Diplomarbeit, 2001
41 Seiten, Note: Ausgezeichnet
1. Historischer Abriss
2. Begriffserklärungen
2.1 Definition geistige Behinderung
2.2 Definition Sexualität
3. Menschliche Entwicklung
3.1 Allgemeine Entwicklungsphasen
3.1.1 Orale Phase: Vertrauen ÁË Misstrauen
3.1.2 Anale Phase: Autonomie ÁË Zweifel
3.1.3 Phallische Phase: Iniative ÁË Schuldgefühl
3.1.4 Latenzphase: Leistung ÁË Minderwertigkeit
3.1.5 Pubertät: Identität ÁË Rollenverwechslung
3.2 Sexualentwicklung geistig behinderter Menschen
4. Bedeutung von Sexualität und Partnerschaft für geistig behinderte Menschen
4.1 Bedeutung von Sexualität
4.2 Bedeutung von Partnerschaft
5. Verhaltensweisen der Sexualität
5.1 Sexueller und genitaler Infantilismus
5.2 Selbstbefriedigung
5.3 Heterosexualität
5.4 Homosexualität
5.5 Abnormes Sexualverhalten
6. Sexueller Missbrauch bei Menschen mit geistiger Behinderung
7. Empfängnisverhütung
7.1 Antibabypille
7.2 Implantat
7.3 Intra-Uterin-Pessar (Spirale)
7.4 Diaphragma
7.5 Spermicide
7.6 Kondom
7.7 Sterilisation
8. Sexualpädagogische Grundlagen
8.1 Sexualerziehung
8.2 Auswahl und Beurteilung von Materialien
9. Konzepte und Materialien
10. Schlussbemerkung
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung von Sexualität und Partnerschaft für Menschen mit geistiger Behinderung. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, auf die Bedürfnisse geistig behinderter Menschen aufmerksam zu machen und die Notwendigkeit einer individuellen Sexualerziehung aufzuzeigen, um eine selbstbestimmte Lebensführung zu fördern.
Praxisbeispiel:
Ein sechsundzwanzig jähriger Mann fiel durch seine Distanzlosigkeit unangenehm auf. Vor allem Frauen gegenüber suchte er verstärkten Kontakt durch Umarmen und ständiges Verfolgen.
Schließlich nahm sich eine Betreuerin seiner an und ließ sich auf die Rolle der „Ersatzmutter“ ein. Sie ließ Körperkontakt zu, streichelte und umarmte ihn. Als der Mann lernte, seine emotionalen Spannungszustände auf eine weibliche Puppe („Corinna“) zu projizieren - Differenzierungsphase – fing sie vorsichtig an, den Körperkontakt zu reduzieren.
Er lernte, sich mit seiner Umwelt auseinander zusetzen und die Bedeutung von Eigentum wurde ihm bewusst. Er nahm sein Zimmer an, räumte es aus und gestaltete es um. Auch die Körperpflege, die ihn bislang überforderte, begann er selbst durchzuführen. Er fand jedoch an den weiblichen Attributen wie lackierte Fingernägel, lange Haare oder Röcke mehr gefallen. Die männlichen Mitglieder seiner Gruppe interessierten ihn wenig. Seine Neigungen konnte er mit seiner „Corinna“ befriedigen, indem er ihr die Nägel lackierte und ihr die Haare kämmte.
Während des „Trotzalters“ zeigte er heftigen Widerstand, wollte seinen Willen durchsetzen, aber doch Zuneigung erfahren. Wenig später fing er an, sich mit der Geschlechterzugehörigkeit zu befassen. Er merkte, dass Frauen keinen Bart, Männer aber sehrwohl Bartwuchs haben. Schließlich bekam er eine männliche Puppe namens „Paul“. Er wurde sich bewusst, dass Paul ein Junge wie er war, und ebenfalls Hosen trug. Nun begann er auch, sich den männlichen Gruppenmitgliedern, besonders den „bärtigen“ Betreuern zuzuwenden. Er ahmte Redewendungen, Haltungen und Handlungen nach. Bis er beschloss, sich wie seine männlichen Gruppenmitglieder, einen Bart wachsen zu lassen. Die Identifizierung mit seiner männlichen Rolle, war durch die phasengerechten Beziehungsangebote seine „Ersatzmutter“ gelungen.
