Diplomarbeit, 2007
101 Seiten, Note: 1
I DIE ZEIT UND DIE MATERIALBILDER VON ANTONI TÀPIES
II DIE ENTWICKLUNG HIN ZU DEN MATERIALBILDERN
II.1 DAS FRÜHWERK
II.1.1 Die frühesten Werke von Tàpies und der Symbolismus
II.1.2 Die Hinwendung zum Surrealismus
II.1.3 Das soziale Bewusstsein
II.1.4 Von den abstrakten Tendenzen zur Textur
II.2 DIE MATERIALBILDER
II.2.1 Der Entstehungsrahmen der Materialbilder
III DIE WAHRNEHMUNG DER MATERIALBILDER
III.1 DIE WAHRNEHMUNG DER MATERIALBILDER
III.1.1 Am Beispiel Relleu gris sobre fusta
III.1.2 Die Bewegung und das offene Kunstwerk
III.1.3 Die perzeptive Ambiguität
III.1.4 Die Sprachfragmente und deren drei Wahrnehmungsbereiche
III.2 DAS KUNSTWERK ALS WAHRNEHMUNGSPROBLEM
IV VON DEN NIEDEREN MOTIVEN
ÜBER DIE FORMLOSIGKEIT UND (DE)FORMATION DER MOTIVE
ZUR ZEITLICHKEIT DER OBJEKTE
IV.1 L’ INFORME
IV.1.1 Die Techniken des informe
IV.2 DER MIMÉTISME
IV.3 EXKURS: ASSEMBLAGEN UND OBJEKTE
V DIE MATERIALBILDER ALS ERINNERUNGSRÄUME
ZUR KULTURELLEN IDENTITÄTSSTIFTUNG
V.1 DIE ZEITLICHKEIT DER ERDE
V.2 DAS WERK ALS GEDÄCHTNISARCHÄOLOGIE
V.2.1 Das kollektive und kulturelle Gedächtnis
V.2.2 Die Mémoire collective
V.2.3 Das kulturelle Gedächtnis zur kollektiven Identitätsbildung
V.2.4 Die Mauerbilder
V.2.5 Die emblematischen und heraldischen Historienbilder
VI DIE MATERIALBILDER: FÜR DIE ZEIT ODER FÜR DIE EWIGKEIT
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Zeit – verstanden in den Kategorien Erinnerung, Anschauung und Erwartung – in den Materialbildern von Antoni Tàpies zu verorten. Dabei wird untersucht, wie Tàpies durch die unmittelbare Stofflichkeit seiner Werke und die Einbindung des Betrachters ein Wahrnehmungsproblem konstituiert, das über eine einfache Abbildung von Wirklichkeit hinausgeht.
Die Wahrnehmung der Materialbilder
Der Wahrnehmungsprozess, wie er sich in den beschriebenen Hauptwegen über die Bildstruktur organisiert, belässt den Betrachter in Irritation vor dem Kunstwerk. Die materielle Ausgestaltung des Kunstwerks evoziert Bildideen, momentan gewonnene visuelle Schwerpunkte, welche die Bildbestandteile aus einer bestimmten Perspektive zu organisieren beabsichtigen, lassen sich aber nicht zu Hauptansichten verdichten. Die Mehrfachbelegbarkeit der Zeichen und ihre Uneindeutigkeit im Hinblick auf jeweilige Bezugspunkte veranlassen stets neue Sichtweisen, um unter diesen wiederum den Bildzusammenhang zu überprüfen. Jedoch entweichen selbst diese Ansichten, springen um und entwickeln sich zu Gegenthesen, die einen zuvor gewonnen Eindruck negieren. Es scheint unmöglich, zu einer festen Bildvorstellung zu gelangen, denn die Elemente lassen sich nicht zu einer Bildidee zusammenfügen und in eine Bedeutung überführen. Diese komplexe optische Erfahrung, bei der die Gesichtspunkte der Betrachtung ständig zugunsten anderer wechseln und sich Umdeutungen vollziehen, diese Bewegung ist eine zentrale Figur der ästhetischen Erfahrung.
