Diplomarbeit, 2001
168 Seiten, Note: sehr gut
Vorwort
Einleitung
1 Konfliktfelder in den Tätigkeitsbereichen der psychiatrischen Pflege
2 Professionalisierung in der Pflege
2.1 Professionalisierung der psychiatrischen Pflege
2.2 Zum beruflichen Selbstverständnis der psychiatrischen Pflege
2.3 Zum Verständnis von Psychosen
2.4 Psychiatrische Pflege und Ethik
2.4.1 Theoretische Grundlagen
2.4.2 Ethische Prinzipien und moralisches Handeln in der psychiatrischen Pflege
2.5 Zusammenfassung
3 Explorative Studie
3.1 Auswahl und Begründung der Fragen
3.2 Auswahl und Begründung der Fallbeispiele und der dazu gehörenden Fragen
4 Ergebnisse
4.1 Ergebnisse und Interpretation der persönliche Daten
4.2 Ergebnisse und Interpretation der Fragen zum Berufsverständnis
4.3 Zusammenfassung berufliches Selbstverständnis
5 Ergebnisse der geschlossenen Fragen zu den Fallbeispielen
5.1 Auswertung der offenen Fragen zu den Fallbeispielen
5.1.1 Argumente gegen die Durchführung der ärztlichen Anordnung in den Fallbeispielen
5.1.2 Vergleichende Betrachtung der TeilnehmerInnen, die in beiden Fallbeispielen die Anordnung nicht ausführen.
5.1.3 Argumente bei einer Durchführung der ärztlichen Anordnung in den Fallbeispielen
5.2 Interpretation der Aussagen bei einer Durchführung der ärztlichen Anordnung in beiden Fallbeispielen
6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
7 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Pflegekräfte in der Psychiatrie mit ethisch herausfordernden Situationen und Konflikten umgehen. Das primäre Ziel ist es, das Entscheidungsverhalten und die Argumentationsmuster von Fachpflegekräften bei der Konfrontation mit ärztlichen Anordnungen zu analysieren, die im Widerspruch zu ihrem professionellen Selbstverständnis stehen, um daraus Grundlagen für ein ethisch-didaktisches Unterrichtskonzept abzuleiten.
Prinzip 1: Wert des Lebens/Achtung vor dem Leben
In der psychiatrischen Arbeit haben wir es öfter auch mit Menschen zu tun, die aus unterschiedlichen Gründen keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen und die Selbsttötung dem Weiterleben vorziehen. 1989 kamen auf 100 000 Einwohner in der BRD 16,35 Suizide. Die Zahl der Suizidversuche war zehn mal so hoch, die Dunkelziffer ist unbekannt (Dörner/Plog 1996, S. 336). Nicht selten, eher ist es die Regel, werden Menschen nach einem gescheiterten Suizidversuch in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Gründe, die dazu führen, dass ein Mensch den Tod dem Leben vorzieht, sind sehr unterschiedlich. Verzweiflung, Ausweglosigkeit, Angst, Hoffnungslosigkeit, Verlust, mißglückte Altersadaption, Schmerzen durch Krankheiten und psychiatrische Erkrankungen, insbesondere Depressionen und Neurosen, seltene r Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis werden für suizidale Handlungen am häufigsten genannt (Ringel, 1976). Nach Ringel ist der Mensch das einzige Lebewesen, dass die Möglichkeit besitzt, sich absichtlich selber umzubringen (vgl. ebd. S. 12).
Die gesellschaftliche Bewertung einer suizidalen Handlung ist kulturell sehr unterschiedlich. In Japan wird der Suizid als heroische Tat verehrt, im eher katholisch geprägten Irland als Verbrechen betrachtet (vgl. Dörner/Plog 1996, S. 337). In der deutschen Psychiatrie wird eine suizidale Handlung als absolute Zuspitzung einer Krise betrachtet, in der der betroffene Mensch seine Handlungsalternativen (bis auf eine) verloren hat. Zugleich aber wird auch angenommen, dass sich nach einer Überwindung der Krise wieder Handlungsalternativen eröffnen. Psychiatrisches Handeln ist somit darauf ausgerichtet, den Suizid zu verhindern und gleichzeitig mit dem Patienten andere Bewältigungsformen zu entwickeln.
Einleitung: Umriss der ethischen Spannungsfelder in der psychiatrischen Pflege und Zielsetzung der empirischen Studie.
1 Konfliktfelder in den Tätigkeitsbereichen der psychiatrischen Pflege: Darstellung typischer Konfliktsituationen, die bei der pflegerischen Arbeit mit psychisch kranken Menschen entstehen.
2 Professionalisierung in der Pflege: Analyse des Professionalisierungsprozesses der psychiatrischen Pflege unter Berücksichtigung theoretischer Modelle und ethischer Grundlagen.
3 Explorative Studie: Methodische Erläuterung der Befragung von 115 Fachpflegekräften inklusive der Begründung für die gewählten Fallbeispiele.
4 Ergebnisse: Präsentation der erhobenen Daten zu persönlichen Merkmalen und zum Berufsverständnis der Befragten.
5 Ergebnisse der geschlossenen Fragen zu den Fallbeispielen: Detaillierte Auswertung der Reaktionen und Argumentationen in Bezug auf die ethischen Dilemmata der Fallbeispiele.
6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse: Synthese der Studienergebnisse und kritische Reflexion des professionellen Handelns in der psychiatrischen Versorgung.
7 Ausblick: Entwicklung von Empfehlungen für eine ethisch fundierte Praxis und Ausbildung in der psychiatrischen Pflege.
Psychiatrische Pflege, Berufliches Selbstverständnis, Ethik, Psychose, Professionalisierung, Moralische Konflikte, Entscheidungsfindung, Fallbeispiele, Patientenrechte, Fürsorge, Autonomie, Professionelles Handeln, Verantwortungsethik, Empowerment.
Die Arbeit untersucht ethische Aspekte und die Entscheidungsfindung in der psychiatrischen Pflege, insbesondere bei moralischen Konflikten in der Behandlung psychosekranker Menschen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Professionalisierung der psychiatrischen Pflege, dem beruflichen Selbstverständnis, dem ethischen Handeln und dem Umgang mit psychotischen Symptomen.
Das Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie psychiatrische Pflegekräfte bei ethischen Dilemmata argumentieren und handeln, um diese Ergebnisse für didaktische Konzepte in der Fachweiterbildung zu nutzen.
Der Autor führte eine quantitative, explorative Studie mit 115 psychiatrischen Fachpflegekräften durch, die unter anderem auf Fallbeispielen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Professionalisierung, Ethikdiskussion, Verständnis von Psychosen) sowie die Darstellung und Interpretation der empirischen Ergebnisse zur Argumentationspraxis.
Wichtige Begriffe sind psychiatrische Pflege, Berufsethik, moralische Konfliktsituationen, professionelles Selbstverständnis, Empowerment und der Umgang mit ärztlichen Anordnungen.
Die Mehrheit der Befragten erlebt bei solchen Anordnungen eine „Schwere Machtlosigkeit“ und versucht oft, den Arzt umzustimmen, führt die Anordnung aber häufig dennoch aus, um das Arbeitsverhältnis nicht zu gefährden.
Die Arbeit zeigt, dass die Vermittlung ethischer Grundlagen in der Ausbildung und Weiterbildung noch unzureichend ist, was maßgeblich zum unsicheren Handeln in Konfliktsituationen beiträgt.
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