Bachelorarbeit, 2020
62 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Stand von Theorie und Forschung
2.1 Definition und Begriffserläuterung der Krankheit Gilles de la Tourette
2.1.1 Epidemiologie der Krankheit Gilles de la Tourette
2.1.2 Ätiologie der Krankheit Gilles de la Tourette
2.1.3 Symptome der Krankheit Gilles de la Tourette
2.2 Stigma und Stigmatisierung
2.2.1 virtuale und aktuale soziale Identität
2.2.2 diskreditierbare und diskreditierte Merkmale
2.2.3 Zwei Identitäten
2.3 Der Prozess der Stigmatisierung am Beispiel von betroffenen Kindern und Jugendlichen mit vokalen Tics
2.4 Definition chronischer Krankheit
2.4.1 Bewältigung chronischer Krankheit
2.4.2 Bewältigung chronischer Krankheit nach Corbin und Strauß
2.4.3 Techniken der Bewältigung beschädigter Identität nach Goffman E.
2.5 Entwicklung der Fragestellung
3 Methodik
3.1 Erhebungsmethoden und -instrumente, Gütekriterien und ethische Aspekte
3.2 Entwicklung des Leitfadens, Feldzugang und Sampling/Setting
3.3 Durchführung der Erhebung
3.4 Auswertungsverfahren
3.5 Suchprotokoll Pub Med
4 Ergebnisse
4.1. Erleben von Stigmatisierung
4.2 Auswirkungen von Stigmatisierung
4.3 Bewältigung-und Unterstützungssysteme
5 Diskussion und Schlussfolgerungen
5.1 Diskussion der Methode
5.2 Diskussion der Ergebnisse
5.3 Schlussfolgerungen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen von Stigmatisierung auf Kinder und Jugendliche, die vom Tourette-Syndrom und damit verbundenen vokalen Tics betroffen sind. Ziel der Forschungsarbeit ist es, die sozialen und emotionalen Folgen der Reaktionen des sozialen Umfelds zu analysieren und aufzuzeigen, wie betroffene Kinder mit dieser chronischen Erkrankung umgehen und welche Bewältigungsstrategien sie nutzen.
2.3 Der Prozess der Stigmatisierung am Beispiel von betroffenen Kindern und Jugendlichen mit vokalen Tics
Nach Goffman, gehört das TS in die Kategorie körperlicher Besonderheiten. Die vokalen Tics sind eine Abweichung von der Norm und gleichzeitig eine stark diskreditierende Eigenschaft (Goffman, 2018, S.10). Vokale Tics gehen je nach Intensität, Dauer und Lautstärke mit einer sozialen Präsenz einher, dass sie meistens nicht zu verbergen sind und der vom TS betroffene auffällt (Cox et al., 2019, o.S.). Auch unauffälligere Tics, wie das ständige Räuspern oder Nase hochziehen, lassen Veranstaltungen in denen es ruhig und still zu geht, wie ein Konzertbesuch oder eine Vernissage, somit zu einer Schwierigkeit werden (Müller-Vahl, 2010, S.49).
Die Tics werden von andern Menschen und Institutionen bemerkt und je nach Vorwissen und Einstellungen darauf reagiert. Für die meisten ist ein vokaler Tic befremdlich. Sie schließen darüber auf eine schlechte Erziehung des Kindes oder auf böse Absicht (Kraft, 2006, S.21). Je weniger eine Behinderung oder Beeinträchtigung identifizierbar ist, um so mehr löst sie eine Unsicherheit aus, wie man sich dem Menschen gegenüber verhalten soll. Ein beeinträchtigter Mensch in einem Rollstuhl ist in der Vorstellung der meisten Menschen leicht zu kategorisieren.
Es gibt eine Orientierungserleichterung und Sicherheit im Umgang mit dieser Abweichung. Eine Person mit dem TS, die Tics zeigt und unerwartet vokale Äußerungen von sich gibt, ist befremdlich und je nach Wissensstand über dieses Krankheitsbild, führt dies zu Reaktionen wie Abwehrmechanismen, Angst, Unsicherheit, Vermeidungsverhalten aber auch anstarren, beschimpfen oder aggressivem Verhalten (verbal und/oder körperlich) (Holub, 2014, S.78).
