Diplomarbeit, 2007
105 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Motivation und Fragestellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Zum Verständnis von Verhaltensauffälligkeit
2.1 Begriffsklärung
2.1.1 Sonderpädagogische Sichtweise: ‚Verhaltensstörung’
2.1.2 Allgemeinpädagogische Sichtweise: ‚Verhaltensauffälligkeit’
2.2 Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten
2.3 Problematik der Kategorisierung von Verhaltensauffälligkeit
3. Verhaltensauffälligkeit in der Schule
3.1 Schulische Kategorisierung von Verhaltensauffälligkeit
3.2 Schulische Förderorte für Kinder mit ‚Verhaltensauffälligkeit’: Soll-Zustand
3.3 Die Beschulung von Kindern mit Verhaltensauffälligkeit als ein Widerspruch zum Anspruch des deutschen Bildungswesens: Ist-Zustand
3.4 Schulische Selektion und Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem: Diskrepanz zwischen Soll- und Ist-Zustand
3.5 Verhaltensauffällige Schüler als Gegenstandsbereich der Sonderpädagogik: Eine kritische Betrachtung
4. Beratung bei Verhaltensauffälligkeit
4.1 Pädagogische Beratung
4.1.1 Professionelle Beratung versus Alltagsberatung
4.1.2 Arbeitsbereiche pädagogischer Beratung
4.2 Standardformen von Beratung bei Verhaltensauffälligkeit in der Schule
4.2.1 Außerschulische Beratung bei Verhaltensauffälligkeiten
4.2.1.1 Erziehungsberatung
4.2.2 Schulische Beratung bei Verhaltensauffälligkeiten
4.2.2.1 Schulpsychologische Beratung
4.2.2.2 Schulsozialarbeit
4.2.2.3 Beratungslehrer
5. Pädagogische Beratung bei Verhaltensauffälligkeit: ein ganzheitlicher Beratungsansatz in der Schule
5.1 Der Diplompädagoge als ‚Beratungsexperte’
5.1.1 Ausbildung/Qualifikation
5.1.2 Fachkompetenz
5.1.3 Die pädagogische Beziehung
5.2 Theoretischer Bezugsrahmen
5.3 Aufgabenbereiche pädagogischer Beratung
5.3.1 Lehrerberatung
5.3.2 Elternberatung
5.3.3 Handlungskonzepte für das Kind
5.3.4 Netzwerkorientierte und kooperative Tätigkeit
5.3.5 Präventionsarbeit
6. Resümee und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das deutsche Schulsystem durch Kategorisierung und Aussonderung von als verhaltensauffällig wahrgenommenen Kindern zu deren sozialer und bildungsbezogener Benachteiligung beiträgt. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage gestellt, ob diese Kinder effektiver durch einen ganzheitlichen, allgemeinpädagogischen Beratungsansatz an der Regelschule gefördert werden können, anstatt in Sondersysteme überwiesen zu werden.
1.1 Motivation und Fragestellung
„Es ist normal, verschieden zu sein.“
Trotzdem stellt Heterogenität eine zunehmende Problematik für Lehrer und Schule dar. In der allgemeinen Schule steigt die Zahl derjenigen Kinder, die als ‚auffällig’ und ‚störend’ wahrgenommen werden, weil sie nicht so sind wie die anderen Kinder, weil sie von einer vorgegebenen ‚Norm’ abweichen. Lehrer und Eltern fühlen sich überfordert und hilflos, was den Umgang mit diesen Kindern betrifft. Dies hat zur Folge, dass diese Kinder zu einem sonderpädagogischen oder psychologischen bzw. medizinischen ‚Problem’ gemacht und als ‚behindert’ oder ‚gestört’ definiert werden.
