Examensarbeit, 2001
84 Seiten, Note: sehr gut
1. Familienberatung
1.1. Zum Begriff „Beratung”
1.1.2. Ausbildung der Berater
1.1.3. Aufgaben und Ziele der Beratung
1.1.4. Beratungsende
2. Familienberatung und Familientherapie
2.1. Abgrenzung von Beratung und Therapie
2.2. Familienberatung
2.2.1. Aufgaben und Ziele der Familienberatung
2.3. Familientherapie
2.3.1. Anfänge der Familientherapie
2.3.2. Die Entwicklung der Familientherapie
3. Der Ansatz der Systemischen Beratung
3.1. Was ist ein „System”
3.2. Das System Familie
3.3. Was ist ein „Symptom”?
3.4. Die Rolle des Beraters
3.5. Grundannahmen der systemischen Theorie
4. Die drei Richtungen und ihre Modelle
4.1. Die traditionellen Modelle
4.1.1. Das Ursache-Wirkungsdenken (lineares Denken)
4.1.2. Das psychodynamische Modell
4.2. Systemtherapeutische Modelle im Überblick
4.2. Klassische Modelle
4.2.1. Strukturelle Familientherapie
4.2.2. Das Mehrgenerationen-Modell
4.2.3. Erlebnisorientierte Familientherapie
4.2.4. Systemisch-kybernetische Familientherapie
4.3. „Kybernetik 2. Ordnung”
4.3.1. Begriffsklärung
4.3.2. Gegenüberstellung lineare Konzepte - kybernetische Konzepte
4.3.3. Reflecting Team
4.4. Narrative Ansätze
4.4.1. Die lösungsorientierte Kurztherapie
5. Amerikanische Programme der intensiven Familienerhaltung
5.1. Die Entstehung der Programme
5.1.1. Das „homebuilders-program”
5.1.2. Das „families first program”
5.2. Weiterentwicklung der Programme
5.3. Konzepte
5.3.1. Wertvorstellungen
5.3.2. Handlungsrahmen
6. „Families first” in Europa
7. Der Weg von „families first” zum Modellprojekt FAM
7.1. Förderung und wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts FAM
8. Der Ansatz von FAM- FamilienAktivierungsManagement
8.1. Beschreibung von FAM
8.2. Theoretische Grundsätze
8.3. Das Konzept
8.4. Voraussetzungen
8.5. Ziele
8.6. Zielgruppe
8.6.1. Die Familie
8.6.2. Die Krise
8.6.3. Die Schwierigkeiten
8.6.4. Ausschlußkriterien
9. Rahmenbedingungen
9.1. Die Arbeit findet im Haushalt oder Umfeld der Familie statt
9.2. Ein FAM-Arbeiter arbeitet mit maximal zwei Familien
9.3. Die Fachkraft ist rund um die Uhr erreichbar
9.4. Das Programm dauert maximal sechs Wochen
9.5. Wöchentliche FAM-Gruppenberatung
9.6. Weitere Standards
10. Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD)
11. Übernahme einer Familie
11.1. Engaging
11.1.1. Engaging-Arbeitstechniken
11.1.2. Ich-Botschaften
12. Methoden und Techniken im FAM
12.1. Systemische Diagnostik
12.1.1. Genogramm
12.1.2. Familienchronologie
12.2. Zielkatalog erstellen
12.3. Verhaltensplan
12.4. Feedback - Loben - Ermutigen
12.4.1. Aktives Zuhören
12.5. Casemanagement
12.6. Positive Konnotation / positive Symptombewertung
12.6.1. Reframing
12.7. Zirkuläre Fragen
12.8. Systemische Fragen
12.8.1. Fragen zur Wirklichkeitskonstruktion
12.8.2. Fragen zur Möglichkeitskonstruktion
12.9. Symptomverschreibungen
13. Bausteine
13.1. Aufstellungsarbeit
13.1.1. Familienskulptur
13.1.2. Familienbrett
13.3 Krisenthermometer
13.4. Wunschkarten
13.5. Videokonsultation
13.6. Metaphern, Witze
13.6.1. Analoge Geschichten
13.7. Ressourcencheck
14. Abschluß
14.1. Evaluation
15. Ausbildung
15.1. Ausbildung zum FAM-Arbeiter
15.2. Ausbildung zum FAM-Berater
16. Kosten der Ausbildung
17. FAM und seine Möglichkeiten
18. Folgemaßnahmen
19. Rechtliche Grundlagen
20. Fallberichte
20.1. Familie Hering
20.2. Familie Medusa
Die Arbeit untersucht das FamilienAktivierungsManagement (FAM) als ein intensives, systemisch orientiertes Kriseninterventionsprogramm zur Vermeidung der Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen und methodischen Ansätze darzulegen und deren praktische Anwendung im Kontext der sozialen Arbeit in Deutschland zu erläutern.
12.4.1. Aktives Zuhören
Der FAM-Arbeiter kann die Situation in der Familie durch sein Auftreten und sein Handeln beeinflussen. Als Instrument dazu dient ihm das aktive Zuhören.
