Bachelorarbeit, 2013
118 Seiten, Note: 1,3
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media
1 Vorwort
2 Begriffsbestimmungen und Problematik
2.1 Werbung
2.2 Schockwerbung
2.3 Werbeethik
2.4 Ethische Problematik der Schockwerbung
3 Das Unternehmen Benetton
3.1 Unternehmensstrategie und Selbstverständnis
3.2 Werbekonzept und -intention
4 Die Benetton-Werbekampagnen unter Oliverio Toscani (1982-2000)
4.1 Oliviero Toscanis Werbeverständnis
4.2 Die Zusammenarbeit mit Luciano Benetton
4.3 Toscanis Werbekampagnen für Benetton - eine exemplarische Analyse
4.3.1 H.I.V.-Positive
4.3.2 Sentenced to Death
5 Ethische Kontroverse um die beiden Kampagnen
6 Empirischer Teil
6.1 Forschungsfrage
6.2 Erhebungsmethode
6.3 Fragebogenkonzeption
6.4 Auswertung und Interpretation
6.5 Forschungsergebnis
7 Schlusswort
Diese Arbeit untersucht die ethische Kontroverse um die Werbekampagnen des Modeunternehmens Benetton unter der Leitung von Oliviero Toscani. Dabei wird analysiert, inwiefern die Nutzung provokativer Schockmotive – abseits klassischer Produktwerbung – gesellschaftliche Diskurse beeinflussen konnte und ob diese Kampagnen auch heute, unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen, noch ihre beabsichtigte schockierende Wirkung entfalten.
4.3.1 H.I.V.-Positive
Die heftigsten Proteste, aber auch die interessantesten und politischsten Reaktionen der Öffentlichkeit, erweckte die Kampagne H.I.V.-Positive vom Herbst 1993. Die Plakatreihe besteht aus drei Motiven, die das Gesäß, den Oberkörper und den Intimbereich einer männlichen Person mit der Tätowierung ‚H.I.V.-Positive‘ zeigen (Abb. 7-9). Die übermäßige Größe der Körperausschnitte verhindert jegliche Identifikationsmöglichkeit.
Nach Ansicht Ammanns stellen die drei Motive die Hauptinfektionswege mit dem Aidsvirus dar, nämlich Drogenkonsum und ungeschützter Geschlechtsverkehr. Zudem sind die Tätowierungen eine Metapher, denn man trägt sie ebenso wie den Aidsvirus ein Leben lang (vgl. Ammann 2004: 456). Die gestempelten Körperteile sind nach Auffassung Pagnucco Salveminis ein Hinweis auf die gesellschaftliche Brandmarkung der H.I.V.-Infizierten. Die Tätowierung erinnert an einen Stempel auf dem Fleisch von Schlachtvieh, ebenso an die Nummern, mit denen Juden im Konzentrationslager gebrandmarkt wurden. Sie symbolisiert auf diese Weise die gesellschaftliche Beseitigung der Infizierten, ihr gesellschaftliches Todesurteil, noch ehe die Krankheit überhaupt ihren verheerenden Lauf nimmt (vgl. Pagnucco Salvemini 2002: 115f.).
Vorwort: Der Fotograf Oliviero Toscani erläutert seinen künstlerischen Anspruch, mittels Werbung den Konformismus anzugreifen und gesellschaftliche Themen aufzugreifen, anstatt lediglich Produkte zu bewerben.
Begriffsbestimmungen und Problematik: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe der Werbeforschung, insbesondere Werbung und Schockwerbung, und erörtert die ethischen Herausforderungen in einer Zeit zunehmender Informationsüberflutung.
Das Unternehmen Benetton: Es wird die Unternehmensstrategie Benettons beschrieben, die durch eine starke Corporate Identity und das Streben nach einer moralisch engagierten Positionierung geprägt ist.
Die Benetton-Werbekampagnen unter Oliverio Toscani (1982-2000): Dieser Abschnitt analysiert das Werbeverständnis Toscanis und die evolutionäre Entwicklung der Kampagnen, die sich zunehmend von der Produktabbildung hin zur Darstellung gesellschaftlicher Tabus bewegten.
Ethische Kontroverse um die beiden Kampagnen: Hier werden die konträren Positionen von Befürwortern und Kritikern der Benetton-Werbung zusammenfassend gegenübergestellt.
Empirischer Teil: Die quantitative Analyse untersucht mittels Online-Befragung, wie die Kampagnen H.I.V.-Positive und Sentenced to Death vom heutigen Publikum rezipiert werden.
Schlusswort: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, dass die Schockmotive Benettons heute weniger schockierend wirken, jedoch weiterhin als Spiegel für gesellschaftliche Normen dienen.
Benetton, Oliviero Toscani, Schockwerbung, Werbeethik, H.I.V.-Positive, Sentenced to Death, Todesstrafe, Aids, gesellschaftliche Tabus, Werbewirkung, empirische Analyse, Unternehmensstrategie, Corporate Identity, Provokation, Medienethik.
Die Bachelorarbeit untersucht die ethische Dimension und die Werbewirkung der kontroversen Benetton-Kampagnen, die in den 1990er und 2000er Jahren durch den Fotografen Oliviero Toscani realisiert wurden.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Moral und Provokation in der Werbung, insbesondere am Beispiel von Aids- und Todesstrafe-Kampagnen.
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die als schockierend eingestuften Kampagnen von damals heute noch dieselbe Wirkung erzielen oder ob eine Abstumpfung der Gesellschaft gegenüber solchen Motiven stattgefunden hat.
Neben einer theoretischen Aufarbeitung und exemplarischen Analyse der Motive wird eine quantitative Online-Befragung unter 67 Probanden durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Werbeethik, die Strategie von Benetton, die Analyse spezifischer Kampagnen von Toscani sowie einen umfangreichen empirischen Teil zur heutigen Rezeption.
Sie zeichnet sich durch die Verknüpfung von medienwissenschaftlicher Theorie mit einer eigenen empirischen Studie aus, die den Einfluss von Alter, Geschlecht und politischer Einstellung auf die Wahrnehmung von Schockwerbung misst.
Die Kampagne aus dem Jahr 1993 löste eine enorme gesellschaftliche Massenkontroverse aus und steht beispielhaft für den radikalen Bruch Benettons mit klassischen Werbekonventionen.
Die Studie zeigt, dass "Sentenced to Death" einen deutlich negativeren Gesamteindruck hinterlässt, wobei die moralische Debatte um die Todesstrafe die Rezeption maßgeblich beeinflusst.
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