Magisterarbeit, 1997
166 Seiten, Note: sehr gut
1. EINLEITUNG
1.1 Zielsetzung und Vorgehensweise
1.2 Begriffsklärungen
1.3 Theoretische Aspekte
1.4 Problemfelder
2. DIE MENGEN
2.1 Quellenlage und Quellenkritik
2.2 Die Ethnographie der Mengen
2.3 Die Missionierung der Mengen durch die Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu (M.S.C.)
3. MISSIONARE UND ETHNOLOGEN: EINE ‘HASSLIEBE’ ?
4. DER MISSIONAR TIM(OTHY) O’NEILL
4.1 Biographie
4.2 Das Buch „And we the people“
4.3 Zum Kanon des Ordens: Das Orientierungssystem des Missionars
5. DER ETHNOLOGE MICHEL PANOFF
5.1 Biographie
5.2 Die Artikel über die Mengen
5.3 Theoretische Aspekte: Das Orientierungssystem des Ethnologen
6. VERGLEICH ANHAND AUSGEWÄHLTER ASPEKTE
6.1 Themenwahl und Themengewichtung: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
6.2 Zur Standortbestimmung der beiden ‘Fremden’
6.2.1 „...to grasp the native’s point of view...“: Intentionen der Autoren
6.2.2 Wertepositionen und Einstellungen
6.2.3 Rolle und Status
6.2.4 Kultur- und Fortschrittsbegriff
7. DIE MISSIONARISCHE UND ETHNOLOGISCHE PERSPEKTIVE IM KONTEXT DER ‘WRITING CULTURE’
7.1 Das Verhältnis von Subjektivität und Objektivität: Die Autoren als Individuen und als Vertreter ihres Faches
7.2 Die Forderung nach Multivokalität: Monolog, Dialog oder Polyphonie ?
7.3 Etablierung und Legitimation der Autorität
7.4 ‘Teilnehmende Beobachtung’: Die Autoren als ‘Out’- oder ‘Insider’ der Kultur ?
8. DIE SPRACHSTILISTISCHE ANALYSE VOR DEM HINTERGRUND DER ‘WRITING CULTURE’
8.1 Die ‘literarischen Konventionen’
8.2 Zur Genrebestimmung der Primärquellen: Die Ethnographie als ‘story’ und/oder die ‘story’ als Ethnographie
8.3 Rolle und Funktion des Erzählers
8.4 Leserschaft und Text-Autor-Leser Verhältnis
8.5 Probleme der Übersetzung
9. THEMATISCHER VERGLEICH ANHAND AUSGEWÄHLTER TEXTSTELLEN
9.1 Zur wirtschaftlichen Organisation der Mengen
9.1.1 Gartenbau und Subsistenz
9.1.2 Reziprozität und Redistribution
9.2 Zur politischen Organisation
9.2.1 Dorfgründungen und Landrechte
9.2.2 ‘Big men’ und ‘Rubbish men’
9.3 Zur sozialen Organisation
9.3.1 Deszendenz und Residenz
9.3.2 Scham und Suizid
9.4 Zur Religion
9.4.1 ‘Traditionelle’ Glaubensvorstellungen
9.4.2 Synkretistische Vorstellungen
9.5 Der kulturelle Wandel seit 1931
9.5.1 Ausgewählte Beispiele
9.5.2 Die Katechisten
10. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Repräsentationen der Mengen-Kultur durch einen Missionar und einen Ethnologen. Ziel ist es, in einem vergleichenden Ansatz zu klären, wie sich die Darstellung der beiden Autoren unterscheidet und welche Rolle dabei individuelle Faktoren sowie die postmoderne "Writing Culture"-Debatte spielen.
ZUR STANDORTBESTIMMUNG DER BEIDEN ‘FREMDEN’
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den jeweiligen Intentionen der Autoren. Halten sie sich an den von Bronislaw Malinowski erteilten Rat: „...to grasp the native’s point of view, his relation to life, to realise his vision of his world“ (Malinowski, 1922:25) bei der Beschreibung der indigenen Realität? Wird ersichtlich, ob oder daß die Autoren gemäß ihrer beruflichen Ausrichtung mit ihren Werken unterschiedliche Ziele verfolgen?
