Bachelorarbeit, 2019
110 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Theoretische Erscheinungsformen des Antisemitismus
3.1 Religiöser Antisemitismus
3.2 Rassistischer Antisemitismus
3.3 Sekundärer Antisemitismus
3.4 Antizionistischer Antisemitismus
3.5 Wann ist Kritik antisemitisch?
3.6 Zwischenfazit
4. Warum sind Muslime antisemitisch?
5. Methodik
5.1 Forschungsansatz
5.2 Interviewleitfaden
5.3 Stichprobe
5.4 Durchführung der Erhebung
5.5 Auswertungsverfahren
5.6 Methodische Reflektion
6. Ergebnisse
6.1 Beschreibung der Stichprobe
6.2 Wissensbestände
6.3 Antisemitische Einstellungen
6.3.1 Sekundärer Antisemitismus
6.3.2 Rassistischer Antisemitismus
6.3.3 Antizionistischer Antisemitismus
6.3.4 Positive Beispiele
6.4 Erklärungsansätze
6.4.1 Eigene Diskriminierungserfahrungen
6.4.2 Identifikation und Solidarisierung mit muslimischer Gemeinschaft
6.4.3 Sozialisationserfahrungen
6.4.4 Der rote Faden
6.5.5 Ausnahmen, die die Regel bestätigen
7. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Einstellungen junger, in Deutschland geborener Muslime zum Judentum und analysiert, welche Argumentationsmuster und Erklärungsansätze einem etwaigen Antisemitismus zugrunde liegen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Spannungsfeld zwischen der Sozialisation in der deutschen Gesellschaft und der Identifikation mit muslimisch geprägten Lebenswelten.
3.6 Zwischenfazit
Antisemitismus hat eine spezifische Struktur. In der „klassischen Weltordnung” stehen sich gegensätzliche Gruppenkonstrukte, wie beispielsweise Völker, Rassen oder Religionen gegenüber. So begegnen etwa Christen den Muslimen oder die Deutschen den Franzosen. Die Besonderheit am Antisemitismus ist, dass Juden hier nicht nur Angehörige einer bestimmten Religion, eines Volkes oder einer Rasse sind. Juden verkörpern alles zugleich und sind eine Figur des „Dritten”, die der klassischen Struktur der Gegensatzpaare nicht entsprechen (Holz/Kiefer 2010: 122). Sie werden als Akteure gesehen, die die klassische Weltordnung dezimieren (Messerschmidt 2010: 123f.). In anderen Worten: „Da „der Jude“ in die Position des Dritten gerückt wird, ist der moderne Antisemitismus genuin trans-national, trans-rassisch bzw. trans-religiös und im gleichen Atemzug und aus dem gleichen Grund heraus national, rassisch bzw. religiös.” (ebd.: 123).
Antisemitismus hat in der muslimischen Welt keine religiösen Wurzeln. Vielmehr hat dieser durch den Nahostkonflikt Einzug in die muslimisch geprägte Welt gefunden. Der Antisemitismus, der heutzutage in diesem Teil der Welt beobachtet wird, ist letztlich ein Produkt aus dem nationalsozialistischen Europa des 20. Jahrhunderts (Holz/Kiefer 2010: 109f.).
In Deutschland fand die Judenfeindlichkeit mit dem Holocaust weder ihren Beginn, noch ihr Ende. Antisemitische Stereotypen, Mythen und Diskriminierungen entstanden teilweise bereits im Mittelalter (Pfahl-Traughber 2017: 85). Dabei ist Antisemitismus heutzutage in sämtlichen gesellschaftlichen Schichten in Deutschland vertreten, wenngleich sich die Motive und Ausgestaltungen unterscheiden. Dementsprechend existieren der sekundäre Antisemitismus in der „Mitte der Gesellschaft”, der sich durch die Abwehr oder die Relativierung des Holocaust kennzeichnet und rechtsextremer Antisemitismus, dem sekundäre oder rassistische Motive zugrunde liegen können. Als weitere Quelle des Antisemitismus in Deutschland können Teile der muslimischen Bevölkerung genannt werden (Wetzel 2014: 1f.; Holz/Kiefer 2010: 133). Theoretische Erklärungen dafür, warum Antisemitismus insbesondere in diesem Teil der Bevölkerung präsent sind, werden im folgenden Kapitel vorgestellt.
