Rezension / Literaturbericht, 1988
5 Seiten
1. Über die Ideologie der gesunden Normalität und die Ausrottungspolitiken im deutschen Faschismus
1.1 Rezensionsessay zu Haug, Wolfgang (1986): Die Faschisierung des bürgerlichen Subjekts
1.2 Ideologietheoretische Herangehensweise und Denkanstöße
1.3 Hauptthese: Faschistische Subjektkonstitution durch Anrufung
1.4 Ideologische Bündelung und Subjekteffekte
1.5 Ideologische Vorbereitung der Ausrottungspolitik
1.6 Dialektik von Vernichtungs- und Normalisierungspraktiken
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Wolfgang Fritz Haugs Untersuchung zur ideologischen Fundierung des deutschen Faschismus auseinander. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch spezifische ideologische Anrufungen Individuen als Subjekte der faschistischen Herrschaftsordnung konstituiert wurden und wie dieser Prozess untrennbar mit der Vernichtungspolitik gegenüber als "minderwertig" deklarierten Gruppen verbunden war.
Haugs Hauptthese ist nun, daß der Faschismus sich in den Menschen durch seine ideologischen Anrufungen eine Vielzahl von "Subjekten" konstituiert hat, die nun in seinem Namen "ganz persönlich" handelten. So werden von ihm alle ideologischen Elemente des Faschismus daraufhin betrachtet, wie weit sie bei den Angerufenen Evidenzen erzeugen können in dem Sinne: "Das kenn ich ja schon" oder "Diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht, es ist meine Erfahrung". Solche Evidenzen haben dann auch noch eine Vehikelfunktion für andere ideologische Elemente, die per Analogie beigemischt werden, oder aber für Generalisierungen, Ausweitungen, unausgewiesene Grenzüberschreitungen.
Haug zeigt sodann, daß solche ideologischen Subjekteffekte nicht durch einzelne ideologische Anrufungen zustande kommen, sondern zumeist durch eine Bündelung bzw. Vernetzung von ideologischen Elementen, die sich - und ihre Evidenz - gegenseitig verstärken. Das ursprüngliche Bild des Faschismus, das Liktorenbündel, versinnbildlicht im übrigen das hier skizzierte Prinzip.
Haug belegt in seinem Buch dann auch, daß faschistische Ideologie eben nicht aus irgendwelchen einzelnen spezifischen Elementen besteht, sondern in deren charakteristischer Anordnung, in deren charakteristischem Muster. Fast alle Elemente der faschistischen Medizin und Psychiatrie szientistischen ebenso wie die volkstümlichen, die irrationalen wie die bürokratisch-autoritären Elemente hatte es schon lange vor ihm gegeben und die meisten überdauerten ihn auch. Aber er verstand es eben, diese Elemente so anzuordnen, daß sie bei den Individuen persönliche Evidenzen erzeugten, die sich gegenseitig vernetzten, verstärkten, verstrebten: Das konstituierte Subjekt der Ideologie war also eine Art Bauwerk.
1. Über die Ideologie der gesunden Normalität und die Ausrottungspolitiken im deutschen Faschismus: Der Text führt in das Anliegen des Autors ein, die Beteiligung der Psychiatrie an der Vernichtungspolitik ideologietheoretisch zu beleuchten.
1.1 Rezensionsessay zu Haug, Wolfgang (1986): Die Faschisierung des bürgerlichen Subjekts: Diese Einleitung benennt das untersuchte Werk und den historischen Kontext, in dem Haug seine Analyse entwickelte.
1.2 Ideologietheoretische Herangehensweise und Denkanstöße: Hier wird der theoretische Einfluss von Gramsci und Althusser auf Haugs Arbeit erläutert, insbesondere das Konzept der Subjektkonstitution durch Anrufung.
1.3 Hauptthese: Faschistische Subjektkonstitution durch Anrufung: Dieser Abschnitt expliziert, wie faschistische Ideologie durch die Erzeugung persönlicher Evidenzen und das Angebot von Identifikationsmustern wirkt.
1.4 Ideologische Bündelung und Subjekteffekte: Es wird dargelegt, dass erst das Zusammenspiel verschiedener ideologischer Elemente das faschistische Herrschaftsgefüge stabilisierte.
1.5 Ideologische Vorbereitung der Ausrottungspolitik: Haug analysiert hier die Verknüpfung von Gesundheits- und Rassendiskursen, die als Rechtfertigung für Ausrottungspraktiken fungierten.
1.6 Dialektik von Vernichtungs- und Normalisierungspraktiken: Der Abschluss betont das Zusammenspiel von Gewalt und Selbstsubjektivierung in einer kapitalistischen Gesellschaftsstruktur.
Faschismus, Ideologie, Subjektkonstitution, Ausrottungspolitik, Psychiatrie, Gesundheitsdiskurs, Rassenideologie, Selbstunterwerfung, Normalisierung, Macht, Herrschaft, Althusser, Gramsci, NS-Ideologie, Identifikation.
Die Arbeit analysiert die ideologischen Mechanismen, durch die der deutsche Faschismus Individuen zu "Subjekten der Herrschaft" machte und wie dies den Weg für die Ausrottungspolitik ebnete.
Die zentralen Felder sind die Rolle der Ideologie, die Instrumentalisierung von Gesundheits- und Rassendiskursen sowie die Beteiligung psychiatrischer Institutionen an den nationalsozialistischen Verbrechen.
Ziel ist es zu verstehen, wie das Bedürfnis nach Sicherheit und Anerkennung in den Wunsch nach Vernichtung umschlagen konnte und welche Rolle die ideologische Anrufung dabei spielte.
Es handelt sich um eine ideologietheoretische Analyse, die stark auf den theoretischen Ansätzen von Antonio Gramsci und Louis Althusser basiert.
Der Hauptteil behandelt die Entstehung faschistischer Subjekte, die Bedeutung der ideologischen Bündelung und den Zusammenhang zwischen der Anerkennung "normaler" Identitäten und der Vernichtung von als "anormal" markierten Gruppen.
Schlüsselwörter sind Faschismus, Subjektkonstitution, Ausrottungspolitik, ideologische Anrufung und Gesundheitsdiskurs.
Die Psychiatrie wird als ein zentraler "Regionalmachtbereich des Ideologischen" begriffen, da sie maßgeblich zur Kategorisierung von Menschen in "lebenswert" und "lebensunwert" beitrug.
Damit sind die Prozesse gemeint, in denen Individuen durch Anrufungen dazu gebracht werden, sich selbst der Herrschaftsordnung unterzuordnen und diese im eigenen Namen auszuführen.
Durch das Angebot, sich selbst als gesund, tüchtig und "hochwertig" zu erfahren, erzeugte die Ideologie bei den Menschen das Gefühl, dass ihre eigene Lebenserfahrung die faschistischen Rassendiskurse bestätigt.
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