Bachelorarbeit, 2017
45 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Historische Einordnung
3. Strukturelle und sprachliche Analyse
3.1 Bekundung von Trauer und Lob
3.2 Frage nach dem Nutzen der Taten
3.3 Tröstende Antworten
3.4 Protreptischer Schlussteil
4. Gattungseinordnung
4.1 Das Epigramm
4.2 Die klassische consolatio
4.2.1 Vergleich mit dem Epicedion Drusi
4.2.2 Vergleich mit der Consolatio ad Marciam
4.3 Die Leichenrede
4.4 Die Elegie
5. Männlichkeit bei Marullo
5.1 Das Männlichkeitsbild im Epigramm 1,48
5.2 Männlichkeitsbild in den Institutiones principales
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das 48. Epigramm des ersten Buches von Michael Marullus mit dem Ziel, die literarische Gattungszugehörigkeit zu bestimmen und das darin vermittelte, stoisch geprägte Männlichkeitsideal im Kontext zeitgenössischer Erziehungsvorstellungen des Humanismus kritisch zu analysieren.
3.2 Frage nach dem Nutzen der Taten
Ab Vers 15 beginnt der zweite große Abschnitt des Epigramms, an dem eingangs mehrere Fragen gestellt werden. Das lyrische Ich spricht in Form einer Apostrophe den gefallenen Giulio an und fragt, was seine Errungenschaften noch wert seien und nützen, jetzt, da er gestorben ist. Die dafür genutzte Frageform, die in den Versen 15-18 viermal hintereinander auftritt (quid…tibi nunc...prosunt?), ist ein typischer threnetischer Topos. Es handelt sich dabei um eine „Klage darüber, dass die Verdienste des Verstorbenen seinen Tod nicht vermeiden konnten.“ Nur in der ersten Frage steht sie ausformuliert, in den drei anderen Fällen steht eine elliptische Konstruktion, bei der auf die Wiederholung des Prädikats verzichtet wird. Durch die Folge von mehreren Fragen nach dem Wert von Giulios Errungenschaften in gleicher oder ähnlicher Struktur wird dieses threnetische Motiv entwickelt.
In diesem Fragepassus finden sich ein Parallelismus (V. 15 tot pulsi hostes tot moenia…diruta) und einige Homoioteleuta (V. 16 fulcta superba, V. 17 Gallica signa, V. 18 gloria rara) sowie eine Alliteration (V. 18 partaque pugnaci). Durch diese Klangfiguren klingen diese Verse sehr rhythmisch, was zu den vier direkt hintereinander gestellten Fragen passt. Sie dringen staccato-ähnlich auf den Leser ein. Auch in diesem Fragepassus dominieren wie zuvor Begriffe aus dem Militärbereich (V. 15 pulsi hostes, V. 15f. moenia...diruta, V. 17 decivtae acies, gallica signa, V. 18 pugnaci...manu).
1. Einleitung: Vorstellung des Dichters Michael Marullus und Einordnung seiner Werke in den humanistischen Kontext des Quattrocento unter besonderer Berücksichtigung der bestehenden Forschungslücke zum gewählten Epigramm.
2. Historische Einordnung: Detaillierte Rekonstruktion der historischen Ereignisse rund um den Feldzug von Giulio Antonio Acquaviva, dessen Tod den Anlass für das Gedicht bildete.
3. Strukturelle und sprachliche Analyse: Tiefgehende Untersuchung der vier Gedichtabschnitte hinsichtlich ihrer rhetorischen Gestaltung, der verwendeten threnetischen Motive und der sprachlichen Mittel.
4. Gattungseinordnung: Diskussion der Zugehörigkeit zu den Gattungen Epigramm, Consolatio, Leichenrede und Elegie unter Einbezug klassischer antiker Referenztexte.
5. Männlichkeit bei Marullo: Analyse des Männlichkeitsideals bei Marullo im Epigramm 1,48 sowie in dessen pädagogischem Werk "Institutiones principales" mit Bezug auf stoische und spartanische Werte.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, insbesondere der Erkenntnis, dass das Gedicht als eine spezielle "Konsolationselegie" mit stoisch-männlicher Prägung zu verstehen ist.
Michael Marullus, Epigramm, Consolatio, Männlichkeit, Stoa, Humanismus, Trauer, Trost, Otranto, Giulio Antonio Acquaviva, Kriegerethos, Rhetorik, Literaturgeschichte, Antike-Rezeption, Sparta.
Die Arbeit untersucht das 48. Epigramm aus dem ersten Buch des humanistischen Dichters Michael Marullus, das als Trostschrift an seinen Freund Andrea Matteo Acquaviva nach dem Tod dessen Vaters im Otranto-Krieg verfasst wurde.
Zentrale Themen sind die literarische Gattungsbestimmung, die Analyse antiker Trosttopoi (Konsolationsliteratur) sowie die Darstellung eines spezifisch stoisch-männlichen Ideals in der Renaissance.
Ziel ist es, die Forschungslücke zur literarischen Einordnung dieses spezifischen Gedichts zu schließen und aufzuzeigen, wie Marullus klassische literarische Elemente für ein eigenes, hartes Männlichkeitsbild nutzt.
Die Arbeit verwendet eine Kombination aus historischer Kontextualisierung und philologischer Textanalyse, ergänzt durch komparatistische Vergleiche mit klassischen Vorbildern wie Seneca, Ovid und Martial.
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturanalytische Untersuchung des Gedichts, eine Gattungsdiskussion und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der stoisch-männlichen Ethik, die Marullus sowohl in der Poesie als auch in seiner Prinzenerziehung propagiert.
Die Schlagworte spiegeln die Schnittmenge zwischen klassischer Philologie, humanistischer Literaturgeschichte und der kulturgeschichtlichen Analyse von Männlichkeitskonstruktionen in der frühen Neuzeit wider.
Aufgrund der Mischung aus epigrammatischer Form, elegischer Struktur und den zahlreichen inhaltlichen Elementen der Konsolationsliteratur lässt sich das Werk keiner rein klassischen Gattung eindeutig zuordnen, weshalb die "Konsolationselegie" als treffender Begriff gewählt wird.
Marullus nutzt die im Text erwähnten Anekdoten über Spartaner, um ein unerschütterliches, emotionsloses Männlichkeitsideal zu begründen, welches das persönliche Leid dem Dienst am Vaterland und der Pflicht unterordnet.
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