Examensarbeit, 2003
152 Seiten, Note: 2,8
1 DAS DEUTSCH-NIEDERLÄNDISCHE VERHÄLTNIS
1.1 Empfindlichkeit und Verletzbarkeit - Charakteristika deutsch-niederländischer Interdependenz
1.2 Deutsche Weltpolitik - „Hans Dampf auf allen Gassen“
1.3 Das verschobene Machtverhältnis
1.4 Die „Stammverwandtschaft“ als Vereinnahmungsinstrument
2 DIE ENTWICKLUNG DER KOLONIALEN STRUKTUREN
2.1 Die Herrschaftsausbreitung in Niederländisch-Ostindien
2.1.1 Vom niederländischen Kaufmannskapitalismus zur kolonialen Herrschaft
2.1.2 Die ethische roeping - Moralische Legitimation kolonialer Herrschaft
2.1.3 Die Festigung direkter Herrschaft
2.2 Südafrika seit der Besiedlung durch Europäer
2.2.1 Portugiesen und Briten am Kap
2.2.2 Die Gründung der niederländischen Kapkolonie
2.2.3 Siedlung außerhalb der Kapkolonie
2.2.4 Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Lage der einheimischen Bevölkerung
2.2.5 Der „Große Treck“
2.2.6 Gründung der Burenrepubliken
2.2.7 Die Entdeckung von Bodenschätzen
2.2.8 Der Südafrikanische Krieg
2.3 Westindien - Umschlagplatz für den Sklavenhandel
3 DIE DEUTSCHEN INTERESSEN AN NIEDERLÄNDISCHEN KOLONIALGEBIETEN
3.1 Die deutsche Kolonialpropaganda
3.2 Deutsche in der niederländischen Kolonialarmee
3.3 Bankiers, Geschäftsleute und Pflanzer - Die Attraktivität der niederländischen Kolonien
3.3.1 Die transnationale Kooperation von Banken
3.3.2 Plantagen und Handel am Beispiel Tabak
3.3.2.1 Entstehung und Bedeutung des Tabakanbaus auf Sumatra
3.3.2.2 Pflanzer auf Sumatra - Deutsche Karrieren
3.3.3 Menschenhandel mit indonesischen und chinesischen Arbeitsmigranten
3.4 Koloniale Nachbarschaft auf Neuguinea
3.5 Wirtschaftliche und politische Einflussnahme in Niederländisch-Indien
3.5.1 Das Beispiel des Geschäftsmannes Emil Helfferich
3.5.2 Deutsche Kohlenstationen - Viel Lärm um nichts?
3.6 Über eine Zollunion zu kolonialem Besitz?
3.7 Der zwiespältige Blick auf Südafrika
3.7.1 Versuche der rhetorisch-emotionalen Vereinnahmung über die „Stammverwandtschaft“ in Südafrika
3.7.2 Das Auseinanderdriften wirtschaftlich-politischer und alldeutscher Interessen
3.8 Niederländisch-Westindien
3.9 Missionarische Aktivitäten
Die Arbeit untersucht das deutsch-niederländische Verhältnis im Zeitalter des Imperialismus, insbesondere im Kontext kolonialer Interessen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle ideologischer Instrumente wie dem Stammverwandtschaftsgedanken sowie auf rationale wirtschaftliche und politische Bestrebungen des Deutschen Reiches gegenüber den niederländischen Kolonien.
