Bachelorarbeit, 2007
44 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung: Das Schicksal Geschlecht?
2 Grundlagen
2.1 Methodologisches
2.1.1 Macht und Diskurs
2.1.2 Wissen und Wahrheit
2.2 Theoretisches
2.2.1 Identität und Körper
2.2.2 Sex und gender
3 Körperlichkeit
3.1 Performanz und kulturelle Einschreibung
3.2 Der Körper als verallgemeinerte Voraussetzung?
3.3 Die heterosexuelle Matrix
4 Normalität und Subversion
4.1 Normalität
4.2 Subversion
5 Subversion der Körperlichkeit
5.1 Intelligibilität und Performanz
5.2 Die Subversion der heteronormativen Matrix
5.3 Effekte der Parodie
6 Jenseits von sex und gender?
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage poststrukturalistischer Theorien, ob und wie Geschlechtsidentitäten und Körper gesellschaftlich geformt werden. Dabei wird hinterfragt, ob das als "natürlich" verstandene Geschlecht lediglich ein diskursives Konstrukt ist und ob jenseits binärer heterosexueller Strukturen Möglichkeiten der Subversion bestehen.
3.2 Der Körper als verallgemeinerte Voraussetzung?
„Eine Identität existiert nur innerhalb [eines] Codes, der selten ausdrücklich thematisiert wird.“73 Dieser Code stellt mit der Symbolik der asymmetrischen Hierarchie der bipolaren Geschlechtlichkeit den ordnenden Rahmen. Er muss dabei nicht einmal thematisiert zu werden, da jener erste Blick ausreicht, um zu erkennen, welches Geschlecht das Wesen gegenüber hat. Auch wenn nur die Illokution selbst die Geschlechtlichkeit entstehen lässt und den Körper prägt, ist sie dennoch vorhanden. Es scheint, dass wir alle in den Machtverhältnissen verortet sind und diese unmöglich überwinden können. Die „gender specific attributes”74 sind Resultate von Verinnerlichungen, aber sie sind sichtbar.
Mit der scheinbaren körperlichen Differenz wird die fabrication der idealtypischen Darstellung der schwachen, emotionalen und passiven Frau sowie des starken, rationalen und aktiven Mannes gerechtfertigt.75 Zwei gegensätzliche Gruppen werden gebildet, an deren Erklärung Wissenschaftler_innen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts arbeiten.
Der Kopf einer Frau etwa wurde bei anatomischen Studien im Verhältnis zum Körper klein dargestellt, um das Konstrukt der niedrigen Intelligenz der Frauen zu bestätigen. Diese Studien betrachteten im Wesentlichen das Becken, dass bei Frauen dem damaligen Schönheitsideal entsprechend als sehr viel breiter beschrieben wurde. Weiter wurde aber ebenso der gesamte Knochenbau, als sehr viel filigraner und zierlicher, als es bei den Männern der Fall sei, vorgeführt.76 „Als zentrale Indikatoren der menschlichen Entwicklung galten Schädel und Becken.“77 Die Basis der Messung war der männliche Körper und die Frau wurde mit ihm verglichen und zwar nur auf eine Art und Weise, die garantierte, dass die Vorherrschaftsstellung des Mannes nicht gefährdet werden konnte.
1 Einleitung: Das Schicksal Geschlecht?: Einführung in die Forschungsfrage zur Konstruktion von Geschlecht und Identität unter Einbezug von Foucault und Butler.
2 Grundlagen: Darstellung der methodologischen Basis durch Diskursanalyse und Machttheorien sowie theoretische Einordnung von Identität, Körper und dem Begriffspaar Sex/Gender.
3 Körperlichkeit: Analyse des Körpers als diskursiv geformtes Produkt und kritische Auseinandersetzung mit der heterosexuellen Matrix.
4 Normalität und Subversion: Theoretische Herleitung von Normalisierungsmechanismen und dem Konzept der Subversion als Widerstand gegen diskursive Zwänge.
5 Subversion der Körperlichkeit: Anwendung der theoretischen Konzepte auf die Möglichkeit der Subversion von Körperbildern durch Performanz und Parodie.
6 Jenseits von sex und gender?: Abschließende Diskussion der Ergebnisse und Reflexion über die Möglichkeiten eines nicht-heteronormativen Denkens.
Geschlecht, Poststrukturalismus, Diskursanalyse, Identität, Körperlichkeit, Judith Butler, Michel Foucault, Heteronormativität, Performanz, Subversion, Macht, Dekonstruktion, Heterosexuelle Matrix, Differenz, Biologie
Die Arbeit untersucht kritisch die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht und Identität und hinterfragt deren vermeintliche biologische Natürlichkeit.
Im Zentrum stehen die Machtstrukturen in Diskursen, die Performativität von Geschlechtsidentität sowie die Funktionsweise der heterosexuellen Matrix.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Geschlechtsidentitäten und Körper geformt werden und ob jenseits der heteronormativen Strukturen Möglichkeiten für subversives Handeln existieren.
Die Analyse stützt sich maßgeblich auf die Diskursanalyse von Michel Foucault sowie die Gender-Theorien von Judith Butler und Jacques Derrida.
Der Hauptteil analysiert die Konstruktion von Körperlichkeit, die Entstehung gesellschaftlicher Normalität sowie Strategien der Subversion, wie etwa durch parodistische Praktiken.
Wichtige Begriffe sind neben Geschlecht und Identität vor allem Performanz, Machtbeziehungen, Diskurs, Subversion und das Konzept der heterosexuellen Matrix.
Anatomische Studien werden als Beispiele dafür angeführt, wie Wissenschaft zur Legitimation gesellschaftlicher Ungleichheit und zur Festschreibung binärer Geschlechterbilder instrumentalisiert wurde.
Das binäre Denken gilt als Grundlage der westlichen Gesellschaften, die eine zwangsheterosexuelle Basis erzwingt und jegliche Abweichung als pathologisch markiert.
Subversion beschreibt hier das Unterlaufen oder Umstürzen der bestehenden Normalitätsvorstellungen durch eine variierte Wiederholung performativer Akte, die die Konstruiertheit des Geschlechts offenlegt.
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