1 Einleitung: Die Einleitung begründet das Thema aus der persönlichen Betroffenheit der Autorin und skizziert die Zielsetzung, die wissenschaftliche Relevanz sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Stand von Theorie und Forschung: Dieses Kapitel liefert die theoretische Basis durch die Definition des Tourette-Syndroms, die Erläuterung von Stigmatisierungsprozessen nach Goffman und die Darstellung von Modellen zur Bewältigung chronischer Krankheiten nach Corbin und Strauss.
3 Methodik: Hier wird das qualitative Forschungsdesign der Arbeit beschrieben, insbesondere die Durchführung von drei problemzentrierten Interviews mit betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie das gewählte Auswertungsverfahren nach Mayring.
4 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Analyse der Interviewdaten, unterteilt in die Kategorien Erleben von Stigmatisierung, deren Auswirkungen auf die Betroffenen sowie die genutzten Bewältigungs- und Unterstützungssysteme.
5 Diskussion und Schlussfolgerungen: Zum Abschluss werden die Ergebnisse kritisch reflektiert, die methodischen Limitationen der Studie diskutiert und die zentralen Erkenntnisse in Bezug auf die Forschungsfrage zusammengefasst.
Tourette-Syndrom, vokale Tics, Stigmatisierung, chronische Krankheit, Selbstwertgefühl, qualitative Sozialforschung, Bewältigung, soziale Ausgrenzung, Identität, Diskriminierung, Kindheit, Jugend, Krankheitsbewältigung, Goffman, Corbin und Strauss.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Tourette-Syndrom und der Frage, wie Kinder und Jugendliche, die unter vokalen Tics leiden, durch ihre soziale Umwelt stigmatisiert werden und welche psychischen sowie sozialen Auswirkungen dies auf sie hat.
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Stigmatisierung durch das soziale Umfeld, den Auswirkungen auf den Selbstwert der Betroffenen sowie den Mechanismen der Krankheitsbewältigung im Alltag und in der Schule.
Die Arbeit sucht eine Antwort auf die Fragestellung: "Das Tourette-Syndrom und die Auswirkungen von Stigmatisierung bei Kindern und Jugendlichen mit vokalen Tics" und untersucht die These, dass Betroffene häufig einen geringen Selbstwert entwickeln.
Die Autorin nutzt die qualitative Sozialforschung und führt problemzentrierte Interviews mit drei betroffenen Kindern und Jugendlichen durch, deren Aussagen anschließend inhaltlich analysiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Krankheit und zum Stigma-Begriff sowie einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Interviews präsentiert und im Kontext der bestehenden Fachliteratur diskutiert werden.
Wesentliche Begriffe sind Tourette-Syndrom, Stigmatisierung, Selbstwertgefühl, Bewältigungsstrategien, chronische Krankheit und soziale Isolation.
Die Schule stellt ein zentrales soziales Umfeld dar, in dem betroffene Kinder häufig mit Unverständnis von Mitschülern und Lehrern konfrontiert werden, was bis zur Ausgrenzung oder zum schulischen Rückzug führen kann.
Die Kinder nutzen verschiedene Bewältigungsstrategien wie Informationssteuerung (z. B. Offenheit über die Diagnose), Rückzug aus sozialen Situationen oder das Unterdrücken der Tics, um weniger aufzufallen.
Die Familie und insbesondere enge Bezugspersonen wie die Mutter werden als essenzielle Unterstützungssysteme genannt, die Halt geben und bei der Integration der Krankheit in das Leben helfen.
Das Fazit betont, dass eine Aufklärung der Öffentlichkeit über das Tourette-Syndrom dringend notwendig ist, da Unwissenheit die Hauptursache für Stigmatisierung und den daraus resultierenden Leidensdruck der Kinder darstellt.
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