Diplomarbeit, 1999
89 Seiten, Note: 2,0
Vorwort
Einleitung
1 Darstellung der Caritas Tagesstätte für schwerst körperbehinderte Erwachsene
1.1 Vorgeschichte und Entstehung der Caritas Tagesstätte
1.1.1 Caritas Kontaktstelle für Behinderte
1.1.2 Konzeptarbeit für die Tagesstätte
1.1.3 Anfangsproblematiken
1.2 Strukturelle Rahmenbedingungen
1.2.1 Finanzielle Problematiken
1.2.2 Behindertenarbeit des Caritasverbands als Träger und Dachverband
1.3 Prinzipien sozialarbeiterischen Handelns in der Tagesstätte
1.3.1 Normalisierung
1.3.2 Parteilichkeit
1.3.3 Solidarität
2 Die Arbeit in der Caritas Tagesstätte – Umsetzung der Prinzipien der Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität
2.1 Von der Passivität zur Aktivität oder: Vom Patienten zum Konsumenten
2.2 Alltagsorganisation
2.2.1 Helferorganisation
2.2.2 Administration
2.2.3 Bildungsarbeit
2.2.4 Kommunikation im sozialen Umfeld
2.2.5 Partnerschafts- und Sexualberatung
3 Konzeptioneller Hintergrund der Tagesstätte zur professionellen Sozialarbeit in der Caritas Tagesstätte
3.1 Körperbehinderte Menschen – ein Leben lang in einem Sondersystem
3.1.1 Der behinderte Mensch als zu korrigierendes Mängelwesen
3.1.2 Auswirkungen von totalen Institutionen auf die Betroffenen
3.2 Die ‚Selbstbestimmt-Leben-Bewegung‘
3.2.1 Geschichtlicher Hintergrund: ‚Die Independent-Living-Bewegung‘
3.2.2 Anfänge der ‚Selbstbestimmt-Leben-Bewegung‘ in Deutschland
3.3 Theoretisches Wissen als Grundlage professioneller Arbeit
3.3.1 Öko-sozialer Ansatz nach Wendt
3.3.2 Netzwerkarbeit
3.3.3 Empowerment – neue Möglichkeiten in der Sozialen Arbeit
4 Konsequenzen dieser Konzeption für die Behindertenarbeit am Beispiel der Caritas Tagesstätte
4.1 Problematiken dieses Arbeitsansatzes
4.1.1 Geringe persönliche Distanz zu den NutzerInnen der Einrichtung
4.1.2 Umgang mit ‚institutionalisierten‘ NutzerInnen
4.1.3 Ablehnung des Konzeptes und der Einrichtung durch die Fachbasis
4.2 Weiterentwicklung dieses Ansatzes
4.2.1 Etablierung des Gesamtkonzeptes in der Fachbasis
4.2.2 Betreutes Einzelwohnen
4.3 Einsetzbarkeit der vorgestellten Sozialarbeitstheorien
5 Schlußgedanken
Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein innovatives Konzept der offenen Behindertenarbeit vorzustellen, das körperbehinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben außerhalb vollstationärer Institutionen ermöglicht. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Prinzipien Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität praktisch in die soziale Arbeit integriert werden können, um die Abhängigkeit der Betroffenen von Fremdbestimmung zu minimieren und Eigeninitiative zu fördern.
2.1 Von der Passivität zur Aktivität oder: Vom Patienten zum Konsumenten
Die NutzerInnen der Tagesstätte werden als mündige Bürger betrachtet, die selbst für sich und ihr Leben entscheiden können. Behinderung wird nicht als individuelles Defizit betrachtet, sondern primär als praktisches Problem, das durch entsprechende Unterstützungsleistungen reduziert werden kann.
