Masterarbeit, 2021
140 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Begriffsklärungen
2.1 Anspruch
2.2 Wirklichkeit
2.3 Differenz
2.4 Leistung im Schulsport
2.5 Fazit
3. Forschungs- und Diskussionsstand zur Benotung im Sportunterricht
3.1 Die Zusammensetzung der Sportnote
3.2 Die praktische Umsetzung möglicher Beurteilungsbereiche
3.2.1 Die Bewertung des sozialen Handelns
3.2.2 Die Bewertung der Leistungsbereitschaft
3.2.3 Die Bewertung motorischer Leistung
3.2.4 Die Bewertung kognitiver Leistung
3.3 Bezugsnormen einer Leistungsbewertung
3.4 Funktionen der Sportnote
3.5 Probleme bei der Benotung im Sportunterricht
3.5.1 Professionalisierungsdefizite der Sportlehrrolle
3.6 Fazit
4. Methodologische Vorüberlegungen zum differenzanalytischen Forschungsansatz
4.1 Die sportpädagogische Differenzanalyse
4.2 Präzisierung und Begründung der Forschungsfrage
4.3 Präzisierung und Begründung des Forschungsdesigns
4.4 Begründung des Leitfadeninterviews als Forschungsmethode
4.4.1 Hinweise zur Transkription des Interviews
4.4.2 Beschreibung der Stichprobe
4.5 Fazit
5. Datenerhebung
5.1 Kategorisierung der Ansprüche
5.2 Das Leitfadeninterview
5.3 Fazit
6. Datenauswertung
6.1 Die Wahrnehmung der Sportlehrkräfte
6.1.1 Kategorie I: Verständnis der Begrifflichkeiten
6.1.2 Kategorie II: Wertung der Ansprüche
6.1.3 Kategorie III: Wertung der Handreichung
6.1.4 Kategorie IV: Wünsche und Forderungen
6.2 Die Deutungen und Modifizierungen der Ansprüche
6.2.1 Kategorie V: Zusammensetzung der Sportnote
6.2.2 Kategorie VI: Benotete Kompetenzen
6.2.3 Kategorie VII: Verwendung der individuellen Bezugsnorm
6.3 Interpretation der Ergebnisse
6.4 Fazit
7. Diskussion und Ausblick
Die Arbeit untersucht, wie Sportlehrkräfte der Sekundarstufe 1 die offiziellen Vorgaben zur Notengebung im Schulsport wahrnehmen und in ihrer Unterrichtspraxis deuten, um eventuelle Diskrepanzen zwischen administrativen Ansprüchen und der pädagogischen Realität aufzudecken.
3.1 Die Zusammensetzung der Sportnote
Bei der Zusammensetzung der Sportnote ist die Eigenart des Fachs Sport zu berücksichtigen, denn „die Besonderheit des Faches Sport machen u. a. die Vielfalt der pädagogischen Möglichkeiten, Ziele und Perspektiven sowie die praktische Unbegrenztheit der Gegenstände aus“ (Kloos et al., 2016, S. 50). Daraus resultiert, dass auch die Bewertung der schulsportlichen Leistung anhand unterschiedlichster Dimensionen gefordert und beurteilt werden sollte. Hierbei ist es als Sportlehrkraft wichtig, nicht nur eine Dimension, wie beispielsweise die sportmotorische Leistung, zu bewerten, denn dies würde „eine Beschneidung der pädagogischen Chancen und eine Verarmung des Fachs bedeuten“ (Kloos et al., 2016, S. 50).
Vor 1937 setzte sich die Sportnote einzig aus der sportlichen Leistungsbewertung zusammen. Dies änderte sich 1937, indem in den Richtlinien für die Leibeserziehung in Jungenschulen erstmals auch eine Persönlichkeitsbeurteilung gefordert wurde. In dieser Zeit war das Ziel der Bewertungserweiterung durch Persönlichkeitsbeurteilungen, die Jugend daraufhin zu prüfen, inwieweit ihre persönliche Haltung, ihre Disziplin oder ihr Kampfgeist ausgebildet waren. Diese Auswahl an Eigenschaften lässt unschwer das „rassistische, militaristische und antidemokratische Erziehungsprogramm der Nationalsozialisten“ (Peiffer, 1998, S. 118) erkennen. Trotz dieser negativen Gesinnung wurde mit dieser Hinzugabe einer Persönlichkeitsbeurteilung der Grundstein für eine pädagogisch ausgerichtete Note gelegt. Dies verfestigte sich mit dem Beschluss des Kultusministeriums von 1952, in dem erstmals gefordert wurde, die Sportnote in drei unterschiedliche Bereiche zu teilen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen pädagogischen Zielen und normativer Notengebung im Sportunterricht und stellt die Forschungsfrage nach der Wahrnehmung kultusministerieller Ansprüche durch Lehrkräfte.
2. Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert und grenzt die zentralen Begriffe Anspruch, Wirklichkeit, Differenz und Leistung im sportpädagogischen Kontext voneinander ab.
3. Forschungs- und Diskussionsstand zur Benotung im Sportunterricht: Der Forschungsstand gibt einen Überblick über die Zusammensetzung der Sportnote, verschiedene Beurteilungsbereiche und Bezugsnormen sowie die damit verbundenen Professionalisierungsdefizite der Lehrkräfte.
4. Methodologische Vorüberlegungen zum differenzanalytischen Forschungsansatz: Hier wird das Forschungsdesign der sportpädagogischen Differenzanalyse erläutert und die Entscheidung für ein qualitatives Vorgehen mittels Leitfadeninterviews methodisch begründet.
5. Datenerhebung: Dieses Kapitel beschreibt die Kategorisierung der Ansprüche aus der Handreichung und die konkrete Vorbereitung sowie Durchführung der Interviews mit den fünf Sportlehrkräften.
6. Datenauswertung: Die Auswertung präsentiert die Ergebnisse der Interviews, unterteilt in die Wahrnehmungen der Ansprüche sowie die individuellen Deutungen und praktischen Modifikationen der Lehrkräfte.
7. Diskussion und Ausblick: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf ihre Limitationen und gibt Anregungen für eine zukünftige, praxisorientiertere Gestaltung von Handreichungen.
Sportunterricht, Notengebung, Leistungsbeurteilung, Handreichung, Anspruchsanalyse, sportpädagogische Differenzanalyse, Benotungspraxis, individuelle Bezugsnorm, motorische Kompetenz, Lehrerrolle, pädagogische Freiheit, Bildungsplan, Qualitatives Interview, Leistungsbewertung, Schulsport
Die Masterarbeit befasst sich mit der Differenz zwischen den offiziellen, vom Kultusministerium Baden-Württemberg vorgegebenen Ansprüchen an die Benotung im Schulsport und der tatsächlichen, von Sportlehrkräften gelebten Notengebungspraxis.
Zentrale Themen sind die Zusammensetzung der Sportnote (Fach-, Verhaltens- und Mitarbeitsnote), die Anwendung verschiedener Bezugsnormen, die Bedeutung sportmotorischer gegenüber weiteren Kompetenzen (wie Fairplay) sowie die Rolle der Sportlehrkraft als Helfer und Richter.
Das Ziel ist die Rekonstruktion der Wahrnehmungen und Deutungen von Sportlehrkräften. Es soll geklärt werden, wie diese die ministeriellen Vorgaben interpretieren und inwieweit sie ihre Benotungspraxis modifizieren, um den Ansprüchen gerecht zu werden oder ihre eigene pädagogische Freiheit zu wahren.
Die Arbeit basiert auf einem qualitativen Forschungsansatz. Es wurde eine sportpädagogische Differenzanalyse nach Balz und Neumann durchgeführt, für deren Datenerhebung fünf leitfadengestützte Interviews mit Sportlehrkräften der Sekundarstufe 1 geführt wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung des Forschungs- und Diskussionsstands sowie in den methodischen Teil, gefolgt von einer detaillierten Auswertung und Interpretation der geführten Interviews.
Schulsportwirklichkeit, pädagogische Notengebung, Leistungsbewertung, Differenzanalyse, Lehrerinterview und die Diskrepanz zwischen Norm und Schulpraxis.
Die Handreichung argumentiert rechtlich, dass eine absolute Bezugsnorm (orientiert an den Bildungsplan-Vorgaben) gelten muss. Sportlehrkräfte erleben dieses Verbot jedoch als pädagogisch problematisch, da es die Motivation schwächerer Schüler erschwert.
Ja, ein Großteil der befragten Lehrkräfte bemängelt die mangelnde Trennschärfe zwischen Verhaltens- und Mitarbeitsnote. Zudem gibt es einen breiten Konsens darüber, dass die offizielle Forderung, das soziale Handeln und Fairplay in die Note einfließen zu lassen, in der Praxis meist intuitiv als "Gesamteindruck" erfolgt.
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