Diplomarbeit, 2004
131 Seiten, Note: 2,00
1. Wirbel um Südkorea
2. Begriffsklärung
2.1. Die Klonexperimente in Südkorea
2.2. Grenzziehung mit Hilfe des Klonbegriffs: reproduktives und therapeutisches Klonen
2.3. Embryonale Stammzellen – adulte Stammzellen
3. Chancen und Probleme der neuen Technologien
4. Südkorea und Deutschland: ein Vergleich
4.1. Deutschland
4.1.1. Wirtschaft und Wissenschaft
4.1.2. Gesetzeslage in Deutschland
4.1.3. Religion und „Menschenbild“
4.2. Südkorea
4.2.1. Wirtschaft und Wissenschaft
4.2.2. Gesetzeslage in Südkorea
4.2.3. Religion und „Menschenbild“
4.3. Internationaler Stand: Entwicklungen und Gesetzeslage
5. Theoretischer und methodischer Rahmen
5.1. Kultur im Diskurs – Diskurs der Kulturen
5.1.1. Was ist kulturell am Kulturellen?
5.1.2. Zur Bedeutung von Kultur und Uneindeutigkeit
5.1.3. Die Idee einer „Makroethik“ aufgrund „kultureller Sprecher“
5.1.4. Ethik und Moral
5.1.5. Diskurse: Archäologie und Wissen
5.2. Methode: Diskursanalyse anhand Qualitativer Inhaltsanalyse
5.2.1. Deutsche und koreanische Printmedien als Datengrundlage
5.2.2. Das methodische Vorgehen
5.2.3. Analyseeinheiten: das Jahr 2004 und 2005
5.2.4. Bestimmung von Dimensionen
5.2.5. Diskursanalyse: Grundlagen und Strukturelemente
6. Der Stammzelldiskurs: eine Frage der Ethik
6.1. Analyseeinheit I: das Klonexperiment als Anstoß des Diskurses
6.1.1. Spannung im Diskurs: zum Status des Embryos
6.1.1.1. Deutschland im Konflikt
6.1.1.2. Die Hoffnung Südkoreas
6.1.2. Die Etablierung bestimmter Sprecher
6.1.2.1. Deutschland: Der Zweck heiligt die Mittel?
6.1.2.1.1. Die „Experten“ der Wissenschaft, Forschung oder Medizin: Glaube und Zweifel
6.1.2.1.2. „Experten“ der Ethik: die Trennung des Klonbegriffs
6.1.2.1.3. Vertreter einer Religion: der Mensch im Mittelpunkt
6.1.2.1.4. Politik: Uneinigkeit der Parteien
6.1.2.1.5. Die Sprecherpositionen und ihre „sagbaren“ Sätze
6.1.2.2. Südkorea: Wissenschaft und Religion
6.1.2.2.1. „Experten“ der Wissenschaft, Forschung oder Medizin: Hwang im Mittelpunkt