Paul Valéry erklärte in Propos sur la poésie (1927) den Unterschied zwischen Poesie und Prosa, und obwohl das Thema von dem hier besprochenen abweicht, scheint es angebracht, an dieser Stelle an seine Worte zu erinnern, die in einem anderen künstlerischen Feld das Verständnis der Bewegung ermöglicht haben. Um diese lebendige Bewegung in der Poesie zu erläutern, ersinnt er die Metapher eines schwingenden Pendels, welches zwischen den Elementen der poetischen Form und den diversen Eindrücken des Betrachters schwingt und stets zum Ausgangspunkt der Betrachtung zurückkehrt. Die Oszillation zwischen Form und Inhalt mündet schließlich in keiner absoluten Lösung, sondern erschöpft sich in dieser Bewegung.
I DIE ZEIT UND DIE MATERIALBILDER VON ANTONI TÀPIES: Einleitende Betrachtung über die ästhetische und existentielle Bedeutung von Tàpies' Material-Malerei im Kontext der Moderne.
II DIE ENTWICKLUNG HIN ZU DEN MATERIALBILDERN: Darstellung des künstlerischen Werdegangs von 1946 bis 1954, unter besonderer Berücksichtigung der Einflüsse von Symbolismus, Surrealismus und sozialem Bewusstsein.
III DIE WAHRNEHMUNG DER MATERIALBILDER: Analyse des rezeptionsästhetischen Aspekts, bei dem das Werk durch den Betrachter und dessen Wahrnehmungsprozess vervollständigt wird.
IV VON DEN NIEDEREN MOTIVEN: Untersuchung der Formlosigkeit (informe) und Mimese als Mittel, um die Trennung zwischen Materie und Form aufzuheben.
V DIE MATERIALBILDER ALS ERINNERUNGSRÄUME: Deutung der Werke als Orte der kulturellen Identitätsstiftung, die durch die Aktivierung kollektiven Gedächtnisses die katalanische Geschichte und Identität verhandeln.
VI DIE MATERIALBILDER: FÜR DIE ZEIT ODER FÜR DIE EWIGKEIT: Abschließende Reflexion darüber, inwieweit die Materialbilder sowohl in ihrer unmittelbaren Präsenz als auch in ihrer zeitlosen Aussagekraft existieren.
Antoni Tàpies, Materialbilder, Informel, Materie, Wahrnehmung, Partizipation, Zeitlichkeit, Phänomenologie, kulturelles Gedächtnis, Katalonien, Identität, Zeichen, informe, Mimese, Alchemie.
Die Arbeit untersucht die Materialbilder von Antoni Tàpies im Zeitraum von 1950 bis 1970 unter dem spezifischen Fokus der Zeitlichkeit und der Wahrnehmungspsychologie.
Zentrale Themen sind die Materialität als Ausdrucksmittel, die Einbeziehung des Betrachters in den schöpferischen Prozess und die Verbindung von persönlicher Geschichte mit dem kulturellen Gedächtnis Kataloniens.
Ziel ist es, den "künstlerischen Anfang" Tàpies durch die Materialbilder (tápias) zu definieren und aufzuzeigen, wie diese die traditionellen Grenzen zwischen Bildträger und Bild auflösen.
Die Arbeit stützt sich primär auf kunsthistorische Werkanalyse sowie phänomenologische Ansätze (unter anderem von Husserl, Sartre und Merleau-Ponty) und soziologische Konzepte des kollektiven Gedächtnisses (Halbwachs, Assmann).
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des künstlerischen Werdegangs, die Analyse der Betrachterwahrnehmung, die Auseinandersetzung mit formlosen Motiven (informe) und die Deutung der Bilder als Erinnerungsräume für kulturelle Identität.
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie "materia prima", "Partizipation", "informe", "Mimese" und "Gedächtnisarchäologie" geprägt.
Tàpies sah in Llull, dem mittelalterlichen Universalgelehrten, ein Vorbild für die Verbindung von Denken und Handeln sowie die Sublimierung materieller Kategorien im Kunstwerk.
Schriftzeichen fungieren als Indizien für eine archäologische Spurensuche, die den Betrachter zur dechiffrierenden Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Mythen Kataloniens einladen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

