Bachelorarbeit, 2021
35 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Interaktionssoziologie nach Erving Goffman
2.1 Das Alltägliche als Gegenstand
2.2 Die Interaktionsordnung
2.3 Der Interaktionsbegriff
2.4 Die Organisation von Körpern im Raum
2.5 Interaktionsrituale
3. Der Wandel der Interaktionsordnung
3.1 Abstand halten
3.2 Maske tragen
3.3 Neue Höflichkeiten
4. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Interaktionsordnung im öffentlichen Raum infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Basierend auf der Interaktionssoziologie von Erving Goffman wird analysiert, wie sich menschliches Verhalten unter den neuen Bedingungen von Abstandsregeln und Maskenpflicht verändert hat.
3.1 Abstand halten
Abstand halten – So lautet das Gebot im Jahr 2020. Der Körper als Übertragungsmedium für das Coronavirus wurde zu einer Gefahr erklärt. Wo immer es möglich ist, sollen Abstände zu anderen Individuen eingehalten werden, um eine Ansteckung mit dem Virus zu verhindern. Um in Erving Goffmans Sprache zu bleiben ist der Körper in Coronazeiten eine „Quelle der Kontamination“ (ebd., 1974, S.173), der durch Exkremente wie Speichel oder Nasensekret das Territorium eines anderen verletzen kann (vgl. ebd. S.77). Berührungen mit eben diesen Exkrementen kann zu einer Erkrankung mit dem Virus führen und eine Territoriumsverletzung darstellen.
In diesem Zusammenhang erscheint es besonders nachvollziehbar, gesundheitlich schwächere Bevölkerungsgruppen wie alte oder vorerkrankte Menschen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, indem sich die jungen und gesunden Menschen zurückziehen (vgl. Klein & Liebsch, 2020, S.62 und Wetzels, 2020). Die Soziologen Hubert Knoblauch und Martina Löw erkennen die kontaminierende Wirkung sozialer Interaktionen und dass es notwendig ist, dass diese Interaktionen „in Form von Social Distancing neu konventionalisiert und ritualisiert werden“ (ebd., 2020, S.90). Aus diesem Grund ist die Bevölkerung dazu angehalten, so viele Dinge wie möglich von zu Hause aus zu erledigen und sich nur noch aus wichtigen Gründen, wie Arbeiten, Einkaufen oder Arztbesuche in die Öffentlichkeit zu begeben.
Genau in diesen Situationen, in denen es unvermeidlich ist, zu Hause zu bleiben und „sich das Individuum weiterhin mit seinem Körper in den öffentlichen Austausch begibt“ (Opitz, 2020, S.129), greift das Abstandsgebot. Überall dort, „wo Räume voller oder enger werden (in Supermärkten, in Parks, auf Radwegen etc.)“ (Alkemeyer & Bröskamp, 2020, S.70) mussten neue Verhaltensmuster erlernt werden, um den gebotenen Abstand von mindestens eineinhalb Metern einzuhalten. Um sich daran zu erinnern, dass Abstand eingehalten werden soll und um auch die Größe des Mindestabstands einschätzen zu können, findet man in öffentlichen Gebäuden und Einkaufsstätten „Klebestreifen auf Fußböden [und] Absperrbänder“ (Opitz, 2020, S.125) vor, die dem Individuum zur Orientierung dienen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der veränderten Interaktionsordnung während der Corona-Pandemie ein und verortet die Arbeit im theoretischen Rahmen der Interaktionssoziologie von Erving Goffman.
2. Die Interaktionssoziologie nach Erving Goffman: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Begriffe und Konzepte Goffmans, wie die Interaktionsordnung, Face-to-Face-Interaktion und Territorien des Selbst, die als Basis für die Analyse dienen.
3. Der Wandel der Interaktionsordnung: Hier werden die empirischen Befunde zum Wandel der Interaktionsordnung diskutiert, wobei die Auswirkungen von Abstandsgeboten, der Maskenpflicht und neu entstehender Höflichkeitsrituale im Fokus stehen.
4. Schluss: Der Schluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass die Corona-Pandemie die Interaktionsordnung massiv verändert hat, was zu einer Krise des Sozialen führt, die weitere Forschungsarbeit erfordert.
Interaktionsordnung, Erving Goffman, Corona-Pandemie, Social Distancing, Face-to-Face-Interaktion, Abstandsgebot, Maskenpflicht, Höflichkeit, Interaktionsrituale, Territorium des Selbst, soziale Situation, Körperlichkeit, öffentliche Räume, Kommunikation, soziale Beziehungen.
Die Arbeit untersucht, wie sich die soziale Interaktion zwischen Menschen im öffentlichen Raum durch die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie grundlegend verändert hat.
Die zentralen Themen sind der Wandel von räumlichen Abständen (Social Distancing), die Einführung der Maskenpflicht sowie die daraus resultierenden neuen Formen der Höflichkeit und Begrüßung.
Die Forschungsfrage lautet, wie sich die Interaktionsordnung im öffentlichen Raum aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verändert hat.
Die Arbeit nutzt als theoretischen Rahmen die Interaktionssoziologie von Erving Goffman und erörtert soziologische Befunde zur Corona-Pandemie, um den Wandel der alltäglichen Interaktionspraktiken zu beschreiben.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Interaktionssoziologie geklärt, bevor die empirischen Auswirkungen von Abstandsregeln, dem Tragen von Masken und veränderten Höflichkeitsritualen diskutiert werden.
Die wichtigsten Begriffe sind Interaktionsordnung, Erving Goffman, soziale Situation, Social Distancing, Maskenpflicht, Höflichkeit und Interaktionsrituale.
Die Maske verhüllt die Mimik, was die Kommunikation erschwert, da wichtige nonverbale Signale fehlen; dies führt dazu, dass Blickkontakte an Bedeutung gewinnen, um soziale Interaktionen zu steuern.
Es überformt und suspendiert bisher geltende, situationsgebundene Konventionen der Raumnutzung, indem es eine verbindliche, situationsübergreifende Distanzregel für alle Individuen erzwingt.
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