft
3.7. Den Beruf nicht mit seiner Militanz verwechseln Politik und Medien
4. Resümee
5. Anhang: Ausblick
5.1. Kommunikation und Ökostrom Konzeptionelle Überlegungen
5.2. Was will das Radio erreichen? Ziele des Projekts
5.3. Welche Aufgaben erfüllen die Mitarbeiter des Radios? Jobprofile
5.4. Schreie aus dem Urwald Geplantes Programmschema
Die Arbeit untersucht die sozio-politischen Strukturen und Machtdynamiken im bolivianischen Dschungeldorf Rurrenabaque im Kontext eines journalistischen Bildungsprojekts ("Radio Popular"). Ziel ist es, durch eine teilnehmende Beobachtung und deskriptive Analyse aufzuzeigen, wie soziale Hierarchien, Korruption und traditionelle Rollenbilder die Kommunikationsstrukturen und das gesellschaftliche Zusammenleben beeinflussen.
1.2. Akteure
Wer sind die Akteure im politischen Diskurs des Dorfes? Im Laufe von sechs Monaten, da man selbst ein Teil des Lebens dieser Stadt geworden ist, begegnen einem eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die und nicht nur Rückschlüsse zulassen auf die kulturellen Besonderheiten der Menschen im bolivianischen Amazonas, sondern insbesondere auf die politische Aufteilung der Macht und jene zwischen den Geschlechtern. Auch wenn eine schlüssige Interpretation der folgenden Protagonisten und Ereignisse hier noch ausbleiben muss, so halte ich im Zusammenhang mit dem Thema doch für zentrale Bedeutung, was sich zusammenfassen lässt unter jenem Titel, auf den der geneigte Leser bereits in der Überschrift dieser Arbeit gestoßen ist:
Liebe, Macht und Korruption
Da ist Toyo Negrette, ein rhetorisch begabter Analphabet, der seit 24 Jahren im Rathaus sitzt und den Inbegriff des korrupten Provinzpolitikers verkörpert. Mit dem ich vier Monate Tür an Tür wohne und der sich nicht nur seinen Platz als Abgeordneter sichert, indem er zwei Tage vor der Wahl ein ganzes Indianerdorf kauft, sondern auch versucht, mich mit seiner Tochter zu verheiraten. Und das nur, um die einzige unabhängige Presse des Dorfes auf seiner Seite zu haben. Weil er keine andere Form der Machterhaltung kennt als die Erpressung.
0. Vorwort: Der Autor erläutert seinen methodischen Ansatz der Feldforschung, der die eigene Rolle als teilnehmender Beobachter und Journalist sowie die Bedeutung der interkulturellen Missverständnisse für das Erkenntnisgewinn betont.
1. Orientierung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Geschichte und Gegenwart der Region sowie eine Vorstellung der zentralen Akteure im sozialen und politischen Gefüge des Dorfes.
2. Politik und Machtdiskurs: Die verschiedenen Unterkapitel analysieren tiefgehend die sozialen Hierarchien, die Rolle der Religiosität, Geschlechterverhältnisse, parteipolitische Mechanismen und das informelle Rechtssystem in Rurrenabaque.
3. Das Projekt: Hier wird der chronologische Verlauf der Projektarbeit, von der Ausbildung der Reporter bis hin zur schwierigen Etablierung des Bürgerradios, detailliert dokumentiert und kritisch reflektiert.
4. Resümee: Der Autor zieht ein Fazit aus seinen Beobachtungen und widerlegt gängige entwicklungspolitische Theorien hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf die sozio-ökonomische Realität des bolivianischen Tieflands.
5. Anhang: Ausblick: Dieser Teil enthält ergänzende Informationen wie das geplante Programmschema, technische Konzeptionen des Radios und detaillierte Aufgabenbeschreibungen der Projektmitarbeiter.
Rurrenabaque, Bolivien, Bürgerradio, Machtstrukturen, Korruption, Feldforschung, Soziale Dynamik, Ethnische Identität, Entwicklungsprojekt, Journalismus, Kommunikation, Patronage, Gender, Informelles Recht, Religiosität.
Der Bericht dokumentiert einen Forschungs- und Projektaufenthalt in Rurrenabaque, Bolivien, bei dem ein Bürgerradio aufgebaut wurde, während gleichzeitig soziologische Beobachtungen über Macht, Politik und soziale Hierarchien vor Ort festgehalten wurden.
Die Arbeit behandelt Korruption, soziale Schichtung (Cambas vs. Collas), Geschlechterbeziehungen, die Bedeutung von Religion und Fatalismus sowie die Herausforderungen von Infrastruktur und Kommunikation in einer abgelegenen Dschungelregion.
Ziel ist es, die sozio-politische Realität in der Region zu analysieren und aufzuzeigen, wie ein bildungspolitisches Projekt in einem Umfeld von informellen Machtsystemen und Patronage agieren kann.
Der Autor nutzt die teilnehmende Beobachtung, kombiniert mit journalistischen Methoden wie Interviews und der aktiven Beteiligung am Dorfgeschehen, um ein möglichst tiefes Verständnis der lokalen Lebenswelt zu erlangen.
Im Hauptteil werden Machtdiskurse, die Rolle von Parteien, die Verflechtung von Wirtschaft und Politik sowie die Schwierigkeiten einer "demokratischen" Medienarbeit in einer von Klientelismus geprägten Gesellschaft untersucht.
Zu den prägenden Begriffen gehören Bürgerradio, soziale Machtstrukturen, Korruption, ethnische Identität, Entwicklungszusammenarbeit und kulturelle Heterogenität.
Die ethnische Spannung zwischen der einheimischen Tieflandbevölkerung und den Hochland-Einwanderern bestimmt nicht nur das politische Klima, sondern prägt auch die Sponsorenlandschaft und die Akzeptanz des Projekts innerhalb der Gemeinde.
Laut dem Autor scheitern viele Projekte an einer "kolonialen Hochnäsigkeit" und einem Mangel an Verständnis für lokale informelle Machtdynamiken, da sie auf angelsächsischen Modellen basieren, die an der Realität der Region vorbeigehen.
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