Bachelorarbeit, 2020
71 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Anlass und Ausgangssituation
1.2 Forschungsleitende Fragen und gesellschaftliche Relevanz
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Methodisches Vorgehen
2. Traumatisierungen bei Kindern und Jugendlichen
2.1 Was ist ein Trauma? — Traumadefinition
2.2 Klassifikation von Traumata
2.3 Traumatische Ereignisse in Kindheit und Adoleszenz
2.4 Traumafolgestörungen im Kindes- und Jugendalter
3. Traumatisierte Kinder und Jugendliche in der stationären Jugendhilfe
3.1 Gesetzliche Einordnung nach §34 und §35a SGB VIII
3.2 Die Problemlagen der jungen Menschen aus der stationären Jugendhilfe
3.3 Beziehungsdynamiken zwischen traumatisierten Kindern und pädagogischen Fachkräften
3.3.1 Bindungsorientierte Pädagogik als Voraussetzung für Übertragungsphänomene
3.3.2 Die Rolle der Übertragung und Gegenübertragung in der Beziehungsgestaltung
4. Sekundäre Traumatisierung bei psychosozialen Fachkräften
4.1 Differenzierung zwischen Primärer und Sekundärer Traumatisierung
4.2 Theoriemodelle zur Sekundären Traumatisierung
4.2.1 Compassion Fatigue (C. R. Figley)
4.2.2 Vicarious Traumatization (L. A. Pearlman)
4.2.3 Neuropsychologisches Modell (J. Daniels)
4.2.4 Gegenüberstellung
4.3 Abgrenzung zum Burnout-Syndrom
4.4 Das Vorkommen Sekundärer Traumatisierung in der Kinder- und Jugendhilfe
4.4.1 Die Bedeutung der konkordanten Gegenübertragung auf die Entwicklung einer Sekundären Traumatisierung
4.4.2 Prävalenzstudie zur Sekundären Traumatisierung in der Kinder- und Jugendhilfe
5. Rahmenbedingungen und Methoden zum Schutz des pädagogischen Fachpersonals
5.1 Unterstützungsangebote auf Einrichtungs- und Leitungsebene
5.2 Unterstützungsangebote auf Teamebene
5.3 Methoden zur Entlastung auf persönlicher Ebene
6. Zusammenfassung und Ausblick
6.1 Beantwortung der Fragestellungen
6.2 Forschungsausblick und Fazit
Die Arbeit untersucht das Berufsrisiko der sekundären Traumatisierung bei pädagogischen Fachkräften in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, wobei insbesondere der Einfluss von Beziehungsdynamiken und Übertragungsprozessen analysiert wird, um präventive Maßnahmen und Unterstützungsstrategien abzuleiten.
4.2.1 Compassion Fatigue (C. R. Figley)
Figley hat 1995 in seinem Werk Compassion Fatigue: Coping With Secondary Traumatic Stress Disorder den Begriff compassion fatigue eingeführt. Für ihn sind compassion fatigue und secondary traumatization synonyme Bezeichnungen. Da er secondary traumatization jedoch als zu pathologisierend empfand, wählte er schließlich den Terminus compassion fatigue, welcher im Deutschen als Mitgefühlserschöpfung übersetzt wird. Diese sieht er als eine natürliche Folgeerscheinung an, die durch die Arbeit mit traumatisierten Menschen entstehen kann (Lemke, 2017, S.58 ff.).
Figley definiert compassion fatigue
„as a state of tension and preoccupation with the traumatized patients by re-experiencing the traumatic events, avoidance/numbing of reminders persistent arousal (e.g., anxiety) associated with the patient“ (Figley, 2002a, S.1435).
Für ihn ist compassion fatigue ein Zustand der Anspannung und der innerlichen Beschäftigung mit dem traumatisierten Patienten. Dieser Zustand komme durch das Wiedererleben der traumatischen Ereignisse des Klienten und durch das Vermeiden anhaltender und zum Teil angsterregender Erinnerungen, die mit dem Patienten in Verbindung gebracht werden, zustande.
Darüber hinaus definiert er compassion fatigue
„as a state of exhaustion and disfunction [sic] – biologically, psychologically, and socially“ (Figley, 1998, S.23).