O’Neill äußert sich im Vorwort zur Intention des Buches. So habe er nicht über „blood and arrows“ (13.3.96) zu berichten, sondern über: „...a few day-to-day events of no importance to the world at large, little events that unroll themselves with severe monotony and a touch of boredom in the lives of a few primitive and self-effacing people in an island of the South-west Pacific“ (1982:iii). Ihm geht es nicht primär um die Darstellung der Andersartigkeit und Fremdheit der Mengen und ihrer Nachbarethnien.
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Repräsentation und methodische Grundlagen der Arbeit.
2. DIE MENGEN: Überblick über die Quellenlage und die ethnographische sowie missionarische Situation bei den Mengen.
3. MISSIONARE UND ETHNOLOGEN: EINE ‘HASSLIEBE’ ?: Untersuchung des Spannungsfeldes und der gegenseitigen Wahrnehmung von Missionaren und Ethnologen.
4. DER MISSIONAR TIM(OTHY) O’NEILL: Vorstellung der Person, des Werkes und des Orientierungssystems des Missionars Tim O’Neill.
5. DER ETHNOLOGE MICHEL PANOFF: Detaillierte Betrachtung der ethnologischen Arbeit von Michel Panoff und dessen theoretischer Fundierung.
6. VERGLEICH ANHAND AUSGEWÄHLTER ASPEKTE: Analyse der unterschiedlichen Themengewichtungen und standortbestimmenden Intentionen der Autoren.
7. DIE MISSIONARISCHE UND ETHNOLOGISCHE PERSPEKTIVE IM KONTEXT DER ‘WRITING CULTURE’: Einordnung der Perspektiven in die postmoderne Debatte.
8. DIE SPRACHSTILISTISCHE ANALYSE VOR DEM HINTERGRUND DER ‘WRITING CULTURE’: Analyse der sprachlichen Mittel und Erzählweisen der Primärquellen.
9. THEMATISCHER VERGLEICH ANHAND AUSGEWÄHLTER TEXTSTELLEN: Konkrete Gegenüberstellung von Inhalten wie Wirtschaft, Politik und Religion.
10. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION: Reflexion über die Ergebnisse der Analyse und die eigene Rolle als Autorin.
Mengen, Ethnographie, Missionierung, Repräsentation, Writing Culture, Postmoderne, Tim O'Neill, Michel Panoff, Feldforschung, Subjektivität, Autorität, Akkulturation, Diskursanalyse, Narrative, Melanesien
Die Arbeit untersucht, wie zwei verschiedene Akteure – ein christlicher Missionar und ein akademischer Ethnologe – dieselbe indigene Gruppe (die Mengen auf Neubritannien) kulturell repräsentieren.
Im Zentrum stehen die Methodik der Wissensgewinnung, der Einfluss der jeweiligen professionellen Rolle und die sprachlichen Konstruktionen der kulturellen Realität in den Texten beider Autoren.
Die Kernfrage ist, wie sich die missionarische Darstellung von der ethnologischen unterscheidet und inwieweit beide Texte durch die Debatte um „Writing Culture“ und die Subjektivität der Autoren beeinflusst wurden.
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Diskurs- und Inhaltsanalyse, um Primärquellen (ein Buch und verschiedene Fachartikel) vor dem Hintergrund postmoderner Ethnologie zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Akteure, einen thematischen Vergleich (Wirtschaft, Politik, Religion) und eine tiefgehende sprachstilistische Analyse ihrer Darstellungsweisen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem kulturelle Repräsentation, Writing Culture, intersubjektive Wissensproduktion, narrative Ethnographie und das Verhältnis von Mission und Wissenschaft.
Die Autorin reflektiert ihre eigene Rolle als „kulturelle Beobachterin“, die selbst im Feld war, und legt dar, wie ihr „Frau-Sein“ und ihre persönliche Nähe zu einem der Informanten ihre Analyse beeinflusst haben.
Während O’Neill eine pragmatische, erfahrungsbasierte „story“ schreibt, die seine missionarische Tätigkeit legitimiert, nutzt Panoff einen stärker theoretisch-strukturalistischen Ansatz, um gesellschaftliche Randphänomene wissenschaftlich zu analysieren.
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