Examensarbeit, 2002
152 Seiten, Note: 2,0
1.Einleitung
2.Was sind Rituale?
2.1 Klassische Ritualtheorien
2.2 Weitere Definitionsansätze
2.2.1 Begriffsbestimmung scheinbarer Synonyme - Gewohnheit, Zeremonie, Tradition, Brauch, Regeln, Riten & Ritualisierungen
2.3 Eigene Begriffsdefinition
3.Rituale im Wandel der Zeit
4.Entstehung von Ritualen
5.Die Bedeutung von Ritualen in der heutigen Zeit
6.Gesellschaftsrituale
6.1 Religion
6.2 Politik
6.3 Familiäre Zeremonien
6.4 Entwicklungsbedingte Rituale
6.4.1 Kindheit
6.4.2 Pubertät
6.4.3 Alter
7.Familien- und Erziehungsrituale
8.Alltagsrituale
9.Interaktionsrituale
9.1 Imagepflege
9.2 Verhaltensregeln
10. Rituelle Medieninszenierungen
11. „Bitte lesen Sie die Packungsbeilage…“ – Falscher Gebrauch und Pervertierung von Ritualen
11.1 Sinnentleerung
11.2 Zwang und Rigidität
11.3 Rituale als Machtinstrument
11.4 Übertriebener Kult
11.5 Zwangserkrankung
12. Rituale – „Kleine Helfer“ in schweren Zeiten
12.1 Übergangsrituale
12.2 Krisenrituale
12.3 Heilungsrituale
13. Rituale für die Schulzeit
13.1 Rituale für gemeinschaftliches Lernen
13.1.1 Einführung von Ritualen
13.1.2 Zeit und Struktur von Unterricht
13.1.3 Kritische Phasen im Schulalltag
13.1.4 Die Auflösung der Rangordnung im Ritual
13.1.5 Schulrituale in der Diskussion
13.2 Praxisbeispiele schulischer Rituale
14. Auswertung der Fragebögen
14.1 Allgemeine Informationen zu Statistiken
14.2 Persönliche Vorüberlegungen
14.3 Daten der statistischen Auswertung
14.4 Ziel und Zweck der statistischen Untersuchung
14.5 Analyse
14.5.1 Riten, Sekten, Rituale – Begriffsdefinitionen im Diskurs
14.5.2 Vertrauen contra Misstrauen
14.5.3 Rituale in der Schulpädagogik
14.5.4 Rituale in der Familie
14.5.5 Wertewandel oder Werteverfall?
14.5.6 Inwieweit können Meinungen beeinflusst werden?
14.5.7 Rituale in allen Lebensbereichen?
14.6 Interpretation der Analyse unter Berücksichtigung bisher verwendeter Literatur
15. Resümee
16. Literaturangaben
17. Anhang
Die Arbeit untersucht den Sinn und die Funktion von Ritualen sowohl im gesellschaftlichen Alltag als auch in der Schulpädagogik. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern Rituale trotz gesellschaftlicher Vorurteile eine notwendige Stütze für menschliche Identität, soziale Ordnung und psychische Stabilität bieten.
1. Einleitung
Erinnern Sie sich an das Gefühl, das sie hatten, als Sie zuletzt bei einem Bekannten übernachtet hatten? Morgens stehen Sie auf und bemerken mit Unbehagen, dass im Badezimmer Ihres Bekannten keine Musik aus dem Radio ertönt, die Sie ansonsten allmorgendlich bei Ihnen zu Hause aus den letzten Traumgedanken in die nüchterne Realität reißt. Dann erreichen Sie schlecht gelaunt das Esszimmer und finden statt Ihrer gewohnten Tageszeitung nur einen spartanisch gedeckten Frühstückstisch vor, auf dem Sie dort – wo normalerweise Ihr köstlich duftender Kaffee steht – ein Glas Wasser empfängt. Nachdem Sie sich durch die Spielzeugmassen des süßen Sprösslings Ihres Bekannten einen Weg zu Ihrem Wasser gebahnt haben, stellen Sie fest, dass das Frühstück in diesem Hause im Stehen eingenommen wird und man sich – mit dem Toast in der einen und der Aktentasche in der anderen Hand – auf dem Weg zur Arbeit macht. Obwohl Sie nicht undankbar auf die Gastfreundschaft Ihres Bekannten reagieren wollen, merken Sie, dass Sie ein unbehagliches Gefühl beschleicht und Ihre Stimmung stetig sinkt.
Das Gefühl des Unbehagens lässt sich sicher nicht auf Undankbarkeit Ihrerseits oder auf einen Fehler des Bekannten zurückführen. Der Grund für die schlechte Laune liegt hier lediglich in der Tatsache, dass Ihr gewohnter Tagesrhythmus durcheinander geraten ist. Jeder Mensch entwickelt in seinem Leben bestimmte Eigenarten und Gewohnheiten bezüglich seines Tagesablaufs und ritualisiert sie. Auf diese Weise ist das Leben von uns geordnet und der Tagesablauf übersichtlich.
