Masterarbeit, 2020
71 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Der Wandel von Partnerschaft und Beziehung
2.1 Historisch-soziologischer Rückblick unter Einbeziehung christlicher Glaubensvorstellungen
2.2 Die Liebe und die Diversität des Begriffs
2.2.1 Liebe im historischen Verständnis
2.2.2 Liebe im religiös-soziologischen Verständnis
2.2.3 Liebe aus dem Blickwinkel der Psychologie
3. Sexualität
3.1 Sexualität in Gesellschaft und Beziehungen
3.2 Sexualität als Ausdruck von Intimität
3.3 Männliche und weibliche Sexualität
3.4 Das katholische Sexualideal
3.5 Die sexuelle Revolution
3.6 Sexualität in Zeiten des Internet
4. Polyamorie
4.1 Ursprung und Definition von Polyamorie
4.2 Aktueller Forschungsstand
4.3 Polyamorie in Abgrenzung zu Monogamie und zu Offener Beziehung
4.4 Grundsätze von Polyamorie
4.5 Formen von Polyamorie
4.6 Grenzen und Hürden in der Polyamorie
4.7 Paar- und Einzelberatung zu Polyamorie
5. Begründung für die qualitative Vorgehensweise
6. Untersuchungsdesign und Forschungsmethode
6.1 Stichprobe
6.2 Methodik und Instrumente
6.3 Durchführung der Interviews
6.4 Regeln der Interviewtranskription
6.5 Auswertung der Daten
6.6 Ergebnisse
7. Diskussion, Ausblick und Implikationen für die Praxis
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld, in dem sich die katholische Ehe- und Paarberatung bei der Begleitung von Menschen in nicht-monogamen Beziehungsformen wie der Polyamorie bewegt, und identifiziert dabei charakteristische Merkmale dieser Lebenskonzepte aus der Perspektive professioneller Beraterinnen.
2.2.1 Liebe im historischen Verständnis
„Die progressiv-dynamische Turnschuhgeneration unserer Zeit schmückt sich mit Superelektronik und galaktischen Frisuren, im Herzen aber träumen sie dieselben Märchenträume wie unsere Omas. Schneller sind die Autos geworden und die Wandlungen der Mode, aber nicht das wirkliche Nachdenken über die Fragen der Liebe.“ (Duhm, 1998, S. 36)
Obgleich das Zitat bereits 22 Jahre alt ist, lässt sich der Kern der Aussage auf die Gegenwart übertragen. So beschäftigten sich Ethnologen erst seit etwa 25 Jahren mit der Liebe, indem sie Feldforschungen in verschiedenen Kulturen betreiben, Sprachen analysieren und versuchen zu verstehen, welche Wirkungszusammenhänge bestehen (Antweiler, 2018).
„Das Modell der romantischen Liebe ist eine Erfindung der Neuzeit, die wahrscheinlich auf die zunehmende Ausdifferenzierung und Individualisierung der modernen Gesellschaft reagiert und auch mit gewissen sozioökonomischen Bedingungen des Bürgertums einhergeht.“ (Hofmann, 2012, S. 13) Diese Aussage fügt sich in die Haltung von Beck und Beck-Gernsheimer (Kap. 2.1) und führt die Veränderungen auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse zurück.
Was also hat sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte verändert und welche Zusammenhänge lassen sich herstellen? Die Entstehung der individuellen Geschlechtsliebe sieht Volkmar Sigusch als eine der Ausprägungen des Kapitalismus an. Die Wurzeln sieht er in der Entstehung des bürgerlichen Individuums, als die Bourgeoisie zur herrschenden Klasse aufgestiegen war. In der Sklavengesellschaft oder der patriarchalen Ausbeutergesellschaft habe es ein Liebesverständnis im autonomen und individuellen Sinne nicht gegeben (Sigusch, 2005, S. 14).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel von Liebeskonzepten und führt in das Forschungsinteresse der Polyamorie im Kontext der katholischen Ehe- und Paarberatung ein.
2. Der Wandel von Partnerschaft und Beziehung: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung von Partnerschaften unter dem Einfluss soziologischer und christlicher Faktoren sowie deren Individualisierung in der Moderne.
3. Sexualität: Hier werden die gesellschaftlichen Normen, geschlechtsspezifische Unterschiede und der Einfluss des Internets auf die menschliche Sexualität analysiert.
4. Polyamorie: Das Kapitel definiert den Begriff Polyamorie, beleuchtet den Forschungsstand und grenzt die Beziehungsform von Monogamie und offenen Beziehungen ab.
5. Begründung für die qualitative Vorgehensweise: Dieses Kapitel erläutert die methodische Entscheidung für einen qualitativen Forschungsansatz zur Erfassung von subjektiven Erfahrungen und neuen sozialen Phänomenen.
6. Untersuchungsdesign und Forschungsmethode: Hier wird der empirische Teil beschrieben, einschließlich der Stichprobenwahl, der Experteninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz.
7. Diskussion, Ausblick und Implikationen für die Praxis: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Interviews und leitet Implikationen für die professionelle Arbeit in der Ehe- und Familienberatung ab.
Polyamorie, Sexualität, Eheberatung, Monogamie, qualitative Forschung, Paartherapie, Vielliebe, Liebeskonzepte, Beziehungsgestaltung, Intimität, Soziologie, gesellschaftlicher Wandel, katholische Eheberatung, Eifersucht, Beziehungsmodelle.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Polyamorie im Kontext der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung und analysiert, wie diese Beziehungsform von Fachkräften wahrgenommen wird.
Die zentralen Themen sind der Wandel von Partnerschaftsvorstellungen, die Rolle der Sexualität in der modernen Gesellschaft, die Definition von Polyamorie und deren praktische Handhabung in der Paarberatung.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für nicht-monogame Beziehungsformen zu entwickeln und zu eruieren, in welchem Spannungsfeld sich Beraterinnen bewegen, wenn sie mit Klientinnen arbeiten, die polyamor leben.
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz. Es wurden Experteninterviews mit acht Paarberaterinnen geführt und die Daten mithilfe einer inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt über Liebe, Sexualität und Polyamorie sowie einen empirischen Abschnitt, in dem die Ergebnisse der Experteninterviews detailliert dargestellt und analysiert werden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Polyamorie, Paarberatung, Sexualität, Beziehungsmodelle, Monogamie und qualitativen Forschungsansatz charakterisieren.
Die Interviews zeigen, dass Beraterinnen, die im katholischen Rahmen tätig sind, teilweise den Konflikt zwischen traditionell christlichen Werten und der gelebten Lebensrealität ihrer Klientinnen thematisieren und dabei oft den eigenen normativen Rahmen reflektieren.
Die qualitative Auswertung deutet darauf hin, dass die Initiative zu einer nicht-monogamen Beziehungsform in der Mehrzahl der untersuchten Beratungsfälle von Frauen ausging, was im Widerspruch zu manchen älteren Annahmen der Paar- und Sexualforschung steht.
Eifersucht wird in nahezu allen untersuchten Beratungsfällen als zentrales Konfliktthema benannt, wobei der Umgang damit – ob als rationaler Aushandlungsprozess oder als existenzielle Angst vor Verlust – das Beratungserleben maßgeblich beeinflusst.
Die Einschätzungen sind ambivalent; während einige Beraterinnen von einem weiteren Zuwachs polyamorer Lebensweisen ausgehen, sehen andere eine Gegenbewegung und halten an der Bedeutung der exklusiven Paarbeziehung als Ideal fest.
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