Diplomarbeit, 2021
125 Seiten, Note: 1
Politik - Allgemeines und Theorien zur Internationalen Politik
1. Einleitung
2. Forschungsfrage und methodologische Herangehensweise
2.1 Stand der Forschung und Relevanz dieser Arbeit
3. Theoretischer Rahmen und Begriffsbestimmung
3.1 Theoretische Vorannahmen
3.2 Imperiale Lebensweise
3.2.1 Kriterien solidarischer Lebens- und Produktionsweisen
3.3 Annales-Schule und Regulationstheorie
3.3.1. Soziohistorische Analysen des Akkumulationsregimes
3.3.2. Regulationsmodus
3.4 Zwischenfazit – Theoretischer Rahmen
4. Gesellschaftlich-historischer Kontext der „Neuen Weltwirtschaftsordnung“
4.1 Historische Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise
4.1.1 Kolonialismus und Imperialismus – eine Geschichte des strukturellen Rassismus
4.1.2 Prozess der Dekolonialisierung und die Regulation des Fordismus
4.1.3 Post-Fordismus und der Aufstieg des Neoliberalismus
4.2 Entwicklungsdekaden und die „Neue Weltwirtschaftsordnung“
4.3 Zwischenfazit – NWWO als analytische Kategorie
5. Forderungen, Reformen, Resolutionen und Diskurse der NWWO
5.1 Zentrale Forderungen und Reformen
5.1.1 Außenorientierung, Abhängigkeit vom Weltmarkt und imperiale Rohstoffe
5.1.2 Der wichtigste und blutigste Rohstoff der Welt: Erdöl
5.1.3 Souveränität und Selbstbestimmung
5.2 Akademische Debatten
5.2.1 Jan Tinbergen und der RIO-Bericht – eine Degrowth Perspektive auf die NWWO
5.2.2 Die Prebisch-Singer-These – Strukturalistische Perspektive
5.2.3 Senghaas – Dependenztheoretische und die dissoziative Perspektive
5.2.4 Integrationstische Perspektive I: Allgemein
5.2.5 Integrationstische Perspektive II: Brandt-Report
5.2.6 Collective Self-Reliance und Selektive Kooperation als Mittelweg?
5.2.7 Endogene Ansätze bzw. (neo)liberale Positionen
5.2.8 Exogene Ansätze bzw. (Neo-)Imperialismustheorien
5.3 Zwischenfazit – NWWO als normative Kategorie
6. Conclusio
6.1 Ausblick – oder was wir heute aus diesem Diskurs lernen können
Die vorliegende Masterarbeit untersucht mittels sozialwissenschaftlicher Dokumentenanalyse den Diskurs um eine Neue Weltwirtschaftsordnung (NWWO) ab den 1970er Jahren. Dabei steht die Forschungsfrage im Zentrum, inwiefern fortschrittliche Aspekte zur Einhegung oder Überwindung der hegemonial etablierten und kapitalistischen Weltordnung in diesem Diskurs thematisiert wurden und welche Lehren daraus für eine solidarische Lebensweise gezogen werden können.
4.1.1 Kolonialismus und Imperialismus – eine Geschichte des strukturellen Rassismus
„Der schwarze Mensch erscheint aus der Perspektive des Weißen als minderwertig, aber umgekehrt ist der Weiße mit seinen Errungenschaften Zivilisation, Kultur, kurz Intellekt, nachahmenswert“ (FANON 1985: 42).
Mit der europäischen Entdeckung des amerikanischen Kontinents (sog. „Neuen Welt“) im Jahre 1492, also mit der weltgeschichtlichen Ära des Kolumbus oder des Vasco da Gamas, je nachdem welcher plünderungsbegierige Abenteurer zuerst die jeweilige Küste der Verheißung betrat, entstand eine „neue Weltordnung“, die unterschiedliche Namen erhalten hat: Imperialismus, Neokolonialismus, Nord-Süd-Konflikt, Zentrum vs. Peripherie, G-7 und ihre Satelliten vs. den Rest der Welt (CHOMSKY 1995: 27). Die Geschichte des Kolonialismus, später Imperialismus ist zweifelsfrei verbunden mit der ursprünglichen Akkumulation, Raub, Enteignung, Dehumanisierung und der Schaffung eines Weltmarktes für koloniale Rohstoffe (vgl. ebd.).
