Diplomarbeit, 2007
120 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Historie der Kulturrevolution
2.1 Februar–Mai 1966: Beginn der Kulturrevolution - die „Peng-Luo-Lu-Yang Anti Party Clique“
2.2 Mai-Juni 1966: Entstehung der ersten Roten Garden
2.3 Juni- Juli 1966: Die „50 days“ – Das erste „big character poster“ und die Reaktion der Partei
2.4 Mitte Juli-Ende September 1966: Ereignisse um das 11. Plenum des Zentralkomitees
2.4.1 Verurteilung der „50 days“ und Kehrtwende
2.4.2 Auswirkungen auf die Machtverhältnisse und Strukturen an der Führungsspitze
2.5 Oktober – Dezember 1966: Die bourgeois-reaktionäre Linie – Ausgrenzung von Liu Shaoqi und Deng Xiaoping
2.6 Oktober – Dezember 1966: Erweiterung der Kulturrevolution auf die breiten Massen
2.7 Januar 1967: Der „January Storm“ in Shanghai – „Power seizures“ und landesweites Chaos
2.8 Februar-März 1967: „February Crackdown“ / „February Adverse Current“ – Machtrückgewinn der konservativen Kräfte und des Militärs
2.8.1 „February Crackdown“
2.8.2 “February Adverse Current“
2.8.3 Auswirkungen auf die Machtverhältnisse
2.9 April-Juni 1967: „Struggle by persuasion and reasoning“ – Faktionenbildung - Weitgehend gewaltfreier Konflikt
2.10 Juni-August 1967: Ausbruch des offenen Konflikts
2.10.1 Das Wuhan Ereignis
2.10.2 Eskalation der Gewalt in ganz China
2.11 Ab August 1967: Kurswende Maos – Versuch des Rückgewinns der Kontrolle – Stärkung der Armee
2.12 September 1967 – Juli 1968: Ende der heißen Phase der Kulturrevolution – Ende der Roten Garden
3. Erklärungsmodelle für das gewalttätige Verhalten der Roten Garden
3.1 Zur Denkweise der Roten Garden aufgrund der Einflüsse der Ideologie des Klassenkampfes
3.2 Erklärungsversuche für das Denken und Verhalten der Roten Garden aus politisch-ideologischer Perspektive
3.2.1 Ideologische Hintergründe für die Notwendigkeit des Klassenkampfes in marxistischen Systemen
3.2.2 Praktische Umsetzung des Klassenkampfes im kommunistischen China (1950er-1960er)
3.2.3 Umsetzung der Ideologie der „Diktatur des Proletariats“ und der chinesische Kulturhintergrund
3.2.4 Auswirkungen auf die Denkweise der Roten Garden
3.3 Psychologische Verhaltenshintergründe der Roten Garden
3.3.1 Grundlagen
3.3.2 Psychologie der Roten Garden
3.3.2.1 Aggressives Verhalten der Roten Garden
3.3.2.2 Absolute Loyalität der Roten Garden zur Partei und Mao
3.3.3 Rückschlüsse auf das Verhalten der Roten Garden
3.4 Soziologischer Erklärungsansatz
3.4.1 Staatlich organisierte Gruppen in der VR China nach 1949
3.4.2 Konfliktmobilisierung
3.4.2.1 Anwendung auf die chinesische Kulturrevolution
3.4.3 Erklärung für das Ausmaß der Gruppenkonflikte / Gewalt
3.4.3.1 Grundlegende Merkmale der Konfliktgruppen als Faktor für das Ausmaß der Gewalt
3.4.3.2 Unterschiedliche Motivationen zum Konflikt als Faktor für das Ausmaß der Gewalt
3.4.3.3 Steigerung der Intensität der Konflikte über mehrere Stufen: Eigendynamische Konfliktintensivierung
4. Fazit
Die Arbeit untersucht das gewalttätige Verhalten der Roten Garden während der frühen Phase der chinesischen Kulturrevolution (1966–1969) und analysiert die Hintergründe dieses Phänomens durch eine historische Rekonstruktion sowie durch die Anwendung politisch-ideologischer, psychologischer und soziologischer Erklärungsmodelle.
2.4.2 Auswirkungen auf die Machtverhältnisse und Strukturen an der Führungsspitze
Mao hatte nun die Voraussetzungen für den Machtgewinn radikaler Kräfte, die ihm bei der Durchführung der Kulturrevolution in seinem Sinne helfen sollten, durch Absetzung und politische Schwächung von Schlüsselpersonen an der Spitze geschaffen. Die Zusammensetzung des Politbüros blieb im Großen und Ganzen allerdings gleich. Liu Shaoqi, der von der Position zwei in der Parteihierarchie auf die Nummer acht abrutschte, wurde durch Lin Biao als einzigen Vizepremier ersetzt, der sich allerdings im Anschluss hauptsächlich um Angelegenheiten in der Armee kümmerte. Damit überließ er Zhou Enlai die Alltagsgeschäfte. Diese Geschäfte übte er hauptsächlich als Vorsitzender des neugeschaffenen Plenum des „Central Caucus“ aus (gleiche Zusammensetzung wie das Politbüro, allerdings ohne Mao und Lin; sie stellte ab dem 11. Plenum des ZK die letzte Instanz zur Erarbeitung / Kontrolle von Dokumenten dar, welche Mao vorgelegt wurden).
