Examensarbeit, 2008
80 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Mensch und Pferd
2.1 Von der Jagdbeute zum Reittier
2.2 Das Pferd als göttliches Tier
2.3 Das Pferd als Arbeitstier
3 Pferd und Reiter als Sinnbild
3.1 Anthropomorphisierung des Pferdes
3.2 Das Pferd als Symbol männlicher Triebe
3.3 Göttlich-Dämonischer Bereich
3.4 Das Pferd als Statussymbol
4 Das Reitermotiv in der Malerei
4.1 Das Mittelalter
4.1.1 Apokalyptische Reiter
4.1.1.1 Beatuskommentar, M. 11. Jahrhundert
4.1.1.2 Beatuskommentar, A. 13. Jahrhundert
4.1.2 Der Heilige Georg als Drachentöter
4.2 Leonardo da Vinci: Anghiarischlacht 1504-1506
4.3 Michelangelo de Caravaggio: Bekehrung Sauli 1600/01
4.4 Das barocke Reiterportrait
4.4.1 Wegbereiter Tizian: Karl V zu Pferd, um 1547
4.4.2 Diego Velázquez: Reiterportraits der königlichen Familie, 1634-1636
4.4.3 Anthonis van Dyck: Karl I zu Pferde, um 1638
4.5 Das 18. Jahrhundert – Klassische Epoche des englischen Pferdeportraits
4.6 Das Reiterportrait in der Malerei napoleonischer Zeit
4.6.1 Jacques-Louis David: Bonaparte, die Alpen überschreitend, 1800
4.6.2 Francisco de Goya: Der 2. Mai 1808 in Madrid: Kampf der Mamelucken, 1814
4.7 Arnold Böcklin: Der Kampf auf der Brücke, 1889
4.8 Das beginnende 20. Jahrhundert
4.8.1 Max Liebermann. Reiter und Reiterin am Strand, 1903
4.8.2 Pferd und Reiter bei Franz Marc
4.8.2.1 Der heilige Julian der Gastfreie, 1913
4.9 Picasso: Guernica, 1937
Diese Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung des Reitermotivs in der europäischen Malerei vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Dabei soll aufgezeigt werden, wie der ikonographische Gehalt des Pferdes in Abhängigkeit vom zeitgeschichtlichen Kontext, gesellschaftlichen Wandel und der individuellen Symbolik des jeweiligen Künstlers einem stetigen Wandel unterliegt und als Ausdrucksträger dient.
4.2 Leonardo da Vinci: Anghiarischlacht 1504-1506
Die in der Renaissance beginnende Rückbesinnung auf ein Naturstudium nach dem Modell der Antike ist insbesondere auch für Reiterdarstellungen bezeichnend. Hinweg von flachen in Zweidimensionalität Gefangenen entwickeln sich Pferd und Reiter hin zu plastisch vitalen Lebewesen. Die Darstellung des Tieres an sich wird Grundlage eines Wandels des Pferdes als Heiligenattribut hin zu einem weit verbreiteten Motiv profaner Malerei. Was vor der Renaissance undenkbar schien, wurde nun praktiziert: Losgelöst von mystisch-symbolischen Inhalten studierten Leonardo, Dürer, Raffael die Körperlichkeit von Mensch und Tier. Während Uccello Pferd und Reiter vor Allem für perspektivische Darstellungen nutzte, entwickelte Leonardo bereits eine umfassende Pferdeanatomie. Körperhafte Darstellungen ließen aus dem ehemals schablonenhaften Pferd ein vitales Tier mit einer eigenen Dynamik werden (Baum 1991, 142), dem ein gewaltiges kraftvolles Temperament zu eigen ist.
Bei Leonardos Anghiarischlacht handelte es sich um ein etwa siebenmal 17,5 Meter großes (Zöllner 2003, 242), zwischen 1504 und 1506 entstandenes aber unvollständig gebliebenes Wandgemälde in der Sala del Gran Consiglio des Palazzo Vecchio in Florenz. Es stellte lediglich die zentrale Gruppe – den so genannten „Kampf um die Standarte“ dar (Zöllner 1991, 1). Leider ist das Gemälde bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts zerstört worden (Zöllner 2003, 242) und befindet sich womöglich unter einem der später dort entstandenen Gemälde. Da das Bild in Kopien anderer Künstler überliefert wurde, kann es trotz seines Verlustes Gegenstand dieser Arbeit sein. Es werden die Kopie von Rubens (Abb. 6) und die Tavola Doria (Abb. 7) als Vorlagen zur Analyse der Anghiarischlacht dienen. An der Diskussion um die Entstehung der genannten Werke wird sich diese Arbeit nicht beteiligen und daher Rubens und einen unbekannten Künstler als Urheber annehmen.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung des Reitermotivs als Symbolträger ein und formuliert das Ziel, dessen Wandel in der Malerei exemplarisch zu untersuchen.
2 Mensch und Pferd: Dieses Kapitel beleuchtet die kulturgeschichtliche Beziehung zwischen Mensch und Pferd von der Domestizierung bis zur Industrialisierung.
3 Pferd und Reiter als Sinnbild: Hier werden grundlegende Symboliken des Pferdes, wie die Anthropomorphisierung und die religiöse Bedeutung, theoretisch zusammengefasst.
4 Das Reitermotiv in der Malerei: Der Hauptteil analysiert exemplarische Werke bedeutender Künstler und Epochen, von mittelalterlichen Darstellungen bis zur Moderne.
Reitermotiv, Kunstgeschichte, Ikonographie, Pferdesymbolik, Malerei, Renaissance, Barock, Symbolismus, Mensch-Pferd-Symbiose, Kulturgeschichte, Napoleonische Zeit, Kriegsdarstellung, gesellschaftlicher Wandel, Bildanalyse, Mittelalter
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Wandel der symbolischen Bedeutung von Pferd und Reiter in der europäischen Malerei vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert.
Zentral sind die ikonographische Erforschung der Mensch-Pferd-Beziehung, die Rolle des Pferdes als Ausdrucksmittel für menschliche Gefühle und Leidenschaften sowie die Spiegelung gesellschaftlicher Werte im Motiv.
Das Ziel ist es, anhand einer Auswahl von Gemälden aufzuzeigen, wie das Reitermotiv seinen Gehalt in Abhängigkeit vom zeitgeschichtlichen Kontext verändert hat.
Die Arbeit nutzt semiotische, sozial-historische, psychologisch-biographische und ikonographische Deutungsansätze, um die Sinnbilder in den Werken zu entschlüsseln.
Der Hauptteil analysiert spezifische Künstler und Werke, darunter Darstellungen aus dem Mittelalter, Leonardo da Vincis Anghiarischlacht, barocke Herrscherportraits sowie Werke von Böcklin, Liebermann, Marc und Picasso.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Reitermotiv, Symbolik, Ikonographie, Kunstgeschichte, kultureller Wandel und Mensch-Pferd-Symbiose.
Das Pferd, welches als Schecke dargestellt ist, wird als Ausdruck eines inneren Zwiespalts gedeutet, in dem sich Paulus zum Zeitpunkt seiner Bekehrung befindet.
Bei Picasso dient das Pferd in Werken wie "Guernica" nicht mehr als Zeichen für den stolzen Reiter, sondern als zentrales Symbol des unschuldigen Leidens und der Unterlegenheit in Zeiten von Krieg und Gewalt.
Für Marc hat Farbe eine feste symbolische Bedeutung; Blau steht etwa für das männlich-geistige Prinzip, wodurch seine Reiterfiguren ihre spezifische geistige Dimension erhalten.
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