Häufige Konsequenzen dieser Kategorisierungen sind Ausgrenzung aus ihren Schulklassen durch gesonderte Förderung und Überweisung in Sonderschulen. Die häufigste und extremste Form der Ausgrenzung, die Aussonderung in die Sonderschule, steht in einem engen Zusammenhang mit schlechten Bildungschancen für jene Kinder. Dies wiederum stellt ein enormes bildungspolitisches Problem dar und steht im Widerspruch zum Anspruch des deutschen Bildungswesens. Ziel des deutschen Bildungswesens ist die „Schaffung eines gerechten Schulwesens, in dem jedes Kind und jeder Jugendliche unabhängig von Herkunft seine Chancen und Talente möglichst optimal nutzen und entfalten kann“ (Broschüre zum neuen Schulgesetz NRW, MSW 2006, S. 3).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Problematik der Heterogenität in Schulen und stellt die Forschungsfrage, ob ein allgemeinpädagogischer Beratungsansatz die Aussonderung verhaltensauffälliger Kinder verhindern kann.
2. Zum Verständnis von Verhaltensauffälligkeit: Dieses Kapitel klärt die Begriffe „Verhaltensauffälligkeit“ und „Verhaltensstörung“, wobei die kritische Distanz zur medizinisch-defizitorientierten Perspektive im Vordergrund steht.
3. Verhaltensauffälligkeit in der Schule: Es wird analysiert, wie das deutsche Schulsystem durch Kategorisierung und Selektion in Sonderpädagogik-Systeme zur Ausgrenzung betroffener Kinder beiträgt.
4. Beratung bei Verhaltensauffälligkeit: Das Kapitel bietet einen Überblick über bestehende Standardberatungsformen und hinterfragt deren Effizienz und Nähe zu psychotherapeutischen Verfahren.
5. Pädagogische Beratung bei Verhaltensauffälligkeit: ein ganzheitlicher Beratungsansatz in der Schule: Hier wird der Diplompädagoge als professioneller Beratungsexperte eingeführt, der durch einen ganzheitlichen, präventiven Ansatz zur Vermeidung von Aussonderung beitragen soll.
6. Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass eine systemische Veränderung weg von der Dominanz sonderpädagogischer Strukturen hin zu einer Schule für alle Kinder notwendig ist.
Pädagogische Beratung, Verhaltensauffälligkeit, Sonderpädagogik, Schulische Selektion, Integration, Inklusion, Diplompädagogik, Regelschule, Prävention, Schulsozialarbeit, Erziehungsberatung, Kind-Umfeld-System, Etikettierung, Bildungsbenachteiligung, Schulentwicklung.
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik von als verhaltensauffällig kategorisierten Kindern im deutschen Schulsystem und plädiert für alternative, nicht-aussondernde Beratungskonzepte.
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Klärung von Verhaltensauffälligkeiten, der Kritik am Sonderschulwesen, der Analyse schulischer Beratungsstrukturen und der Entwicklung eines ganzheitlichen pädagogischen Beratungsmodells.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch professionelle allgemeinpädagogische Beratung eine Aussonderung in Sondersysteme vermieden und die Bildungsteilhabe aller Kinder in der Regelschule gewährleistet werden kann.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und kritische Diskursanalyse, um den aktuellen Status quo der sonderpädagogischen Praxis und Beratung in Schulen zu reflektieren.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten, die schulischen Selektionsmechanismen, bestehende Beratungsformen wie Erziehungsberatung und Schulsozialarbeit sowie die Rolle des Diplompädagogen als professioneller Berater.
Die zentralen Begriffe umfassen Pädagogische Beratung, Schulische Selektion, Verhaltensauffälligkeit, Integration, Inklusion und Prävention.
Der Begriff „Verhaltensauffälligkeit“ wird als wertneutraler verstanden, da er keine Stigmatisierung im Sinne einer psychischen Störung oder Behinderung impliziert, sondern das Verhalten im Kontext deutet.
Der Diplompädagoge soll als professioneller „Beratungsexperte“ fungieren, der durch sein Fachwissen Lehrer entlastet und systemische, präventive Lösungen direkt im schulischen Umfeld erarbeitet.
Die Arbeit argumentiert, dass Sonderschulen oft zu „Armenschulen“ werden und durch die Zuweisung von Etiketten („lernbehindert“, „verhaltensgestört“) Bildungsbenachteiligung verfestigen, statt sie abzubauen.
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