Essay, 2002
11 Seiten
Biographische Rück- und Einblicke
Meine entgegengesetzte Bewegung
Das Studium der NS Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik
Die Frage nach dem Anfang des Weges
Die vorliegende politisch-biographische Skizze beleuchtet den persönlichen und intellektuellen Wandel des Autors infolge seiner Multiple-Sklerose-Erkrankung und deren Einfluss auf seine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der NS-Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik. Dabei hinterfragt er kritisch das cartesianische Denken sowie gesellschaftliche Entwicklungen im Kontext der modernen Arbeitsgesellschaft.
Das Studium der NS Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik
In einem interdisziplinären Seminar von Juristen und Sozialwissenschaftlern verfertige ich Anfang der 80er Jahre ein Gruppenreferat über die Justiz im Nationalsozialismus und stieß dabei fast automatisch auf mein Lebensthema: die NS-Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik. Ein Umstand, der im folgenden allzu saloppe Formulierungen (die sich im selbst-ironischen Umgang mit der MS ja vielleicht noch einstellen mögen) von selbst verbietet.
Kurz darauf begegneten meine Frau und ich bei einem Vortrag über den Aufstand und die Vernichtung des Warschauer Ghettos, einem Politologie-Professor, der als Assistent von Joseph Wulf 1967/68 den >Frankfurter Euthanasie Prozeß< mitstenographiert hatte, aber durch persönliche Umstände und den tragischen Tod seines Mentors gezwungen gewesen war, seinen eigenen Ansatz fallenzulassen. Er stellte mir sein Archiv zur Verfügung und ich begann mit einer Dissertation zur >Dynamik faschistischer Vernichtungspolitik< am Beispiel der Euthanasieverbrechen (Grode 1987), die ich mit einer gewagten, da nur aus den Dokumenten der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses geschöpften These über die >systematisch betriebene deutsche Entvölkerungspolitik< in der Sowjetunion beschloß, die mir, damals im Rigorosum, fast den akademischen Hals gebrochen hätte. Auf der ich aber (weil ich ja ohnehin schon im Rollstuhl saß) tapfer beharrte.
Biographische Rück- und Einblicke: Der Autor schildert den Schock seiner Multiple-Sklerose-Diagnose im jungen Erwachsenenalter und reflektiert, wie dieser Einschnitt sein Menschenbild sowie seinen Umgang mit Behinderung und Heilungschancen grundlegend transformierte.
Meine entgegengesetzte Bewegung: Dieser Abschnitt beschreibt den akademischen Neubeginn des Autors im Bereich der Politikwissenschaft als Reaktion auf seine körperliche Einschränkung und die kritische Auseinandersetzung mit den damals vorherrschenden politischen Gruppierungen.
Das Studium der NS Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik: Der Autor erläutert, wie er zu seinem Lebensthema der NS-Vernichtungspolitik fand und welche methodischen Gefahren sowie persönlichen Verstrickungen er bei der wissenschaftlichen Bearbeitung dieses Themas identifiziert.
Die Frage nach dem Anfang des Weges: Hier setzt sich der Autor kritisch mit den Ursprüngen des Nationalsozialismus, der Attraktivität des NS-Systems für Zeitgenossen sowie den Parallelen zur heutigen, beschleunigten und ökonomisch geprägten Gesellschaft auseinander.
Multiple Sklerose, NS-Vernichtungspolitik, Euthanasie, Behinderung, Biographische Forschung, Nationalsozialismus, Arbeitsgesellschaft, Soziale Ausgrenzung, Moderne, Ideologiekritik, Politische Wissenschaft, Identität, Sozialdarwinismus, Faschismus, Gesellschaftskritik.
Es handelt sich um eine politisch-biographische Skizze, in der der Autor seinen persönlichen Lebensweg mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-Zeit verknüpft.
Die Schwerpunkte liegen auf der Bewältigung von Behinderung, der kritischen NS-Forschung und der Analyse gesellschaftlicher Fehlentwicklungen im digitalen Kapitalismus.
Das Ziel ist es, den eigenen "Metamorphose"-Prozess zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie persönliche Erfahrungen den Blick auf historische und gesellschaftliche Strukturen schärfen.
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der biographische Reflexion mit historisch-politischer Analyse und Gesellschaftskritik verbindet.
Der Hauptteil umfasst den beruflichen Neubeginn des Autors, seine Arbeit über die NS-Euthanasie sowie die Reflexion über die heutige Arbeitsgesellschaft.
Zentrale Begriffe sind Multiple Sklerose, NS-Vernichtungspolitik, Euthanasie, Identität, Behinderung und Gesellschaftskritik.
Die Erkrankung zwang den Autor, sein Leben und seine Forschungsgegenstände neu zu bewerten, was ihn sensibilisierte für die Themenbereiche Ausgrenzung und "lebensunwertes Leben".
Es beschreibt die Abkehr vom starren, vermessbaren Weltbild der Naturwissenschaften hin zu einer humanistischen Sichtweise, die Komplexität und Unvollkommenheit anerkennt.
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