Examensarbeit, 2008
95 Seiten, Note: 12
A. Zur Insolvenzfähigkeit von Parteien
I. Die Insolvenz(un-)fähigkeit, §§ 11, 12 InsO
1. Über die Insolvenzfähigkeit, § 11 InsO
2. Über die Insolvenzunfähigkeit, § 12 InsO
3. Die Rechtsnatur von Parteien
a) Parteibegriff
b) Möglichkeiten der Rechtsformwahl
c) Rechtsnatur heutiger Parteien
4. Zwischenergebnis zur Insolvenz(-un)fähigkeit von Parteien
II. Zur Besonderheit von Parteien
1. Historische Entwicklung der Parteien
2. Parteien im heutigen europäischen und globalen Kontext
3. Funktionen von Parteien für die Demokratie
a) Mittelbare Demokratie als Grundlage von Parteien
b) Die Rolle der Parteien innerhalb der repräsentativen Demokratie
c) Die besondere Rolle von „kleinen Parteien“
4. Pluralismus und Parteien
5. Parteien als Forum der Verwirklichung von Individualrechten
6. Zwischenergebnis zur Besonderheit von Parteien
III. Zum Einfluss des Verfassungsrechts
1. Vergleich zu besonderen Rechtspersonen
a) Öffentlich-rechtliche Glaubensgemeinschaften
aa) Urteilsdarstellung
bb) Vergleichbarkeit
b) Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten
aa) Urteilsdarstellung
bb) Vergleichbarkeit
c) Sonstige juristische Personen des öffentlichen Rechts
aa) Deutsche Bundesbank
bb) Sparkassen, Landesbanken, Girozentralen
cc) Öffentlich-rechtliche Krankenkassen
dd) Industrie- und Handelskammern
ee) Vergleichbarkeit
2. Zur direkten Anwendung von Verfassungsrecht
a) Verhältnis GG zum einfachen Recht
b) Verfassungskonforme Auslegung
c) Zwischenergebnis
3. Zwischenergebnis zum Einfluss des Verfassungsrechts
B. Zu den Folgen der Insolvenzfähigkeit von Parteien
I. Der Antrag
1. Allgemeine Voraussetzungen des Antrags
2. Antragsrecht und Antragspflicht des Schuldners
a) Antragsrecht
b) Antragspflicht
c) Antragspflichtverstoß
3. Antragsrecht der Gläubiger
4. Zwischenergebnis zum Antrag
II. Die Insolvenzgründe
1. Zu den Insolvenzgründen im Allgemeinen
a) Die Zahlungsunfähigkeit
b) Die drohende Zahlungsunfähigkeit
c) Die Überschuldung
2. Parteienrechtliche Sanktionsmechanismen
3. Wirtschaftliche Betätigung von Parteien
4. Staatlicher Bestandsschutz
5. Zwischenergebnis zu den Insolvenzgründen
III. Das Schuldnervermögen, § 26 InsO
1. Die ausreichende Masse, § 26 InsO
2. Die Folgen der Abweisung mangels Masse
3. Zwischenergebnis zum Schuldnervermögen, § 26 InsO
IV. Zwischenergebnis zum Insolvenzeröffnungsverfahren
V. Das Insolvenzverfahren
1. Die Ziele des Insolvenzverwalters
2. Die Insolvenzmasse
3. Auswirkungen vermögensrechtlicher Beschränkungen
a) Innerparteiliche Demokratie
b) Selbstbestimmte politische Mitwirkung
c) Pluralismus und Forumsfunktion
d) Zwischenergebnis
4. Schuldnerpflichten
a) Auskunftspflichten
b) Mitwirkungspflichten
c) Durchsetzung der Pflichten
5. Auswirkungen nicht-vermögensrechtlicher Beschränkungen
6. Weitere Folgen des Insolvenzverfahrens
a) Auflösung
b) Verwertung und sonstige Folgen
7. Zwischenergebnis zum Insolvenzverfahren
C. Zu den Folgen der Insolvenzunfähigkeit von Parteien
I. Für die Gläubiger der Partei
II. Für den Rechtsverkehr
1. Arbeitnehmer der Partei
2. Wirtschaftliche Konkurrenten und Geschäftspartner
III. Für das Parteiensystem
1. Die Partei selbst
2. Der Parteienwettbewerb
3. Die Parteiengleichheit
IV. Zwischenergebnis zur Insolvenzunfähigkeit
D. Ergebnis
I. Vor- und Nachteile der Insolvenzfähigkeit von Parteien
II. Gewichtung und Abwägung
III. Gesamtergebnis
Die Arbeit untersucht gutachterlich die Frage, ob über das Vermögen einer politischen Partei ein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann. Dabei steht die komplexe verfassungsrechtliche Stellung der Parteien im Zentrum, die gegen die einfachgesetzliche Anwendbarkeit der Insolvenzordnung (InsO) abgewogen wird.