1. Einleitung: Einstieg in die Thematik durch ein alltagsnahes Beispiel, das verdeutlicht, wie Rituale unseren Tagesablauf strukturieren und Orientierung bieten.
2. Was sind Rituale?: Theoretische Fundierung des Ritualbegriffs durch Klassiker wie Durkheim, Turner und Goffman sowie Abgrenzung zu verwandten Begriffen.
3. Rituale im Wandel der Zeit: Historische Betrachtung der Ritualdefinitionen und Darstellung der gesellschaftlichen Entritualisierungstendenzen.
4. Entstehung von Ritualen: Analyse, wie Rituale sowohl spontan als auch intentional durch kreative Akte erschaffen und integriert werden können.
5. Die Bedeutung von Ritualen in der heutigen Zeit: Erörterung der ausgleichenden Funktion von Ritualen gegenüber den Anforderungen der modernen Postmoderne.
6. Gesellschaftsrituale: Untersuchung ritueller Praktiken in Religion, Politik und im familiären Kontext sowie in spezifischen Entwicklungsphasen.
7. Familien- und Erziehungsrituale: Fokus auf die stabilisierende Wirkung von Ritualen bei der Erziehung und der Gestaltung des Familienlebens.
8. Alltagsrituale: Zusammenfassende Betrachtung der Alltagsrituale als wichtige Werkzeuge zur Lebensorganisation.
9. Interaktionsrituale: Darstellung ritueller Aspekte in der sozialen Kommunikation, insbesondere unter Bezugnahme auf Goffman.
10. Rituelle Medieninszenierungen: Analyse des Einflusses der Medien auf die Ritualisierung des Alltags und die Bildung globaler Gemeinschaftsgefühle.
11. „Bitte lesen Sie die Packungsbeilage…“ – Falscher Gebrauch und Pervertierung von Ritualen: Kritische Auseinandersetzung mit der Sinnentleerung, Rigidität und dem Missbrauch von Ritualen.
12. Rituale – „Kleine Helfer“ in schweren Zeiten: Fokus auf Übergangs-, Krisen- und Heilungsrituale als Bewältigungsstrategien.
13. Rituale für die Schulzeit: Darstellung schulpädagogischer Methoden, um gemeinschaftliches Lernen und Unterrichtsstrukturen durch Rituale zu fördern.
14. Auswertung der Fragebögen: Methodische Erläuterung und statistische Analyse einer Befragung zur Wahrnehmung und Bedeutung von Ritualen in verschiedenen Generationen.
15. Resümee: Zusammenfassende Schlussfolgerung über die Notwendigkeit bewusster Ritualgestaltung in unserer Gesellschaft.
Rituale, Ritualtheorie, Schulpädagogik, Alltagsrituale, Sozialisation, Identitätsbildung, Familienrituale, Interaktionsrituale, Entritualisierung, Werteverfall, Wertewandel, Gemeinschaft, Mikro-Rituale, Erziehung, empirische Untersuchung.
Die Arbeit beleuchtet das Wesen und die Notwendigkeit von Ritualen als strukturgebende Elemente im menschlichen Alltag, innerhalb der Gesellschaft und insbesondere im pädagogischen Kontext der Schule.
Neben der theoretischen Herleitung werden die Entstehung von Ritualen, deren psychologische Bedeutung in Krisenzeiten, ihr Einfluss durch Medien sowie die praktische Anwendung zur Erziehung und im Unterricht behandelt.
Das Ziel ist es, den Begriff „Ritual“ von negativen Vorurteilen (wie Sekten oder Zwang) zu befreien und aufzuzeigen, wie Rituale bewusst als sinnstiftende und stabilisierende „kleine Helfer“ eingesetzt werden können.
Die Arbeit kombiniert eine umfassende Literaturrecherche soziologischer und pädagogischer Theorien mit einer eigenen empirischen Datenerhebung (Fragebögen), um die subjektive Wahrnehmung von Ritualen verschiedener Altersgruppen zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine Analyse der Bedeutung von Ritualen für unterschiedliche Lebensphasen und Lebensbereiche sowie eine detaillierte Auswertung der eigenen statistischen Untersuchung.
Wichtige Begriffe sind Rituale, Ritualtheorie, Schulpädagogik, Sozialisation, Identitätsbildung, Entritualisierung und Wertewandel.
Grundschulkinder bilden eine zentrale Gruppe, da sie als Experten im Erfinden spontaner Rituale gelten und durch diese im Schulalltag Sicherheit sowie soziale Kompetenz erwerben.
Die Autorin betont diese Abgrenzung, da sie der Ansicht ist, dass die negative Konnotation dieser Begriffe zu unnötigen Vorurteilen gegenüber nützlichen, alltäglichen Ritualen führt.
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