Masterarbeit, 2021
75 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Anfänge der Leibeserziehung nach 1945
3. Die Abgrenzung der Leibeserziehung von der militärischen Indoktrination
4. Die Leibeserziehung und das Gesundheitsmotiv
5. Bildungsbeiträge der Theorie der Leibeserziehung
6. Vereine, Sport und Leistung – Die Positionierung der Theorie der Leibeserziehung
7. Die inhaltliche Vermittlung der Leibeserziehung
8. Zusammenfassung der Entwicklung der Theorie der Leibeserziehung
9. Die Interessenvertretungen der Leibeserziehung
9.1 Der Ausschuss Deutscher Leibeserzieher und der Bundesverband Deutscher Leibeserzieher
9.2 Der Deutsche Sportbund
10. Curriculare Verankerung der Leibeserziehung in West-Berlin
10.1 Die curriculare Verankerung der Leibeserziehung von 1945 bis 1950
10.2 Der zeitliche Umfang in der curricularen Verankerung der Leibeserziehung
10.3 Die Bildungspläne der Leibeserziehung
11. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die curriculare Entwicklung des Sportunterrichts (damals als Leibeserziehung bezeichnet) im Land West-Berlin im Zeitraum von 1945 bis 1972. Ziel der Arbeit ist es, die langwierigen Bemühungen um die bildungspolitische Legitimation des Fachs, die theoretischen Diskursveränderungen sowie den Einfluss verschiedener Interessengruppen, insbesondere des Deutschen Sportbundes (DSB), auf die schulische Praxis und die Rahmenlehrpläne kritisch zu analysieren.
Die Abgrenzung der Leibeserziehung von der militärischen Indoktrination
Die Abgrenzung des sportlichen Verständnisses einer militärischen Funktion für die Gesellschaft beschreibt Schöning wie folgt: „Wir wollen – was die Leibeserziehung angeht – wieder dahin gelangen, wo wir vor 1933 eine vielversprechende Entwicklung haben abbrechen müssen“ (Krüger, 2006, S. 86). Damit zielt Schöning unmittelbar auf die ersten Bildungsmotive der Leibeserziehung der Philanthropen aus dem 18. und 19. Jahrhundert ab. Diese hatten die gesundheitliche Förderung, die Hinführung zur Harmonie des Körpers zwischen Leib und Seele und die Förderung der charakterlichen Eigenschaften wie Mut, Beharrlichkeit und Anstand zum Ziel (Grupe, 1980).
Die praktische Umsetzung dieser Motive in den ersten Nachkriegsjahren lässt sich in der ersten Ausgabe der Zeitschrift „Sport und Leibeserziehung“ mit den Worten Dr. Friedrich Knespers wiedergeben, der darauf verweist, „dass alle Übungen gestrichen wurden, die den Charakter von vormilitärischer Ausbildung tragen“ (Krüger, 2006, S. 87). Auch Schöning (1954) verweist auf die militärische Prägung der Leibeserziehung von 1933-1945. Umso schwieriger, schreibt er, waren die ersten Jahre danach, „die zunächst den Aufbauwillen vor der eigenen Verantwortung in das völlige Gegenteil“ (Schöning, 1954, S. 104) haben umschlagen lassen. Stibbe und Aschebrock (2007) fassen die Neuorientierung unter zwei Gesichtspunkten zusammen. Zum einen knüpfte man an die reformpädagogischen Leitideen der 1920er Jahre an, zum anderen versuchte man die Veränderung der inhaltlichen Gestaltung mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu begründen. Um einer erneuten politischen Vereinnahmung zu widerstehen, versuchte man in den nachfolgenden Jahren an eine generelle Kulturkritik anzuknüpfen, die ebenfalls in der Tradition der Reformpädagogik stand (Dietrich & Landau, 1990).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik des Sportunterrichts ein und definiert den Untersuchungszeitraum sowie die zentrale Forschungsfrage zur Legitimationsentwicklung.
2. Die Anfänge der Leibeserziehung nach 1945: Dieses Kapitel thematisiert die Phase nach dem Zweiten Weltkrieg, die unter der Kontrolle der Besatzungsmächte von dem Wunsch geprägt war, das Fach von nationalsozialistischen und militaristischen Einflüssen zu befreien.
