Diplomarbeit, 2008
122 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Begriffsklärung
1.1 Lebensformen
1.2 Ehe
1.3 Nichteheliche Lebensgemeinschaft
1.4 Zusammenfassung
2. Geschichte von Ehe und nichtehelicher Lebensgemeinschaft
2.1 Mittelalter und Neuzeit
2.2 Industrialisierung
2.3 Entwicklungen nach dem Ersten Weltkrieg bis 1970
2.4 Entwicklungen von 1970 bis heute
2.4.1 Individualisierung
2.4.2 Strukturelle Risiken der Familiengründung für Frauen
2.4.3 Entkopplung von Ehe und Elternschaft
2.4.4 Pluralisierung der Lebensformen
2.4.5 Erfordernisse der postmodernen Arbeits- und Lebenswelt
2.4.6 Abbau sozialer Normen und Kontrollmechanismen im Zusammenhang mit der Ehe
2.5 Zusammenfassung
3. Die nichteheliche Lebensgemeinschaft – Typen und Charakteristika
3.1 Wer heiratet, wer kohabitiert? Formen der nichtehelichen Lebensgemeinschaft
3.1.1 Junge Paare
3.1.2 Ehegegner
3.1.3 Geschiedene / Verwitwete
3.2 Weitere Charakteristika von Kohabitierenden und Verheirateten im Vergleich
3.2.1 Religiosität
3.2.2 Partnerschaftliche Bindung („Commitment“)
3.2.3 Bildungsniveau
3.2.4 Berufstätigkeit
3.3 Allgemeine Folgen der spezifischen Charakteristika Kohabitierender
3.3.1 Dauer und Stabilität beider Lebensformen
3.3.2 Lebenszufriedenheit
3.4 Zusammenfassung
4. Die Auswirkungen unterschiedlicher Lebensformen auf die Lebenssituation von Kindern
4.1 Allgemeines
4.2 Auswirkungen des Trennungsrisikos und der Trennung auf Kinder
4.3 Auswirkungen auf die ökonomische Situation
4.3.1 Kohabitation leiblicher Eltern
4.3.2 Nacheheliche Kohabitation
4.4 Einsatz elterlicher Ressourcen für die Kinder
4.5 Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden
4.6 Schulerfolg von Kindern in nichtehelichen Lebensgemeinschaften
4.6.1 Limitationen zur Aussagekraft deutscher Studien über den Schulerfolg und den Schulalltag von Kindern in verschiedenen Lebensformen
4.6.2 Schulerfolg von Kindern in Ehen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften in den USA
4.7 Rechtliche Perspektive
4.7.1 Kinder leiblicher Eltern in Ehen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften
4.7.2 Kinder in Stieffamilien
4.8 Zusammenfassung
5. Auswirkungen der unterschiedlichen Lebensformen auf die Lebenssituation von Frauen
5.1 Gesundheitliche Aspekte
5.1.1 Gesundheit und Wohlbefinden von Frauen
5.1.2 Gewalt in der Beziehung
5.2 Änderung der Einkommenssituation nach Trennung und Scheidung
5.3 Rechtliche Aspekte
5.3.1 Gesetzliche Grundlagen im Bezug auf die Ungleichbehandlung von Ehe und nichtehelicher Lebensgemeinschaft
5.3.2 Auswirkung von Trennung und Scheidung im Vergleich
5.4 Internationale Perspektive
5.4.1 Allgemeines
5.4.2 Kategorien und Einteilung internationaler Gesetzgebung
5.4.3 Kritik an der Verrechtlichung der nichtehelichen Lebensgemeinschaft
5.5 Zusammenfassung
Schluss
Die Arbeit untersucht die wachsende Attraktivität der nichtehelichen Lebensgemeinschaft als alternative Lebensform zur Ehe und analysiert deren Auswirkungen auf die Lebenssituation von Frauen und Kindern im Vergleich zur Ehe.
2.2 Industrialisierung
Vor der Industrialisierung waren Eheleute ein Teil des Familien- oder Hausverbandes, der eher wirtschaftlich organisiert war. Die typische Familie zu dieser Zeit war die ländliche Großfamilie („ganzes Haus“), in der die Ehe keine persönliche Angelegenheit war, sondern orientiert war an den Interessen des Kollektivs, in dem es um Produktion (beispielsweise Getreidebau oder Viehwirtschaft) und Besitzsicherung ging. Dies bedeutet auch, dass die vorindustrielle Wirtschaft zum größten Teil Familienwirtschaft war, was die Familie zur Produktionsstätte machte. Somit waren die Eheleute mehr durch gemeinsame Produktionsinteressen verbunden als durch die Liebe. Diese Zeit war gekennzeichnet von vielfältigen Heiratsbeschränkungen (vgl. Peuckert 1999, 21; Meyer 1992, 34-35; vgl. Lenz / Böhnisch 1997, 11-15).