Die aus der zugewiesenen Krankenrolle resultierenden Defizite wie Unselbständigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Passivität usw. können verständlicherweise nicht in kürzester Zeit kompensiert werden. In der Tagesstätte haben die NutzerInnen die Chance, die Rolle des passiven Hilfeempfängers abzulegen. Dazu gehört vor allem, daß die NutzerInnen ihre Behinderung als ein Teil von ihrem Menschsein akzeptieren, welches nicht mit Therapie bekämpft werden muß. Viele der NutzerInnen haben durch jahrelange Therapien versucht, ‚nichtbehindert‘ zu werden. Seit Beginn ihres Lebens wurden sie immer wieder auf Defizite und Mängel ihres Körpers hingewiesen, mit der Folge, daß sie ihren Körper als häßlich und nicht liebenswert betrachten, ihn bisweilen sogar hassen.
Während der Zeit in der Tagesstätte können die NutzerInnen direkt erfahren, daß sie in ihrem Menschsein akzeptiert, anerkannt und respektiert werden. Das tägliche Zusammensein mit behinderten und nichtbehinderten Menschen trägt wesentlich – auch ohne spezielle Therapie – dazu bei, das Selbstwertgefühl zu stärken und die Behinderung allmählich zu akzeptieren.
1 Darstellung der Caritas Tagesstätte für schwerst körperbehinderte Erwachsene: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte, strukturelle Rahmenbedingungen und die grundlegenden Handlungsprinzipien der Tagesstätte.
2 Die Arbeit in der Caritas Tagesstätte – Umsetzung der Prinzipien der Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität: Hier wird anhand eines Fallbeispiels dargestellt, wie die NutzerInnen durch Empowerment von der Rolle des passiven Patienten zum aktiven Konsumenten geführt werden.
3 Konzeptioneller Hintergrund der Tagesstätte zur professionellen Sozialarbeit in der Caritas Tagesstätte: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es die Situation behinderter Menschen analysiert und Konzepte wie Empowerment, ökosozialen Ansatz und Netzwerkarbeit definiert.
4 Konsequenzen dieser Konzeption für die Behindertenarbeit am Beispiel der Caritas Tagesstätte: Der Autor diskutiert Probleme des Ansatzes, wie etwa die Akzeptanz in der Fachbasis, und beschreibt geplante Weiterentwicklungen wie das betreute Einzelwohnen.
5 Schlußgedanken: Ein Fazit zur politischen Verantwortung der Sozialen Arbeit, Behinderung nicht als Defizit, sondern als Teil der Identität zu begreifen.
Behindertenarbeit, Normalisierungsprinzip, Parteilichkeit, Solidarität, Selbstbestimmtes Leben, Caritas Tagesstätte, Empowerment, Ökosozialer Ansatz, Netzwerkarbeit, Integration, Institutionenkritik, Soziale Arbeit, Körperbehinderung, Eigeninitiative, Hilfeprozess.
Die Arbeit untersucht alternative Ansätze in der Behindertenarbeit, um ein selbstbestimmtes Leben für schwerst körperbehinderte Menschen außerhalb von vollstationären Einrichtungen zu ermöglichen.
Die zentralen Themen sind das Normalisierungsprinzip, Empowerment, die Kritik an totalen Institutionen und die praktische Umgestaltung der Alltagsorganisation für behinderte Menschen.
Das Ziel ist es, durch die Umsetzung der Prinzipien Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität die Autonomie der betroffenen Menschen zu fördern und ihre Abhängigkeit von traditionellen Strukturen zu verringern.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der ökosozialen Theorie, dem Empowerment-Ansatz und Case-Management-Verfahren sowie deren praktische Anwendung in einem Pilotprojekt.
Der Hauptteil analysiert die Konzeption der Caritas Tagesstätte, die Umsetzung dieser Prinzipien im Alltag sowie die Herausforderungen bei der Etablierung eines solchen Modells.
Wichtige Begriffe sind Behindertenarbeit, Empowerment, Selbstbestimmung, Normalisierung, Parteilichkeit und Netzwerkarbeit.
Der Begriff „NutzerInnen“ vermeidet das Abhängigkeitsverhältnis, das mit dem Klientenbegriff assoziiert wird, und betont die Freiwilligkeit und Eigenmacht der Menschen.
Empowerment dient als handlungsleitender Rahmen, um die behinderten Menschen zu befähigen, ihre Interessen selbst zu vertreten und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, anstatt passiv verwaltet zu werden.
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