Bachelorarbeit, 2021
49 Seiten
Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
Einleitung
Teil I: Linguistische Grundbegriffe
1. Phonologische Bewusstheit
1.1 Phonologische Bewusstheit im engeren und weiteren Sinne
1.2 Entwicklung der phonologischen Bewusstheit
2. Schriftspracherwerb
2.1 Voraussetzung des Schriftspracherwerbs
3. Zusammenhänge zwischen phonologischer Bewusstheit und Schriftspracherwerb
Teil II: Deutsche Sprachentwicklung bei russischen Schülerinnen und Schülern
4. Die Rolle der Muttersprache beim Zweitspracherwerb und dem Schriftspracherwerb in der Zweitsprache
5. Stolpersteine bei russischen Kindern beim deutschen Schriftspracherwerb
5.1 Die phonologischen Systeme im Vergleich
5.1.1 Der Glottischlag
5.1.2 Vokallänge
5.1.3 Vokalreduktion
5.1.4 Labialisierung der Vokale
5.1.5 Klangfarbe der Vokale
5.1.6 Palatalisierung der Konsonanten
5.1.7 Stimmhaftigkeit der Konsonanten
5.1.8 Konsonantenlänge
5.1.9 Der Hauch- und „ich/ ach- Laut“
5.1.10 Aspiration der Verschlusslaute
5.1.11 Fremdwörter
5.2 Die Graphem- Phonem- Korrespondenz in Einbettung in das Phasenmodell nach Günther
5.2.1 Die präliteral- symbolische Phase
5.2.2 Die logographemische Phase
5.2.3 Die alphabetische Phase
5.2.4 Die orthographische Phase
5.2.5 Die integrativ- automatisierte Phase
Die Arbeit untersucht die linguistischen Herausforderungen (Stolpersteine), mit denen Kinder mit russischer Muttersprache beim Erwerb der deutschen Schriftsprache konfrontiert sind, und entwickelt auf Basis eines Sprachvergleichs didaktische Ansätze zur Unterstützung des Lernprozesses.
5.1.1 Der Glottischlag
Sowohl das Deutsche als auch das Russische gehören zu den akzentzählenden Sprachen. Doch während beim Russischen der jeweilige Akzent bedeutungsunterscheidend sein kann, ist das Deutsche keine Tonsprache, wodurch der Akzent bzw. die unterschiedlichen Tonverläufe im Bereich der Wortintonation keine bedeutungsunterscheidende Funktion aufweist. Die Betonung im Russischen bleibt dabei frei, wobei jede Silbe betont werden kann. So fehlt beispielsweise der im Deutschen vorhandene Glottischlag [ʔ], der die Vokale im Wortstammanlaut in der betonten Position einleitet. Beim Glottischlag handelt es sich um einen sogenannten Glottiverschlusslaut, einem Plosiv, der im Kehlkopf gebildet wird. Wichtig dabei zu betonen ist jedoch, dass es sich beim Glottischlag, oder auch Knacklaut genannt, nicht um ein Phonem handelt (vgl. Hoffmann et al, 2017). Der harte Stimmeinsatz geht von einer Vollschlussstellung aus, d.h. dass die Stimmlippen komplett geschlossen sind und dann durch einen leichten Atemdruck explosionartig geöffnet werden. Dabei entsteht ein sogenannter Knacklaut. Der Glottischlag besitzt aber die phonologische Funktion eines Grenzsignals. Dieses Signal trennt Morpheme und Wörter voneinander, weshalb dem Glottischlag eine bedeutungsunterscheidende Funktion zugeschrieben wird. Im Vergleich dazu werden im Russischen die neuen anlautenden Vokale ohne Übergang artikuliert. Somit handelt es sich im Russischen um einen weichen oder auch losen Stimmeinsatz.