1. Historischer Abriss: Beschreibt den Wandel der Lebensumstände behinderter Menschen vom Mittelalter über die Aufklärung bis hin zur Psychiatrie und modernen Ansätzen.
2. Begriffserklärungen: Definiert geistige Behinderung sowie den komplexen Begriff der Sexualität in Bezug auf den Behindertenkontext.
3. Menschliche Entwicklung: Erläutert allgemeine psychosexuelle Entwicklungsphasen und deren spezifische Ausprägung bei geistig behinderten Menschen.
4. Bedeutung von Sexualität und Partnerschaft für geistig behinderte Menschen: Beleuchtet, wie Sexualität und Partnerschaft zur Identitätsbildung, Selbstverwirklichung und Lebensqualität beitragen.
5. Verhaltensweisen der Sexualität: Analysiert verschiedene Aspekte wie Selbstbefriedigung, Hetero- und Homosexualität sowie den Umgang mit vermeintlich abnormem Sexualverhalten.
6. Sexueller Missbrauch bei Menschen mit geistiger Behinderung: Thematisiert Risikofaktoren für Missbrauch sowie notwendige Interventionsschritte und Schutzmaßnahmen.
7. Empfängnisverhütung: Diskutiert verschiedene Verhütungsmethoden, ihre praktische Anwendbarkeit und die ethischen Aspekte der Sterilisation.
8. Sexualpädagogische Grundlagen: Definiert Ziele der Sexualerziehung und Kriterien zur Auswahl geeigneter pädagogischer Materialien.
9. Konzepte und Materialien: Gibt einen Ausblick auf die praktische Arbeit mit sexualpädagogischen Angeboten für Erwachsene mit geistiger Behinderung.
10. Schlussbemerkung: Appelliert an Betreuer und Eltern, das Grundrecht auf Sexualität für behinderte Menschen aktiv zu unterstützen und Vorurteile abzubauen.
Geistige Behinderung, Sexualität, Sexualerziehung, Partnerschaft, Selbstbestimmung, Inklusion, Missbrauchsprävention, Verhütung, Sexualpädagogik, Lebensqualität, Identitätsentwicklung, Normalisierung, Behindertenbetreuung, Bedürfnisse, Körperwahrnehmung.
Die Arbeit beleuchtet die Sexualität geistig behinderter Menschen als integralen Bestandteil ihrer Persönlichkeit und untersucht, wie dieses Grundbedürfnis in einem unterstützenden Umfeld gelebt werden kann.
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des Behindertenbildes, die psychosexuelle Entwicklung, die Bedeutung von Partnerschaften, Missbrauchsprävention sowie Konzepte der Sexualerziehung.
Das Ziel ist es, Leser zum Umdenken zu bewegen und Betreuern sowie Eltern Wege aufzuzeigen, wie sie geistig behinderte Menschen in ihrer sexuellen Identitätsentwicklung respektvoll und professionell begleiten können.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse von heilpädagogischen und sexualpädagogischen Grundlagen sowie praxisorientierten Fallbeispielen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Begriffen, der menschlichen Entwicklung, konkreten Verhaltensweisen der Sexualität, Verhütungsmethoden und der praktischen Umsetzung sexualpädagogischer Arbeit.
Geistige Behinderung, Sexualität, Sexualerziehung, Partnerschaft, Inklusion und Selbstbestimmung sind zentrale Begriffe der Arbeit.
Durch sexualpädagogische Aufklärung, die Förderung der Selbstbestimmung und die Etablierung klarer Interventionsstrukturen bei Übergriffen, um das Unterscheidungsvermögen und die Wehrhaftigkeit zu stärken.
Da der Wunsch selten von den Betroffenen selbst kommt, der Eingriff medizinische Risiken birgt und er häufig zur "einfachen Lösung" für überforderte Angehörige degradiert wird, ohne die eigentlichen Bedürfnisse der Menschen zu klären.
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