Laut Figley ist compassion fatigue demnach ein Zustand der Erschöpfung sowie eine Funktionsstörung auf biologischer, psychologischer und sozialer Ebene.
1. Einleitung: Vorstellung des Themenfeldes der sekundären Traumatisierung, Herleitung der Relevanz für das pädagogische Berufsfeld sowie Darlegung der Forschungsfragen und der methodischen Vorgehensweise.
2. Traumatisierungen bei Kindern und Jugendlichen: Definition von Traumata, Klassifizierung von traumatischen Ereignissen sowie Erläuterung der Traumafolgestörungen und deren Auswirkungen auf die Entwicklung.
3. Traumatisierte Kinder und Jugendliche in der stationären Jugendhilfe: Rechtliche Grundlagen der stationären Unterbringung und Analyse der komplexen Problemlagen der betroffenen Kinder sowie der spezifischen Beziehungsdynamiken.
4. Sekundäre Traumatisierung bei psychosozialen Fachkräften: Detaillierte Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Theoriemodellen zur sekundären Traumatisierung, deren Abgrenzung vom Burnout-Syndrom und das Vorkommen in der Praxis.
5. Rahmenbedingungen und Methoden zum Schutz des pädagogischen Fachpersonals: Erarbeitung konkreter Unterstützungs- und Schutzmaßnahmen auf Einrichtungs-, Team- und individueller Ebene zur Prävention sekundärer Traumatisierung.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Forschungsergebnisse zur Beantwortung der Fragestellungen sowie Reflexion über zukünftige Forschungsbedarfe und Schlussfolgerungen für die pädagogische Praxis.
Sekundäre Traumatisierung, Pädagogische Fachkräfte, Stationäre Jugendhilfe, Compassion Fatigue, Vicarious Traumatization, Übertragung, Gegenübertragung, Traumafolgestörungen, Selbstfürsorge, Psychohygiene, Bindungsorientierte Pädagogik, PTBS, Burnout, Kindeswohlgefährdung, Beziehungsdynamik
Die Arbeit analysiert das Risiko von pädagogischen Fachkräften in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, bei der Arbeit mit traumatisierten jungen Menschen selbst eine sekundäre Traumatisierung zu entwickeln.
Im Zentrum stehen die Traumafolgestörungen bei Kindern, die Dynamik zwischen den betroffenen Klienten und den Fachkräften (insbesondere Übertragungsprozesse) sowie der Schutz des Personals durch Präventionsangebote.
Ziel ist es zu klären, wie Arbeitsbedingungen in der stationären Jugendhilfe zur Entstehung sekundärer Traumatisierung beitragen und welche spezifischen Maßnahmen das pädagogische Personal davor schützen können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche in verschiedenen einschlägigen Datenbanken, Fachzeitschriften und einschlägiger Literatur zur Traumapädagogik und Psychotraumatologie.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Traumata und Bindung, eine vertiefende Analyse der Theoriemodelle zur sekundären Traumatisierung sowie eine praxisorientierte Ableitung von Schutzmethoden.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören sekundäre Traumatisierung, Übertragungsphänomene, stationäre Erziehungshilfe, Compassion Fatigue und Selbstfürsorge.
Die Arbeit zeigt, dass eine konkordante Gegenübertragung, bei der die Fachkraft unbewusst die Gefühle von Ohnmacht und Angst der Klienten übernimmt, eine wesentliche Belastung darstellt, die ohne professionelle Reflexion in eine sekundäre Traumatisierung münden kann.
Während sich das Modell der Compassion Fatigue stärker auf Symptome der Erschöpfung und die Ätiologie im Kontakt mit Traumatisierten konzentriert, fokussiert die Vicarious Traumatization die tiefgreifenden Veränderungen des Selbstbildes, der Weltanschauung und der Grundüberzeugungen der Fachkraft.
Diese Methoden dienen als Instrumente der individuellen Selbstfürsorge und Psychohygiene, um die pädagogischen Fachkräfte im Berufsalltag bei der Affektregulation zu unterstützen und die Resilienz zu stärken.
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