Wissenschaftlicher Aufsatz, 2005
22 Seiten
1 Einleitung
2 Verheißenes Land im Westen
3 Exzeptionalismus
4 Erfolgsmythos
5 Religion
6 Demokratie und Individualismus
7 Freies Land
8 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, indem sie die prägenden Gründungsmythen analysiert, die das amerikanische Selbstverständnis, das Denken und Handeln bis heute maßgeblich formen.
3 Exzeptionalismus
Die ersten Siedler in Nordamerika waren Puritaner, britische Protestanten, deren Ziel es war, die Anglikanische Kirche vom, wie sie es nannten, katholischen Pomp zu befreien. Ihre Forderungen gingen den Herrschenden jedoch zu weit und viele von ihnen mussten oder wollten daher das Land verlassen. Diejenigen Puritaner, die nach Amerika auswanderten, nannten sich „Pilgrims“, Pilger. Die erste größere Gruppe von ihnen erreichte unter der Führung von John Winthrop im Jahr 1630 mit dem Schiff Mayflower die Umgebung von Boston. Sie erwarteten ein hartes Leben in der Neuen Welt, hatten aber die starke Überzeugung, dass sie mit der Hilfe ihres Glaubens und mit Gottes Wohlwollen alle Herausforderungen und Gefahren meistern würden.
Aus der Rede, „A Modell of Christian Charity“ – Ein Modell christlicher Barmherzigkeit, die John Winthrop kurz vor Ankunft in der Neuen Welt verfasste, wird klar, dass sich die Puritaner als auserwähltes Volk sahen. Winthrop stellt den Weggang der Gruppe dem Auszug der Juden aus der ägyptischen Gefangenschaft gleich. Er übernimmt zudem das biblisches Bild von der Stadt auf einem Hügel („city upon a hill“) und stellt Amerika als das neue Jerusalem dar, das eine Vorbildfunktion sowohl in welthistorischer als auch im direkten internationalen Vergleich der damaligen Zeit übernehmen sollte. Amerika wurde so zum Symbol und Versprechen der Befreiung von europäischer Feudal-Herrschaft und religiöser Unterdrückung.
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Identität als kulturelles Konstrukt und stellt die Forschungsfrage nach den psycho-historischen Unterschieden zwischen der deutschen und US-amerikanischen Kultur.
2 Verheißenes Land im Westen: Dieses Kapitel erläutert die historische und biblische Deutung Amerikas als Paradies im Westen und wie diese Vorstellung die frühe Besiedlung legitimierte.
3 Exzeptionalismus: Hier wird der puritanische Glaube an ein auserwähltes Volk und die Vorbildrolle Amerikas als "Stadt auf einem Hügel" als Ursprung des amerikanischen Selbstverständnisses analysiert.
4 Erfolgsmythos: Das Kapitel untersucht den "Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär"-Mythos und die Verhaltensethik eines Benjamin Franklin als Grundlage für das amerikanische Leistungsstreben.
5 Religion: Es wird dargelegt, wie puritanische Grundkonzepte und der protestantische Glaube die heutige amerikanische Arbeitsmoral und das Verständnis der individuellen Verantwortung prägen.
6 Demokratie und Individualismus: Dieses Kapitel analysiert die politischen Konflikte der Kolonialzeit und wie diese den Grundstein für die Betonung individueller Rechte und persönlicher Freiheit legten.
7 Freies Land: Der Begriff der "frontier" wird hier als zentrales Element für die geographische und soziale Mobilität sowie als Symbol für das Überschreiten von Grenzen interpretiert.
8 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gründungsmythen eine bindende Kraft darstellen, die das amerikanische Handeln in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nachhaltig steuern.
Kulturvergleich, Identität, USA, Deutschland, Mythen, Exzeptionalismus, Erfolgsmythos, Puritanismus, frontier, Individualismus, Selbstbild, Geschichte, Werte, Gesellschaft, Fortschritt
Die Arbeit analysiert die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, insbesondere die Frage, warum Amerikaner anders "ticken", indem sie die zentralen historischen und sozialen Gründungsmythen der Vereinigten Staaten betrachtet.
Die zentralen Themen sind die Rolle von Mythen als kollektive Selbstinterpretation, religiöse Einflüsse, das Streben nach Erfolg, der Individualismus sowie das geographische und symbolische Konzept der "frontier".
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche psycho-historische Dispositionen dazu führen, dass Deutsche und Amerikaner trotz ihrer gemeinsamen westlichen Wurzeln grundsätzlich anders denken, fühlen und handeln.
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, bei der historische und ideengeschichtliche Mythen (wie der "Amerikanische Traum" oder die "frontier") als Kommunikationssysteme interpretiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kapitel, die spezifische Aspekte wie den puritanischen Glauben, die Entstehung der Unabhängigkeit, den Erfolgsmythos um Benjamin Franklin und die Bedeutung der Weite des Landes analysieren.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Identität, Exzeptionalismus, Erfolgsmythos, Individualismus, frontier, puritanische Arbeitsethik und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Die "frontier" fungiert nicht nur als geographische Grenze, sondern als symbolischer Ort, der individuelle Wiedergeburt und Fortschritt ermöglicht und den Pioniergeist bis heute in die moderne Gesellschaft überträgt.
Während in den USA ein betonter Individualismus, der auf dem persönlichen Streben nach Glück basiert, die Kultur trägt, ist Deutschland laut der Analyse stärker gemeinschafts- und sicherheitsorientiert.
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