Sammelband, 2008
187 Seiten
Kapitel 1
Soziologische Überlegungen zum Verhältnis institutionell verfasster "Religion" (Kir che), volkskirchlicher Massen-Basis und "expressiven Gruppen"
Kapitel 2
Kommunikationstheoretische Überlegungen zum Orientierungsdefizit institutionalisier ter Religion heute
Kapitel 3
Nachrichten für die geistige Provinz?
Zum Strukturdilemma konfessioneller (katholischer) Publizistik
Kapitel 4
Die Kirchen und ihr "image".
Materialien und Meinungsprofile zu ihrer Situation in der Bundesrepublik
Kapitel 5
Der (europäische) Präambelgott.
Fetisch, sakralisierende Überhöhung oder Skandalon?
Über den Atavismus politischer Symbolsprache in "modernen" Staaten
Die Arbeit untersucht die soziologischen, kommunikationstheoretischen und organisationsstrukturellen Bedingungen von institutionalisierter Religion in der säkularen Gesellschaft der Bundesrepublik. Das primäre Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen dem institutionellen Anspruch der Kirchen als "Heilsanstalten" und den tatsächlichen, oftmals ambivalenten Lebenswelten und Bedürfnissen ihrer Anhänger sowie der breiteren Öffentlichkeit zu analysieren, um ein tieferes Verständnis der politischen Psychologie kirchengebundener Religiosität zu gewinnen.
Soziologische Überlegungen zum Verhältnis von institutionell verfasster "Religion" (Kirche), volkskirchlicher Massen-Basis und "expressiven Gruppen"
Seit den Anfängen der modernen, gleichermaßen an ideologiekritischen wie an organisationstheoretischen Fragestellungen interessierten Religionssoziologie, die zunächst als Soziologie der christlich-abendländischen Kirchen und ihrer jeweiligen Varianten im Kulturkreis der "Neuen Welt" in Erscheinung trat, sind im Zusammenhang mit Untersuchungen zur "organisierten Heilsanstalt", wie die Kirchen in der Nachfolge Max Webers regelmäßig beschrieben wurden, deren jeweiliger Zeitgestalt, insbesondere ihrer verrechtlichten Form gegenüber immer wieder fundamentale Vorbehalte angemeldet worden. Diese erstrecken sich vor allem auf das Problem, ob "Kirche" als institutionell determinierte, in der Regel mit staatlich verbrieften Rechten ausgestattete Anstalt nicht notwendigerweise den Realitätskontakt zu ihrer "Basis" verlieren und sich aufgrund ihrer Organisationsstruktur von den alltagspraktischen Bedürfnissen ihrer Anhänger unweigerlich entfremden müsse.
In der Folge dieser soziologischen Tradition hat man sich angewöhnt, in Dualen zu reden. Der soziologische, zu analytischen Zwecken durchaus brauchbare, weil Operationalisierungen gestattende Sprachgebrauch, "Amt" und "Gemeinde", "Volk" und "Hierarchie", "Institution" und "Basis" dualistisch einander gegenüberzustellen, wurde zudem von den entsprechenden ekklesiologischen und pastoralen Sprachbildern, kurz: von theologischer Theoriebildung, teils evoziert, teils legitimatorisch gestützt. Die Theologen selber ergingen sich lange Zeit in idealtypisierenden, soziologisch geprägten dualen Argumentationsfiguren.
Kapitel 1: Diese soziologischen Überlegungen setzen sich mit der traditionellen Trennung von "Amt" und "Gemeinde" auseinander und führen das Konzept der "expressiven Gruppen" als Differenzierungsmerkmal ein.
Kapitel 2: Das Kapitel analysiert die kommunikationstheoretischen Defizite institutionalisierter Religion, insbesondere in Bezug auf ihre Fähigkeit, als offenes Medium gesellschaftlicher Vermittlung zu fungieren.
Kapitel 3: Hier werden quantitative Daten und das Strukturdilemma der konfessionellen (katholischen) Publizistik untersucht, die oft den Anforderungen moderner Medienkommunikation nicht gerecht wird.
Kapitel 4: Es werden Materialien und Meinungsprofile zur Situation der Kirchen in der Bundesrepublik präsentiert, um deren "Image" und die Diskrepanz zwischen kirchlichem Anspruch und öffentlicher Wahrnehmung zu beleuchten.
Kapitel 5: Abschließend wird der Atavismus politischer Symbolsprache in modernen Staaten am Beispiel des (europäischen) Präambelgottes und seiner Funktion als sakralisierende Überhöhung untersucht.
Religionssoziologie, Kirche als Institution, Massenbasis, Konfessionelle Publizistik, Organisationslogik, Kommunikationstheorie, Säkularisierung, Politischer Katholizismus, Sozialisation, Religiöse Symbolsprache, Institutionelle Selektivität, Kirchenkritik, Machtstrukturen, Moderne Gesellschaft, Reformbedürftigkeit.
Die Arbeit analysiert kritisch das Verhältnis von institutionalisierten Kirchen und der säkularen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland, wobei der Fokus auf publizistischen und organisationsstrukturellen Aspekten liegt.
Zentrale Themen sind die publizistische Arbeit der Kirchen, die organisationstheoretische Struktur der "Heilsanstalt", der Einfluss von Religionsbindung auf das Sozialverhalten sowie die Rolle politischer Symbolsprache.
Das Ziel ist die Untersuchung der politischen Psychologie kirchengebundener Religiosität und der Frage, warum und wie die Kirche durch ihre Strukturen und Medienangebote als System agiert, das den gesellschaftlichen Anforderungen oft nur eingeschränkt gerecht wird.
Der Autor verwendet einen soziologischen, organisationstheoretischen und kommunikationswissenschaftlichen Analyseansatz, um durch die Verknüpfung von theoretischen Modellen mit empirischen Daten die "praktischen Ambivalenzen" des kirchlichen Systems aufzudecken.
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Analyse kirchlicher Kommunikationspolitik, dem Verhalten von kirchlichen Publikationsorganen als "Indoktrinationsinstrumente" und der Rolle konfessioneller Subkulturen in einer modernen Gesellschaft.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Religionssoziologie, Organisationslogik, konfessionelle Publizistik, institutionelle Selektivität und der Begriff der "expressiven Gruppen".
Die kirchliche Publizistik wird oft als "Dammbautechnik" gegen moderne Einflüsse beschrieben, die primär auf die Bestätigung interner Identitätsmuster und konservativer Werte ausgerichtet ist, anstatt den offenen Diskurs zu suchen.
Es bezeichnet die Prinzipien, nach denen kirchliche Hierarchien Informationen filtern und Entscheidungen treffen, wobei primär die Selbsterhaltung des Systems vor der individuellen Bedürfniserfüllung der Gläubigen priorisiert wird.
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