Von diesen Heiratsbeschränkungen, die teilweise vom sechzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert Gültigkeit besaßen, waren beispielsweise bestimmte Bevölkerungsgruppen betroffen. Ihnen wurde das Recht, eine Ehe zu schließen, vorenthalten. Zu den betroffenen Personengruppen zählten Studenten, Soldaten, Gesellen und Dienstboten. Zusätzlich wurden im späten achtzehnten Jahrhundert immer mehr Voraussetzungen durch die Kirche festgelegt, die ein Paar für eine Eheschließung zu erfüllen hatte. Hierzu zählte insbesondere, dass vor der Eheschließung nachgewiesen werden musste, dass die zukünftigen Eheleute die Versorgung einer Familie gewährleisten konnten. Dieser Umstand wurde somit für viele mittellose heiratswillige Paare zu einem unüberwindbaren Hindernis. Der Schritt in eine nichteheliche Lebensgemeinschaft und damit in die Illegalität war hier oft der einzige Ausweg für diese Paare, was sich auch an den hohen außerehelichen Geburten dieser Zeit mit einer Rate um die 50% in manchen Teilen Deutschlands widerspiegelte (vgl. Venger 2004, 28-29).
1. Begriffsklärung: Definition der zentralen Lebensformen (Ehe vs. nichteheliche Lebensgemeinschaft) sowie Klärung grundlegender soziologischer Termini.
2. Geschichte von Ehe und nichtehelicher Lebensgemeinschaft: Historischer Abriss der Entwicklung beider Lebensformen vom Mittelalter bis in die Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse.
3. Die nichteheliche Lebensgemeinschaft – Typen und Charakteristika: Analyse der verschiedenen Typen (junge Paare, Ehegegner, Geschiedene/Verwitwete) und der sozio-demografischen Merkmale wie Religiosität und Bildung.
4. Die Auswirkungen unterschiedlicher Lebensformen auf die Lebenssituation von Kindern: Untersuchung der Folgen verschiedener Lebensformen für Kinder hinsichtlich Ökonomie, Gesundheit, schulischem Erfolg und rechtlicher Stellung.
5. Auswirkungen der unterschiedlichen Lebensformen auf die Lebenssituation von Frauen: Betrachtung der Auswirkungen auf Frauen in Bezug auf Gesundheit, Gewalterfahrungen, ökonomische Situation nach Trennung und die rechtliche Einordnung im internationalen Vergleich.
Nichteheliche Lebensgemeinschaft, Ehe, Kohabitation, Lebensformen, Familiensoziologie, Frauenerwerbstätigkeit, Kinderarmut, Trennungsrisiko, Scheidungsrecht, Institution Ehe, Individualisierung, Stiefkinder, Unterhaltsrecht, Sozialisation, Beziehungsqualität
Die Arbeit untersucht die wachsende Bedeutung nichtehelicher Lebensgemeinschaften in der modernen Gesellschaft und deren Auswirkungen auf die Lebenssituation von Frauen und Kindern im Vergleich zur traditionellen Ehe.
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung von Ehe und Kohabitation, die verschiedenen Typen und Charakteristika von Paaren in nichtehelichen Lebensgemeinschaften sowie die Auswirkungen dieser Lebensform auf Kinder und Frauen in ökonomischer, gesundheitlicher und rechtlicher Hinsicht.
Das primäre Ziel ist es zu analysieren, warum Paare heute zunehmend die nichteheliche Lebensgemeinschaft wählen und welche Vor- oder Nachteile sich daraus für Frauen und Kinder ergeben, insbesondere im Hinblick auf Stabilität, ökonomische Absicherung und Rechtsschutz.
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Daten (u.a. Mikrozensus, Familiensurveys), um soziologische und ökonomische Zusammenhänge im Vergleich zwischen Ehe und nichtehelicher Lebensgemeinschaft darzustellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung (Kapitel 2), die Typisierung der Kohabitierenden (Kapitel 3) sowie die detaillierte Folgenabschätzung für Kinder (Kapitel 4) und Frauen (Kapitel 5).
Kernbegriffe sind Nichteheliche Lebensgemeinschaft, Kohabitation, Deinstitutionalisierung der Ehe, Individualisierung sowie die spezifischen Auswirkungen auf die Lebenssituation von Frauen und Kindern.
Studien deuten darauf hin, dass Verheiratete tendenziell eine höhere Lebenszufriedenheit aufweisen, was teilweise auf Selektionseffekte (gesündere/stabilere Menschen heiraten eher) und teilweise auf die institutionelle Absicherung durch die Ehe zurückgeführt wird.
Die rechtliche Ungleichbehandlung, etwa beim Unterhaltsrecht, beim Steuersplitting oder bei der Stiefkindadoption, stellt einen wesentlichen Faktor dar, der Frauen und Kinder in nichtehelichen Lebensgemeinschaften gegenüber Ehepaaren benachteiligen kann.
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