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht die gesellschaftliche Relevanz des Themas angesichts zunehmender antisemitischer Vorfälle und legt das Ziel sowie die Forschungsfrage der Arbeit dar.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel definiert den Begriff Antisemitismus und gibt einen Überblick über bisherige empirische Studien und Arbeiten zu antisemitischen Einstellungen unter Muslimen.
3. Theoretische Erscheinungsformen des Antisemitismus: Es werden vier Idealtypen – religiöser, rassistischer, sekundärer und antizionistischer Antisemitismus – theoretisch differenziert und deren Verbreitung beleuchtet.
4. Warum sind Muslime antisemitisch?: Dieser Teil behandelt theoretische Erklärungsansätze wie die Social Identity Theory und Sozialisationseffekte zur Entstehung von Antisemitismus in muslimisch geprägten Gruppen.
5. Methodik: Hier werden der qualitative Forschungsansatz, der Interviewleitfaden und das Auswahlverfahren der Stichprobe im Detail beschrieben und reflektiert.
6. Ergebnisse: Der empirische Hauptteil präsentiert und analysiert die Interviewergebnisse, unterteilt in Wissensbestände, Formen des Antisemitismus und individuelle Erklärungsansätze der Befragten.
7. Fazit und Ausblick: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse der Studie zusammengeführt und Impulse für weitere Forschungsvorhaben gegeben.
Antisemitismus, Islam, Nahostkonflikt, Identität, Sozialisation, Diskriminierung, qualitative Sozialforschung, Judenfeindlichkeit, antizionistischer Antisemitismus, Migration, Vorurteile, Fremdgruppe, Eigengruppe, Habitus, Religionsgemeinschaft.
Die Arbeit untersucht die Einstellungen junger, in Deutschland geborener Muslime zum Judentum und erforscht, ob und welche antisemitischen Denkmuster in dieser spezifischen Zielgruppe existieren.
Zu den Kernbereichen zählen die theoretische Einordnung verschiedener Antisemitismusformen, die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die Wahrnehmung von Juden sowie die Identifikation mit muslimischen Eigengruppen.
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Argumentationsmuster und Erklärungsansätze von jungen Muslimen in Bezug auf ihre Einstellungen zu Juden und Israel zu gewinnen, ohne die Gruppe als homogen zu betrachten.
Die Autorin verwendet einen explorativen, qualitativen Forschungsansatz basierend auf problemzentrierten Interviews mit N=7 Teilnehmenden, die anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Interviewtranskripte hinsichtlich vorhandener Wissensbestände, dem Auftreten von sekundärem, rassistischem und vor allem antizionistischem Antisemitismus sowie der Reflexion über persönliche Sozialisationserfahrungen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Konzepte wie den Nahostkonflikt als "roter Faden", Identifikation mit der muslimischen Gemeinschaft, Diskriminierungserfahrungen und die Abgrenzung zwischen den Begriffen "Jude" und "Israeli" geprägt.
Laut der Studie ist der antizionistische Antisemitismus die am häufigsten beobachtete Form, die eng mit den emotionalen Reaktionen auf den Nahostkonflikt verknüpft ist und oft klassische antisemitische Mythen in modernen Kontexten modifiziert.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Befragten ihre eigene gesellschaftliche Marginalisierung als Motiv nutzen, um eine Analogie zum Leid der Palästinenser zu ziehen, wodurch Juden im Gespräch oft als "rhetorischer Feind" oder Sündenbock fungieren.
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