6.1.2.2.2. „Betroffene“ als „authentische Sprecher“
6.1.2.2.3. Öffentliche Gruppen üben Widerstand
6.1.2.2.4. Politiker als Unterstützer von Hwang Woo-suk
6.1.2.2.5. Religion: Legitimiert der Buddhismus die Forschung?
6.1.2.2.6. Das Auftauchen „kultureller Sprecher“
6.1.3. Erste Bilanz: zur Uneindeutigkeit der Kultur
6.2. Analyseeinheit II: weitere Entwicklungen im Jahr 2005
6.2.1. Der „König des Klonens“ macht neue Schlagzeilen
6.2.1.1. Deutschland: Land der „neuen Möglichkeiten“?
6.2.1.1.1. Politiker im Umschwung
6.2.1.1.2. „Trickreiche“ Forscher in Deutschland
6.2.1.1.3. Welche Zukunft schaffen wir uns?
6.2.1.1.4. Kultur als Thema im Diskurs
6.2.1.2. Südkorea: Konfrontation mit den „anderen Möglichkeiten“
6.2.1.2.1. Buddhismus und die Stammzellforschung
6.2.2. Bilanz 2005: Annäherung und Auseinanderdriften
6.3. Internationale Entwicklungen: globaler Diskurs und Interdependenz
6.3.1. Analyseeinheit I: unversöhnlich angesichts des reproduktiven und therapeutischen Klonens
6.3.1.1. Deutschland als Zünglein an der Waage?
6.3.1.2. Südkorea bangt um den Fortschritt
6.3.2. Analyseeinheit II: eine unverbindliche Deklaration
6.3.3. Zusammenfassung der internationalen Entwicklungen
7. Kultur und Religion im Angesicht neuen Wissens
7.1. Zur Bedeutung der Religion und neuem Wissen
7.2. Die Stabilität der Kultur im Diskurs
7.3. Der Hindernisvorwurf
7.4. Ausblick: der Fall des Klonengs
Die Arbeit untersucht, welche Rolle der Faktor Kultur im Stammzelldiskurs spielt und inwieweit er tatsächlich als Hindernis für einen kulturübergreifenden Konsens fungiert. Ziel ist es zu analysieren, ob eine „Makroethik“ als übergeordnete Ethik die bestehenden Differenzen zwischen den Ländern Deutschland und Südkorea überwinden könnte.
6.1.1.1. Deutschland im Konflikt
Das Wissen in der Gesellschaft hat sich durch neue Technologien und Entwicklungen in der Medizin verändert. Nicht nur das Wissen in unserer Gesellschaft, sondern auch in fremden Kulturkreisen wie Südkorea. Das Wissen um die Grenze zum Beginn und Ende des Lebens wird immer uneindeutiger, es werden zum Beispiel neue Todeskriterien wie der Hirntod festgelegt. Doch wann beginnt das Leben? Diese Frage hat durchaus Einfluss auf den Stammzelldiskurs. Denn besonders diese undefinierbare Grenze löst das ethische Dilemma aus, in dem nicht nur Deutschland mit seinen strengen Regelungen zur Stammzell- und somit Embryonenforschung steckt, sondern auch das auf den ersten Blick so forschungsfreundliche Südkorea. Diese Frage ist eine Frage nach dem „Menschenbild“, das als Deutungsschema verstanden werden kann und dadurch je eigene Beschreibungen der Welt hervorbringt.
Es gibt verschiedene Sichtweisen über den Embryo, aus denen sich auch unterschiedliche Konsequenzen der ethischen Bewertung ableiten. Zum einen kann ein Embryo als Mensch oder wenigstens als potentieller Mensch angesehen werden, dem – nach deutscher Gesetzeslage - Schutz und Rechte zukommen. Es wäre ethisch eher bedenklich, ihn nur zum Zwecke der Forschung zu produzieren, um ihn dann zu vernichten. Wird ein Embryo zum anderen noch nicht als Mensch angesehen, werden Argumente für verbrauchende Embryonenforschung sagbar. Ab wann ein Embryo nun als Mensch anzusehen ist, ob vom Tag der Befruchtung oder nach einer bestimmten Tagesanzahl seiner Existenz, ist ein weiterer Punkt, dessen Grenzziehung sich als äußerst problematisch erweist.
Der deutsche Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, äußert sich zu diesem Thema in einer Pressemitteilung der Bundesärztekammer:
„Wir müssen den Machbarkeitswahn stoppen und schnellstmöglichst zu einem internationalen Klonverbot kommen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass Embryonen als Rohstofflieferanten gezüchtet werden. Wenn wir menschliches Leben in die Beliebigkeit kommerzieller Verwendung stellen, dann wird keine Ethik der Welt uns mehr retten. (...) Die Forscher dürfen sich nicht zu Herren über Leben und Tod menschlicher Embryonen machen. Menschliches Leben, auch im frühesten Stadium ob durch Befruchtung oder Klonierung entstanden, darf niemals zur Disposition gestellt werden“ (Bundesärztekammer 2004: DII_03).