Zhou Enlais Position war, da er auch an militärischen Entscheidungen teilnahm, daher aufgewertet. Deng Xiaoping behielt zwar seinen Posten als Generalsekretär, aus der er in den Jahren zuvor faktisch die chinesische Politik geführt hatte. Das Sekretariat tagte allerdings nach Juli 1966 nicht mehr, wodurch er in dieser Funktion faktisch entmachtet war. An seine Machtposition gelangte die im Juli publik gewordene „Central Cultural Revolution Group“ (CCRG), die zunächst aus einigen Parteiideologen bestand, welche Mao zuarbeiteten, sich bis Anfang 1967 jedoch zum Leit- und Knotenpunkt der KR mit einigen hundert Mitarbeitern machte. Neben dem Staatsrat und der Militärkommission war (spätestens ab Januar 1967, Absetzung Tao Zhu) sie gleichberechtigt bestimmend in der Politik. Vorsitzender war eigentlich Kang Sheng, Stellvertreterin Jiang Qing; in den formalen Sitzungen hatte allerdings Zhou Enlai den Vorsitz, der einen großen Einfluss auf die CCRG und ihre führenden Persönlichkeiten hatte und selbst eigenständig in seinem Namen handelte. Die radikalen Kräfte unter Maos Führung repräsentiert durch CCRG und Central Caucus hatten damit an der Führungsspitze entscheidend an Macht gewonnen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Einzigartigkeit der Kulturrevolution ein und formuliert das Ziel, die Ursachen für das gewalttätige Verhalten der Roten Garden zu verstehen.
2. Historie der Kulturrevolution: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der Ereignisse von 1966 bis 1968, einschließlich der Entstehung der Roten Garden und der verschiedenen Phasen der politischen Umwälzung.
3. Erklärungsmodelle für das gewalttätige Verhalten der Roten Garden: Hier werden theoretische Ansätze aus politisch-ideologischer, psychologischer und soziologischer Sicht genutzt, um die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen zu analysieren.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kulturrevolution primär ein Machtkampf war, bei dem die Rote Garden-Bewegung durch ideologische Indoktrination und autoritäre Strukturen instrumentalisiert wurde.
Kulturrevolution, Mao Zedong, Rote Garden, Klassenkampf, Kommunistische Partei China, Machtkampf, Politische Indoktrination, Gewaltbereitschaft, Totalitarismus, Gruppenkonflikt, Ideologie, 11. Plenum des Zentralkomitees, Massenmobilisierung, Machtverhältnisse, Konfuzianismus.
Die Arbeit analysiert die chinesische Kulturrevolution zwischen 1966 und 1969, insbesondere das gewalttätige Agieren der Roten Garden als Instrument Mao Zedongs im Kampf gegen innerparteiliche Konkurrenten.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Chronologie der frühen Kulturrevolution, der ideologischen Grundlage des Klassenkampfes, psychologischen Faktoren der Gewaltentstehung bei Jugendlichen sowie der Rolle soziologischer Gruppenkonflikte.
Ziel ist es, das außergewöhnlich gewalttätige Verhalten der Roten Garden zu erklären, indem die Zusammenhänge zwischen ideologischer Erziehung, psychologischer Beeinflussung und den strukturellen Rahmenbedingungen in der Volksrepublik China untersucht werden.
Es handelt sich um eine historische Analyse unter Anwendung multidisziplinärer Erklärungsmodelle (politisch-ideologisch, psychologisch, soziologisch) auf Basis zeitgenössischer Quellen und Fachliteratur.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zunächst wird die Geschichte der Kulturrevolution bis 1968 dargestellt. Im zweiten Teil folgt eine theoretische Untersuchung der Ursachen für die Gewalt der Roten Garden, gegliedert in eine ideologische, psychologische und soziologische Perspektive.
Zentral sind Begriffe wie Kulturrevolution, Klassenkampf, Machtkampf, Maoismus, Rote Garden, Indoktrination und Totalitarismus.
Der Konfuzianismus hat in China eine Tradition vertikaler, hierarchischer Loyalitätsbeziehungen geschaffen, die es dem kommunistischen System erleichterte, eine neue, gottgleiche Autorität in Mao Zedong zu etablieren, der das Volk ohne großen organisierten Widerstand unterworfen blieb.
Die Armee fungierte als "letzte funktionsfähige Säule des Staates" und wurde zunehmend zur Ordnungsinstanz, die erst die konservativen Kräfte unterstützte und schließlich mit der Bildung revolutionärer Komitees die politische Macht in den Provinzen und Ministerien festigte.
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