Da dieser Glottischlag im Russischen fehlt, kann es russischsprachigen Kindern schwer fallen, Wörter wie verreisen und vereisen zu unterscheiden. Doch nicht nur einzelne Silben in einem Wort, in dem der letzte Laut in den Vokal der folgenden Silbe übergeht, sondern auch ganze Wörter können ineinander übergehen, sodass ganze Sätze klingen als wären alle Wörter miteinander verbunden (vgl. Böttger, 2008). Dieser negativer Transfer kann sowohl in der Schreibung, als auch in der Lesung bzw. Aussprache zu Verständnis- und zu Verstehensproblemen führen und somit Missverständnisse in der Kommunikation auf beiden Seiten verursachen.
Phonologische Bewusstheit: Erläutert die kognitiven Fähigkeiten zur Analyse lautlicher Strukturen, die als grundlegende Voraussetzung für den Schriftspracherwerb dienen.
Schriftspracherwerb: Unterscheidet zwischen Lern- und Erwerbsprozessen und betont die Bedeutung von Input sowie individueller Wissensbildung beim Lesen- und Schreibenlernen.
Zusammenhänge zwischen phonologischer Bewusstheit und Schriftspracherwerb: Beleuchtet die wechselseitige Verbindung und Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für den Erfolg in der Schriftsprache.
Die Rolle der Muttersprache beim Zweitspracherwerb und dem Schriftspracherwerb in der Zweitsprache: Analysiert den Einfluss der L1-Kompetenz und Mechanismen wie positiven oder negativen Transfer auf den L2-Erwerb.
Stolpersteine bei russischen Kindern beim deutschen Schriftspracherwerb: Vergleicht systematisch die phonologischen Systeme beider Sprachen und zeigt konkrete Problemfelder sowie didaktische Lösungswege auf.
Die Graphem- Phonem- Korrespondenz in Einbettung in das Phasenmodell nach Günther: Beschreibt den Erwerbsprozess der Schriftsprache anhand der fünf Phasen nach Günther und analysiert die spezifischen Schwierigkeiten russischsprachiger Lerner in jeder Phase.
Schriftspracherwerb, Phonologische Bewusstheit, Deutsch als Zweitsprache, Muttersprache, Russisch, Phonologie, Interferenz, Graphem-Phonem-Korrespondenz, Schriftsprache, Lautsystem, Sprachvergleich, Fehleranalyse, Lesekompetenz, Orthographie, Mehrsprachigkeit.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen, die für Kinder mit russischer Muttersprache beim Erwerb der deutschen Schriftsprache entstehen, insbesondere aufgrund der Unterschiede zwischen beiden Sprachen.
Zentrale Themen sind die phonologische Bewusstheit, der Einfluss der Muttersprache auf den Schriftspracherwerb in der Zweitsprache sowie die methodische Unterstützung durch Vergleiche von Lautsystemen und Graphem-Phonem-Beziehungen.
Das Ziel ist es, sprachliche Stolpersteine für russischsprachige Kinder zu identifizieren, diese wissenschaftlich zu begründen und praktische didaktische Lösungsansätze für Lehrkräfte aufzuzeigen.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit existierender Fachliteratur und führt einen sprachwissenschaftlichen Vergleich zwischen dem Deutschen und dem Russischen auf phonologischer und graphemischer Ebene durch.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung linguistischer Grundbegriffe sowie einen detaillierten Vergleich der phonologischen Systeme und eine Analyse der Korrespondenzen im Phasenmodell des Schriftspracherwerbs.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Schriftspracherwerb, phonologische Bewusstheit, Mehrsprachigkeit, interlinguale Fehler und Sprachvergleich charakterisieren.
Im Deutschen dient der Glottischlag als Grenzsignal zur Einleitung von Vokalen im Wortanlaut, während im Russischen Vokale anlautend ohne diesen harten Stimmeinsatz gesprochen werden.
Da im Russischen die Vokallänge keine bedeutungsunterscheidende Funktion hat, das Deutsche jedoch auf einem hochkomplexen Vokalismus basiert, fällt die Differenzierung zwischen gespannten und ungespannten Vokalen schwer.
Palatalisierung ist die Erweichung von Konsonanten. Da russische Lerner dies häufig auf das Deutsche übertragen (z.B. vor vorderen Vokalen), entstehen Aussprache- und Schreibfehler bei Konsonanten.
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