3. Die Abgrenzung der Leibeserziehung von der militärischen Indoktrination: Das Kapitel erläutert, wie durch einen Rückgriff auf reformpädagogische Traditionen und die philanthropische Bildungsidee versucht wurde, eine neue pädagogische Grundlage ohne militärische Indoktrination zu schaffen.
4. Die Leibeserziehung und das Gesundheitsmotiv: Hier wird die gesundheitliche Förderung als zentrales Legitimationsargument in den ersten Nachkriegsjahren analysiert und kritisch hinterfragt.
5. Bildungsbeiträge der Theorie der Leibeserziehung: Der Fokus liegt auf der theoretischen Entwicklung didaktischer Begründungen, die den Sport stärker in den Kontext einer ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung einbetten sollten.
6. Vereine, Sport und Leistung – Die Positionierung der Theorie der Leibeserziehung: Dieses Kapitel befasst sich mit der theoretischen Auseinandersetzung zum Leistungsbegriff und der angestrebten inhaltlichen Abgrenzung gegenüber dem Vereinssport.
7. Die inhaltliche Vermittlung der Leibeserziehung: Analysiert wird die praktische Umsetzung in den Schulen, die zunehmend durch den Einfluss von Sportarten aus dem Vereinssport geprägt wurde.
8. Zusammenfassung der Entwicklung der Theorie der Leibeserziehung: Eine übergreifende Reflexion der theoretischen Debatten, die eine Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Anspruch und schulischer Realität offenlegt.
9. Die Interessenvertretungen der Leibeserziehung: Untersucht werden die Aktivitäten und die bildungspolitische Wirksamkeit von Organisationen wie dem Ausschuss Deutscher Leibeserzieher (ADL) und dem Deutschen Sportbund (DSB).
10. Curriculare Verankerung der Leibeserziehung in West-Berlin: Dieses Kapitel liefert eine konkrete Fallstudie zur Situation in West-Berlin, basierend auf der Auswertung von Lehrplänen und Stundentafeln.
11. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz, die bestätigt, dass die Leibeserziehung trotz fehlender einheitlicher didaktischer Begründung erfolgreich als fester Bestandteil der schulischen Bildung in West-Berlin verankert werden konnte.
Leibeserziehung, West-Berlin, Sportunterricht, Curriculare Verankerung, Legitimationskrise, Sportpädagogik, Didaktik, Deutscher Sportbund, Schulsport, Bildungsplanung, Leistungsgedanke, Gesundheitsmotiv, Reformpädagogik, Nachkriegszeit, Schulsportvereinigungen.
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die curriculare Verankerung des Schulsports, der im Untersuchungszeitraum als Leibeserziehung bezeichnet wurde, im Land West-Berlin zwischen 1945 und 1972.
Die zentralen Themen umfassen die Legitimationsbemühungen des Fachs, die Abgrenzung von militärischen Traditionen, die Rolle des Gesundheitsmotivs, die theoretische Entwicklung zur Sportpädagogik sowie den Einfluss des Deutschen Sportbundes.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Leibeserziehung in West-Berlin von einer an der Vergangenheit orientierten Disziplin zu einem in den Rahmenlehrplänen fest verankerten Unterrichtsfach entwickelte und welche Rolle dabei Interessenvertreter und didaktische Konzepte spielten.
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Verwendung von Sekundärliteratur, offiziellen Bildungsplänen, Sitzungsprotokollen der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie Dokumenten aus dem Landesarchiv Berlin.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Analysen der Legitimationsargumente (Gesundheit, Leistung, Bildungsbeitrag), die Rolle der Interessenvertretungen wie des ADL und DSB sowie die spezifische curriculare Umsetzung in West-Berlin anhand der historischen Bildungspläne von 1951, 1954, 1957 und 1968.
Die wichtigsten Begriffe sind Leibeserziehung, West-Berlin, Legitimationskrise, Curriculare Verankerung, Sportpädagogik und Deutscher Sportbund.
Die Arbeit stellt heraus, dass Berlin eine Vorreiterrolle einnahm, da es bereits 1955 – noch vor den Empfehlungen des DSB von 1956 – verbindliche Mindeststundenzahlen für die Leibeserziehung einführte.
Damit ist der Prozess gemeint, bei dem der Schulsport unter dem Einfluss des Deutschen Sportbundes zunehmend Inhalte, Strukturen und Leistungsverständnisse aus dem Leistungssport und dem Vereinssport übernahm, was zu einer Entfremdung von ursprünglichen pädagogisch-anthropologischen Theoriekonzepten führte.
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