Während die Russen vom Pelzfieber getrieben wurden, waren für die Spanier (Cortes; Pizarro) Gold und Silber Objekte der Begierde (MORRIS 2012: 444). Rund 50.000 Tonnen Silber wurden alleine im Zeitraum von 1540 bis 1700 von Amerika nach Europa transportiert (ebd.: 445). Millionen von Menschen wurden aus verschiedenen Teilen Afrikas von weißen Europäer versklavt und als Ware behandelt. Es entstand eine „erste“ Globalisierung der kapitalistischen Spielart: Kaufläute schafften westeuropäische Gebrauchsgüter (Textilwaren, Gewehre usw.) nach Westafrika und tauschten sie dort mit Gewinn gegen Sklaven, die sie dann in die Karibik brachten und dort, auch wieder mit Gewinn, gegen Zucker eintauschten, um schließlich diesen mit noch größeren Gewinn in Europa abzusetzen (ebd.: 449). Die Ausbeutung von Menschen durch Sklaverei ist somit eng mit der Geschichte des Kapitalismus und Rassismus verbunden (vgl. JOBS 2016). Die entmenschlichende Dimension der Sklaverei kann folgendermaßen beschrieben werden: nicht nur die menschliche Arbeit wurde kommerzialisiert und zur Ware kommodifiziert, sondern das Individuum und seine Nachkommen wurden als Gegenstände einer Eigentumsordnung verstanden (ebd.).
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der neoliberalen Globalisierung und die strukturelle Ungleichheit im kapitalistischen Weltsystem.
2. Forschungsfrage und methodologische Herangehensweise: Definition der zentralen Forschungsfrage und Erläuterung der angewandten Dokumentenanalyse zur Untersuchung des NWWO-Diskurses.
3. Theoretischer Rahmen und Begriffsbestimmung: Fundierung durch die Imperiale Lebensweise, die Regulationstheorie und das Konzept solidarischer Lebensweisen.
4. Gesellschaftlich-historischer Kontext der „Neuen Weltwirtschaftsordnung“: Analyse der kapitalistischen Produktionsweise von der ursprünglichen Akkumulation bis zum Post-Fordismus.
5. Forderungen, Reformen, Resolutionen und Diskurse der NWWO: Detaillierte Betrachtung der konkreten Reformvorschläge, akademischen Debatten und Rohstoffproblematiken.
6. Conclusio: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf Lehren für heutige gesellschaftskritische Diskurse.
Neue Weltwirtschaftsordnung, NWWO, Imperiale Lebensweise, Regulationstheorie, Kapitalismus, Post-Fordismus, Globaler Süden, Dekolonialisierung, Ressourcenextraktivismus, Solidarische Lebensweise, Degrowth, Post-Development, UNCTAD, Strukturwandel, Internationale Arbeitsteilung.
Die Arbeit analysiert den historischen Diskurs um eine Neue Weltwirtschaftsordnung (NWWO) und untersucht, inwiefern dieser Forderungen nach einer solidarischen und gerechten Weltwirtschaftsordnung enthielt.
Zu den zentralen Themen zählen die strukturellen Ungleichheiten der kapitalistischen Globalisierung, der Nord-Süd-Konflikt, die Rolle von Rohstoffen wie Erdöl und die Kritik an internationalen Institutionen.
Ziel ist es, den NWWO-Diskurs kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob dieser zur Überwindung der imperialen Lebensweise und des kapitalistischen Akkumulationsregimes beitragen konnte.
Die Arbeit basiert auf einer sozialwissenschaftlichen Dokumentenanalyse von Sekundärdaten, Berichten, Resolutionen und wissenschaftlicher Literatur.
Der Hauptteil beleuchtet den historischen Kontext der kapitalistischen Entwicklung sowie konkrete Reformforderungen, wie etwa das Integrierte Rohstoffprogramm und Debatten über Technologietransfer.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Imperiale Lebensweise", "Regulationstheorie", "Strukturelle Heterogenität" und "Solidarische Produktionsweise" geprägt.
Es dient als analytische Strukturkategorie, um die Abhängigkeit der Produktions- und Konsumweisen im Globalen Norden von der Extraktion von Ressourcen im Globalen Süden zu erklären.
Der Autor kommt zum Schluss, dass die NWWO als gescheitert betrachtet werden muss, da sie die zentralen Mechanismen des Kapitalismus wie den Wachstumszwang nicht in Frage stellte.
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