A. I. 3. Die Rechtsnatur von Parteien
a) Parteibegriff: Das GG selbst definiert den Parteibegriff nicht, eröffnet aber mit dem Verweis in Art. 21 Abs. 3 GG dem Gesetzgeber durch das PartG im Rahmen der verfassungsrechtlichen Vorgaben einen gewissen Raum zur Ausgestaltung. Dessen in § 2 PartG gegebene Definition ist von der steten Rechtsprechung des BVerfG für verfassungskonform befunden worden.6
Nach der Definition des PartG lassen sich drei Hauptelemente ausmachen: Strukturell hat es sich um eine Vereinigung natürlicher Personen mit einer gewissen Beständigkeit in der Organisation und einem bestimmenden Einfluss der Mitglieder zu handeln,7 die juristische Personen als Mitglieder ausschließt8. Das Zielelement umfasst das Ziel zur politischen Einflussnahme in einem Land oder auf Bundesebene und trennt Parteien von politischen Gruppierungen wie sog. „Rathausparteien“9, Europaparteien, oder Bürgerinitiativen.10 Und schließlich muss dieses Ziel mit einer gewissen Ernsthaftigkeit verfolgt werden, wodurch nur kurzlebige oder „Spaßparteien“ ausgeschlossen werden sollen.11 Ernsthaftigkeit bedingt jedoch keinerlei Anforderungen an den zu verfolgenden Inhalt, sondern nur eine Anforderung an die Ambition der Gruppe, die Funktion als Partei auch wahrnehmen zu wollen und sich darum um Wahlerfolge zu bemühen.12
A. Zur Insolvenzfähigkeit von Parteien: Dieses Kapitel prüft die insolvenzrechtlichen Grundlagen sowie die verfassungsrechtliche Stellung und Besonderheit politischer Parteien als Akteure in der Demokratie.
B. Zu den Folgen der Insolvenzfähigkeit von Parteien: Hier werden die prozessualen Auswirkungen einer Insolvenzeröffnung, insbesondere die Handlungsfähigkeit der Partei gegenüber dem Insolvenzverwalter, detailliert beleuchtet.
C. Zu den Folgen der Insolvenzunfähigkeit von Parteien: Dieser Abschnitt analysiert die Konsequenzen einer verneinten Insolvenzfähigkeit für Gläubiger, den Rechtsverkehr und das Parteiensystem.
D. Ergebnis: Das abschließende Kapitel gewichtet die verfassungsrechtlichen Argumente und kommt zu dem Gesamtergebnis, dass Parteien aufgrund ihrer speziellen Stellung nicht insolvenzfähig sind.
Insolvenzfähigkeit, Politische Parteien, Parteienfinanzierung, Insolvenzordnung, Verfassungsrecht, Demokratieprinzip, Parteienwettbewerb, Gläubigerschutz, Insolvenzverwalter, Rechtsform, Verein, Parteienprivileg, Rechtssicherheit, Parteienfreiheit, Politische Willensbildung.
Die Arbeit untersucht die juristische Zulässigkeit eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen einer politischen Partei in Deutschland.
Die Untersuchung umfasst die verfassungsrechtliche Einordnung politischer Parteien, die Anwendung der Insolvenzordnung (InsO) auf diese Rechtsform sowie die Auswirkungen von Insolvenz auf die demokratische Funktion von Parteien.
Die Forschungsfrage lautet, ob politische Parteien als insolvenzfähig im Sinne der Insolvenzordnung anzusehen sind und ob eine Insolvenzeröffnung mit deren verfassungsrechtlichem Status vereinbar wäre.
Der Autor führt eine gutachterliche Analyse durch, in der die einfachgesetzliche Rechtslage mit verfassungsrechtlichen Schutznormen und der einschlägigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in Beziehung gesetzt wird.
Im Hauptteil werden die Insolvenzfähigkeit, die prozessualen Folgen eines Insolvenzantrags, die Rolle der staatlichen Parteienfinanzierung als Sicherheitsfaktor sowie die Auswirkungen auf die parteiinterne Demokratie erörtert.
Zentrale Begriffe sind Insolvenzfähigkeit, Parteienprivileg, Verfassungsrecht, Insolvenzordnung, politische Willensbildung und Parteienwettbewerb.
Der Autor argumentiert, dass die mit einem Insolvenzverfahren verbundenen Eingriffe in die Parteienfreiheit und die demokratische Willensbildung die Parteien als besonders geschützte Rechtspersonen vergleichbar mit öffentlich-rechtlichen Institutionen erscheinen lassen, bei denen ein Insolvenzverfahren ausgeschlossen ist.
Die größte Gefahr besteht in der Machtstellung des Insolvenzverwalters, der durch seine Kontrolle über das Vermögen die politische Strategie und die innerparteiliche Demokratie massiv beeinflussen oder sogar faktisch ausschalten könnte.
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