1. Wirbel um Südkorea: Einführung in das Thema der Stammzellforschung anhand des Beispiels von Hwang Woo-suk und der daraus resultierenden weltweiten Debatte über ethische Chancen und Risiken.
2. Begriffsklärung: Definition zentraler Begriffe wie reproduktives vs. therapeutisches Klonen sowie die Unterscheidung zwischen embryonalen und adulten Stammzellen.
3. Chancen und Probleme der neuen Technologien: Diskussion über das Spannungsfeld zwischen der Hoffnung auf Heilung unheilbarer Krankheiten und der ethischen Problematik der Embryonenzerstörung.
4. Südkorea und Deutschland: ein Vergleich: Gegenüberstellung der wirtschaftlichen, politischen, gesetzlichen und religiösen Strukturen beider Länder, um den Hintergrund der jeweiligen Diskursführung zu beleuchten.
5. Theoretischer und methodischer Rahmen: Darstellung der theoretischen Ansätze (u.a. Kulturtheorien, Foucaults Diskurstheorie) und Erläuterung der angewandten Methode der qualitativen Inhalts- und Diskursanalyse.
6. Der Stammzelldiskurs: eine Frage der Ethik: Analyse der tatsächlichen Diskursentwicklung in den Jahren 2004 und 2005 anhand konkreter medialer Berichterstattung, gegliedert in nationale und internationale Perspektiven.
7. Kultur und Religion im Angesicht neuen Wissens: Fazit über die Rolle von Kultur und Religion als Deutungsschemata und Hindernisse für eine universelle Makroethik.
Stammzellforschung, Klonen, Bioethik, Makroethik, Deutschland, Südkorea, Kultur, Religion, Menschenbild, Diskursanalyse, Embryonenschutz, therapeutisches Klonen, Menschenwürde, globale Ethik, Hwang Woo-suk.
Die Arbeit untersucht den Stammzelldiskurs in Deutschland und Südkorea und beleuchtet, ob Kultur als Hindernis für die Entwicklung einer allgemein gültigen, globalen Bioethik (einer „Makroethik“) fungiert.
Die zentralen Felder sind die ethische Bewertung von Stammzell- und Embryonenforschung, der Vergleich nationaler Gesetzeslagen, der Einfluss religiöser Weltbilder sowie die Rolle von Kultur als Argumentationsstrategie im öffentlichen Diskurs.
Das Ziel ist es, die Funktion des Faktors Kultur im bioethischen Diskurs zu ergründen und zu analysieren, ob dieser die Konsensbildung zwischen unterschiedlichen Gesellschaften und Kulturen erschwert oder gar verhindert.
Es wird eine Kombination aus qualitativer Inhaltsanalyse zur Strukturierung des umfangreichen Textmaterials und anschließender Diskursanalyse nach Foucault verwendet, um die Bedeutung und Struktur der Debatten zu deuten.
Der Hauptteil analysiert die Berichterstattung in Printmedien aus beiden Ländern für die Jahre 2004 und 2005. Dabei werden Sprecherpositionen, Diskursstränge und die Rolle von Diskursereignissen (wie den Experimenten von Hwang Woo-suk) untersucht.
Wichtige Begriffe sind Stammzellforschung, Klonen, Bioethik, Makroethik, Menschenbild, Diskursanalyse sowie der Vergleich zwischen Deutschland und Südkorea im kulturellen Kontext.
Das „Menschenbild“ dient als Deutungsschema, durch das die Welt beobachtet wird. Es generiert Sprecher, die aus ihrer jeweiligen Position heraus entscheiden, ob Forschung ethisch oder unethisch ist, und verleiht ihren Argumenten Authentizität.
Diese Trennung dient als notwendiges Hilfsmittel, um überhaupt eine ethische Debatte führen zu können. Sie ermöglicht es, das therapeutische Klonen als „ethisch vertretbar“ darzustellen, während das reproduktive Klonen als „unethisches Negativ“ zur klaren Abgrenzung dient.
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