Die „Stammverwandtschaft“ als Vereinnahmungsinstrument
Schon seit der Trennung von Belgien 1830 und mit dem Aufkommen der deutschen Einigungsbewegung haben deutsche Nationalisten wie Ernst Moritz Arndt die Niederlande gemahnt, sich wieder an ihre „treuesten Nachbarn und ältesten Brüder“, die sie in Europa besäßen, anzuschließen. Arndt bezeichnete schon 1802 Deutschland als alleinigen Besitzer der Rheinmündung. Er räumte ein, dass es große Unterschiede zwischen Niederländern und Deutschen gebe, und dass die Niederländer die Deutschen wenig liebten. Eine Vereinigung wäre erst möglich, wenn Holland sehr klein und sein deutscher Bruder sehr groß würde. Nach der Abspaltung Belgiens zeichnete sich diese Entwicklung ab. Die Niederländer mussten sich damit abfinden, von einer europäischen Großmacht des 17. und Teilen des 18. Jahrhunderts zu einem Kleinstaat abgestiegen zu sein.
1 DAS DEUTSCH-NIEDERLÄNDISCHE VERHÄLTNIS: Untersuchung der historischen Spannungen zwischen Deutschland und den Niederlanden sowie die Rolle der "Stammverwandtschaft" als ideologischem Narrativ.
2 DIE ENTWICKLUNG DER KOLONIALEN STRUKTUREN: Historischer Überblick über die Expansion und Herrschaftsausbreitung in Niederländisch-Ostindien, Südafrika und Westindien.
3 DIE DEUTSCHEN INTERESSEN AN NIEDERLÄNDISCHEN KOLONIALGEBIETEN: Analyse der konkreten wirtschaftlichen, politischen und propagandistischen Bestrebungen deutscher Akteure in Bezug auf niederländische Kolonialbesitzungen.
Imperialismus, Stammverwandtschaft, Niederländische Kolonien, Deutsch-niederländische Beziehungen, Niederländisch-Ostindien, Südafrika, Buren, Kolonialpropaganda, Wirtschaftsinteressen, Alldeutscher Verband, Kohlenstationen, Kontraktarbeiter, Friedlich Fabri, Emil Helfferich, Kolonialarmee
Die Arbeit analysiert die kolonialen Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden im Zeitalter des Imperialismus (1884-1914) und untersucht, wie deutsche Interessen an niederländischen Kolonialgebieten das bilaterale Verhältnis beeinflussten.
Im Zentrum stehen die politische Rhetorik der "Stammverwandtschaft", wirtschaftliche Aktivitäten deutscher Unternehmen und Akteure in den Kolonien sowie die sicherheitspolitische Wahrnehmung deutscher Ambitionen durch niederländische Behörden.
Ziel ist es, die Entstehungsbedingungen der niederländischen Furcht vor deutschen Ambitionen zu ergründen und aufzuzeigen, inwieweit diese auf realen Bedrohungen oder auf rhetorisch-emotionaler Vereinnahmung beruhten.
Es wird eine explorative, induktive Vorgehensweise gewählt, um durch die Auswertung verschiedener niederländischer, deutscher und britischer Quellen Hinweise auf deutsche Interessen zu sammeln und deren Relevanz für das bilaterale Verhältnis abzuleiten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Übersicht der kolonialen Strukturen der Niederlande und eine detaillierte Untersuchung der deutschen Interessen, inklusive Kolonialpropaganda, wirtschaftlicher Kooperationen, militärischer Beteiligung und diplomatischer Gerüchte über Kohlenstationen.
Zu den prägenden Schlagworten gehören Imperialismus, Stammverwandtschaft, Buren, wirtschaftliche Durchdringung, koloniale Strukturen und das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Interessen und politischer Wahrnehmung.
Viele Deutsche dienten als Freiwillige in der niederländischen Kolonialarmee, oft aus wirtschaftlicher Not, was von Zeitgenossen teilweise als Bedrohung (Subversionsgerüchte) wahrgenommen wurde, aber gleichzeitig für den Aufbau der kolonialen Machtstruktur signifikant war.
Die Propaganda, etwa des Alldeutschen Verbandes, wird als ideologisch motiviert dargestellt, die zwar rhetorisch expansiv war, aber in der realen Politik oft durch die vorsichtige Haltung der offiziellen deutschen Reichsleitung begrenzt wurde.
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