Es gibt ein Kinderbuch von Michael Ende mit dem Titel „Momo”. Darin wird ein kleines Mädchen mit einer ungewöhnlichen Eigenschaft beschrieben:
„So wie man sagt:
Aber warum? War Momo vielleicht so unglaublich klug, daß sie jedem Menschen einen guten Rat geben konnte? Fand sie immer die richtigen Worte, wenn jemand Trost brauchte? Konnte sie weise und gerechte Urteile fällen?
Nein, das alles konnte Momo ebensowenig wie jedes andere Kind. Konnte Momo dann vielleicht irgend etwas, das die Leute in gute Laune versetzte? Konnte sie zum Beispiel besonders schön singen? Oder konnte sie irgendein Instrument spielen? Oder konnte sie - weil sie doch in einer Art Zirkus wohnte - am Ende gar tanzen oder akrobatische Kunststücke vorführen?
Nein, das war es auch nicht.
Konnte sie vielleicht zaubern? Wußte sie irgendeinen geheimnisvollen Spruch, mit dem man alle Sorgen und Nöte vertreiben konnte? Konnte sie aus der Hand lesen oder sonstwie die Zukunft voraussagen?
Nichts von alledem.
Was die kleine Momo konnte, wie kein anderer, das war: zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.
Momo konnte so zuhören, daß dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betroffene fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, daß sie in ihm steckten.
1. Familienberatung: Einführung in den Begriff der Beratung, die Ausbildung von Beratern sowie die zentralen Aufgaben und Ziele, die auf Selbsthilfe und Unabhängigkeit der Klienten abzielen.
2. Familienberatung und Familientherapie: Abgrenzung zwischen Beratung als kurzfristige Orientierungshilfe und Therapie als längerfristige Intervention, eingebettet in den Kontext familiärer Hilfeformen.
3. Der Ansatz der Systemischen Beratung: Erläuterung der systemischen Sichtweise, in der die Familie als primäres System verstanden wird und der Berater als Beobachter agiert, um Symptome als Kommunikationsphänomene zu verstehen.
4. Die drei Richtungen und ihre Modelle: Darstellung traditioneller medizinischer/psychodynamischer Ansätze im Vergleich zu systemisch-kybernetischen und narrativen Modellen, die das heutige FAM maßgeblich prägen.
5. Amerikanische Programme der intensiven Familienerhaltung: Überblick über die Entstehung des „homebuilders“- und „families first“-Programms in den USA als Vorläufer des deutschen FAM.
8. Der Ansatz von FAM- FamilienAktivierungsManagement: Beschreibung des konkreten Kriseninterventionskonzepts, das ressourcenorientiert und in der Alltagswelt der betroffenen Familien ansetzt.
11. Übernahme einer Familie: Darstellung des Erstkontakts (Engaging) und der notwendigen Auftragsklärung zwischen Familie, Jugendamt und FAM-Stelle.
12. Methoden und Techniken im FAM: Vorstellung spezifischer Instrumente wie Genogrammarbeit, Zielkataloge, positive Konnotation, Reframing und systemische Fragetechniken.
13. Bausteine: Ergänzende Werkzeuge der systemischen Praxis, darunter Aufstellungsarbeit, Krisenthermometer, Wunschkarten und Videokonsultation.
15. Ausbildung: Details zum zweijährigen Ausbildungskonzept für FAM-Arbeiter und Berater, das sowohl theoretische Grundlagen als auch praxisorientierte Workshops umfasst.
Familienaktivierungsmanagement, FAM, systemische Beratung, Krisenintervention, Familienerhaltung, Fremdunterbringung, Ressourcenorientierung, Jugendhilfe, Genogramm, Reframing, Systemtheorie, Familienskulptur, Sozialarbeit, Fallberichte, Elternarbeit
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und der praktischen Implementierung des FamilienAktivierungsManagements (FAM) als intensive Form der Krisenintervention in Familien, denen die Fremdunterbringung von Kindern droht.
Zentral sind systemtheoretische Grundlagen der Beratung, amerikanische Ursprungsmodelle der Familienerhaltung sowie die konkrete methodische Umsetzung durch Fachkräfte in Deutschland.
Das Ziel ist die Vermittlung eines fundierten Verständnisses für das FAM-Modell, seine Standards und seine Wirksamkeit als ressourcenorientierte Hilfe zur Selbsthilfe.
Es wird der systemische Beratungsansatz genutzt, kombiniert mit Erkenntnissen der Krisentheorie und verhaltensorientierten Methoden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Methoden und Techniken des FAM (z.B. Genogramme, zirkuläres Fragen) sowie die detaillierte Darstellung von Fallbeispielen.
Besonders prägend sind Begriffe wie Familienaktivierungsmanagement, Krisenintervention, Systemische Beratung und Ressourcenorientierung.
In Fällen wie dem der Familie Medusa zeigt die Arbeit, dass das Programm bei fehlender Kooperationsbereitschaft oder mangelndem Auftrag zum Abbruch der Maßnahme führt.
Die Ausbildung ist ein zentrales Qualitätselement. Sie ist ein zweijähriger, berufsbegleitender Prozess, der sicherstellt, dass die komplexen Methoden kompetent in der Praxis angewendet werden.
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