Diplomarbeit, 2002
119 Seiten, Note: Sehr Gut
1 Einleitung
2. Der Begriff der Staatsräson
3. Wesen und Zweck der Staatsräson
3.1. Das Wesen der Staatsräson
3.2. Der Zweck der Staatsräson oder weshalb Staatsräson?
3.3. Staatsräson als Ideologie
4. Der historische Hintergrund
4.1. Die ökonomische und politische Krise von Florenz
4.2. Die historische Bedingtheit der Staatsräson
5. Der unscharfe Staatsbegriff bei Machiavelli
6. Machiavellis „Ethik der Selbsterhaltung des Staates“
6.1. Die Ethik der Selbsterhaltung des Staates
Exkurs: Die These von der Schlechtigkeit des Menschen
6.2. Mantenere lo stato
6.3. Fine als Staatszweck beziehungsweise Staatsräson bei Machiavelli
6.4. Staat und Staatsräson als necessità ordinata dalle leggi im Sinne Kluxens
7. Der Begriff der virtù im Rahmen der politischen Handlungslehre Machiavellis
7.1. Begriff und Bedeutung
7.2. Das Kräftespiel zwischen virtù und fortuna
7.3. Virtù als charismatische Herrschaftsform nach Max Weber
7.4. Die Anthropologie der virtù
7.5. Virtù als Instrument für die Selbsterhaltung des Staates
8. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit verfolgt das primäre Ziel, die These argumentativ zu untermauern, dass Niccolò Machiavelli als der Begründer der Idee der Staatsräson in der modernen abendländischen politischen Theorie anzusehen ist.
3.1. Das Wesen der Staatsräson
Nachdem nun die Frage nach dem Begriff der Staatsräson überblicksartig abgehandelt worden ist, erhebt sich eine weitere, nämlich jene nach dem Zweck der Staatsräson, bedingt durch die Ausrichtung des Handelns mit imperialer Zwangsgewalt. Worin manifestiert sich das Wesen dieser hochkomplexen und doch so einfachen Maxime staatlichen Handelns?
Wonach richtet sich dieses zumeist nach hegemonialem Charakter geprägte Agieren einer Staatsführung, welche Kriterien bestimmen die Staatsräson, was macht sie so schwer für den Beobachter zu erfassen, weshalb haftet der Raison d`état hartnäckig der Ruf einer Geheimlehre an, so wie sie als Teil der Arcana Imperii beschrieben worden ist?
Ist es für einen Außenstehenden überhaupt möglich, die gesamte Bandbreite an Dispositionsmöglichkeiten, die sich im Handlungsspielraum der Staatsräson ergibt, zu erfassen, lässt sich ein kluger Herrscher in die Karten schauen?
Friedrich Meinecke nennt das einleitende Schlüsselkapitel in seiner „Idee der Staatsräson“ das Wesen der Staatsräson, und das nicht ohne Grund. Er attestiert der Staatsräson gewissermaßen ein Eigenleben, er sieht im Staat ein „organisches Gebilde“, das sein Wachstum nach den Gesetzen der Staatsräson ausrichtet. Der deutsche Historiker versteht die „Vernunft des Staates“ dahingehend, seine Umwelt zu erkennen und sein Handeln an die formalen aber auch an die faktischen Gegebenheiten anzupassen, das heißt danach auszurichten. „Es gibt für jeden Staat in jedem Augenblicke eine ideale Linie des Handelns, eine ideale Staatsräson“, so Meinecke.
1 Einleitung: Stellt die These auf, dass Machiavelli als Vordenker der Staatsräson zu betrachten ist, und führt in die methodologische Vorgangsweise der Arbeit ein.
2. Der Begriff der Staatsräson: Analysiert verschiedene Definitionen und historische Abgrenzungen des Staatsräson-Begriffs im politischen Denken.
3. Wesen und Zweck der Staatsräson: Beleuchtet die theoretischen Grundlagen der Staatsräson als Maxime staatlichen Handelns und als Instrument der Macht.
4. Der historische Hintergrund: Untersucht die politischen und ökonomischen Krisen des Florenz der Renaissance als Nährboden für die Entstehung der Staatsräson.
5. Der unscharfe Staatsbegriff bei Machiavelli: Diskutiert die wissenschaftliche Debatte um die terminologische Bedeutung von "stato" bei Machiavelli.
6. Machiavellis „Ethik der Selbsterhaltung des Staates“: Analysiert das "mantenere lo stato" als zentrales Element von Machiavellis Staatsdenken.
7. Der Begriff der virtù im Rahmen der politischen Handlungslehre Machiavellis: Erläutert die Bedeutung der virtù als notwendige Eigenschaft des Fürsten im Umgang mit der fortuna.
8. Schlusswort: Fasst die Argumente zusammen und bestätigt Machiavelli als wesentlichen Protagonisten der Idee der Staatsräson.
Staatsräson, Niccolò Machiavelli, Mantenere lo stato, Virtù, Fortuna, Selbsterhaltung des Staates, Politische Theorie, Politische Klugheitslehre, Ideengeschichte, Staatszweck, Realpolitik, Italienische Renaissance, Macht, Souveränität, Bonum commune.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Entstehung und Grundlegung der Idee der Staatsräson im politischen Denken von Niccolò Machiavelli, insbesondere vor dem Hintergrund seiner Analyse von Macht und staatlicher Selbsterhaltung.
Zentral sind die Begriffsdefinition von Staatsräson, das Konzept des "mantenere lo stato", die Rolle der "virtù" als Antriebskraft für politisches Handeln sowie der Einfluss des historischen Florenz auf Machiavellis Theoriebildung.
Das primäre Ziel ist es, argumentativ zu untermauern, dass Machiavelli als der Begründer der Idee der Staatsräson in der modernen abendländischen politischen Theorie betrachtet werden muss.
Der Autor nutzt eine textkritische, teleologische Interpretation sowie einen dialektischen Vergleich unterschiedlicher Ansätze, methodisch angelehnt an die "Cambridge School" zur Betrachtung politischer Ideengeschichte im historischen Kontext.
Der Hauptteil analysiert das Wesen und den Zweck der Staatsräson, den unscharfen Staatsbegriff bei Machiavelli, die Ethik der Selbsterhaltung ("mantenere lo stato") und die komplexe Wechselbeziehung zwischen "virtù" und "fortuna".
Zu den Schlüsselwörtern gehören Staatsräson, Machiavelli, virtù, fortuna, Selbsterhaltung des Staates, politische Klugheitslehre und das Konzept des "mantenere lo stato".
Der Begriff ist Gegenstand einer intensiven wissenschaftlichen Debatte, da Machiavelli ihn flexibel verwendet. Die Arbeit argumentiert, dass er damit dennoch den modernen Staat im Sinne einer politischen Organisationsform meint.
Das Verhältnis ist zentral, da die "virtù" (die Tüchtigkeit des Fürsten) notwendig ist, um die "fortuna" (das unberechenbare Schicksal) im Sinne der Staatsräson zu bändigen und den Fortbestand des Staates zu sichern.
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