Diplomarbeit, 2001
164 Seiten, Note: gut
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
2. Nationalsozialismus: Ursprung und Ideologie
2.1 Die geistigen Ursprünge
2.1.1 Antislawismus
2.1.2 Der Blick nach Osten
2.1.3 Antisemitismus
2.2 Die Formierung der Bewegung
2.3 Nationalsozialistische „Rassenwissenschaft“
2.4 Die Entwicklung nach 1933
3. Der Griff nach Osteuropa
3.1 Pläne für eine neue deutsche Ordnung
3.1.1 Vorbereitung auf die wirtschaftliche Expansion
3.1.2 Deutsche Ostforschung: „Überbevölkerung“ und „Judenfrage“
3.1.3 Antisemitismus in Polen
3.1.4 Bevölkerungsökonomie
3.1.5 Das Bevölkerungsoptimum
3.1.6 Von der Auswanderung zur „Ordnungsumsiedlung“
3.2 Verwaltung besetzter Gebiete
3.2.1 Die Vorbereitung der Verwaltung
3.2.2 Die Ausführung endet im „Chaos“
3.2.3 Die SS auf dem Vormarsch
3.3 Der Generalplan Ost
Exkurs: Wer waren die Mörder?
Die Ordnungspolizei
Diskussion und Analyse
4. Okkupation und Besatzung
4.1 Polen
4.1.1 Pläne vor dem Krieg
4.1.1.1 Polizei und SS
4.1.1.2 Die Ziele der Okkupanten
4.1.2 Die Besetzung Polens
4.1.2.1 Verwaltung der besetzten Gebiete
4.1.2.1.1 Militärverwaltung
4.1.2.1.2 Zivilverwaltung
4.1.2.1.3 SS- und Polizeiapparat
4.1.3 Die deutsche Wirtschaftspolitik in Polen
4.1.3.1 Die annektierten Gebiete
4.1.3.1.1 Wirtschaftspolitik
4.1.3.1.2 Deutsche Übernahme
4.1.3.2 Das Generalgouvernement
4.1.3.2.1 Ausplünderung oder Ausbeutung
4.1.4 Vernichtungspolitik in Polen
4.1.4.1 Terrorinstrumente
4.1.4.2 Justiz
4.1.4.3 Wehrmacht
4.1.4.4 SS und Polizei
4.1.4.5 Vernichtungsplan und –aktion
4.1.4.6 Gezielte Aktionen
4.1.4.7 Zweifel bei der Wehrmacht?
4.1.4.8 Das Morden geht weiter
4.1.4.9 Vernichtung der Juden
4.2 Sowjetunion
4.2.1 Kriegs- und Vernichtungspläne gegen die SU
4.2.1.1 Der Hungerplan
4.2.1.2 Die Planungen für die Einsatzgruppen
4.2.2 Besetzung SU
4.2.2.1 Verwaltung der besetzten Gebiete
4.2.2.1.1 Militärverwaltung
4.2.2.1.2 Zivilverwaltung
4.2.2.1.3 Der SS- und Polizeiapparat
4.2.3 Die deutsche Wirtschaftspolitik in der Sowjetunion
4.2.3.1 Missachtung ökonomischer Faktoren
4.2.3.2 Wirtschaftliche Ausbeutung
4.2.3.2.1 Erste Pläne
4.2.3.2.2 Intensivierung der wirtschaftlichen Ausraubung
4.2.4 Vernichtungspolitik in der Sowjetunion
4.2.4.1 Die Vernichtung der Juden
4.2.4.1.1 Die Endlösung
4.2.4.2 Die Vernichtung sowjetischer Kriegsgefangener
4.2.4.3 Weitere Opfer der deutschen Vernichtungspolitik
5. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und der deutschen Wirtschaftspolitik in Polen und der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern ideologische Ziele und ökonomische Notwendigkeiten die Besatzungspolitik und die damit verbundene Ingangsetzung von Massenverbrechen beeinflussten und beschleunigten.
3.1 Pläne für eine neue deutsche Ordnung
Seit Beginn der NS-Herrschaft arbeiteten Wirtschaftsfachleute nicht nur an der „Entjudung“ und Rationalisierung der deutschen Wirtschaft, sondern an einer an Deutschland angelehnten Wirtschaftsordnung Europas. Unter der Parole „Neuordnung“ wurden Pläne entworfen, um die wirtschaftliche Vormachtstellung Englands und Frankreichs zu brechen. Es ging darum, die Ergebnisse des Ersten Weltkrieges auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu revidieren.
Exemplarisch dafür sind die Arbeiten und Vorstellungen Anton Reithingers. Reithinger war Osteuropaexperte und Chef der Volkswirtschaftlichen Abteilung (Vowi) der I.G. Farben. Die „Vowi“ war die größte Abteilung der I.G.-Farben-Zentrale in Berlin. Dort wurden – weit über die unmittelbaren Interessen eines Chemiekonzerns hinaus – alle sozialen, politischen und ökonomischen Informationen gesammelt, die für die wirtschaftliche und politische Beherrschung anderer Länder von Bedeutung sein könnten. Die Daten und Berichte waren für deutsche Ministerien und Forschungsinstitute von kaum zu überschätzendem Wert. Reithingers Abteilung fungierte spätestens von Kriegsbeginn an als eine Mischung aus Spionage- und politischer Informationszentrale, die sowohl den Konzerninteressen als auch verschiedenen Behörden und der Wehrmacht diente.
1932 hatte Reithinger im Auftrag der I.G. Farben Polen bereist und dort ebenfalls „Überbevölkerung“, mangelnde landwirtschaftliche Produktivität und mangelnde Kaufkraft festgestellt. In dem Bericht, den die Volkswirtschaftliche Abteilung dann 1938 über Polen erstellte, wurde im Kern ebenfalls bevölkerungspolitisch argumentiert. Die polnische Bevölkerung sei innerhalb von 17 Jahren um 27 Prozent gewachsen.
Jahrelang wiesen deutsche Planer dem „überbevölkerten“ und „unterentwickelten“ Polen mit Gewalt eine wichtige Rolle in den Konzepten für eine Neuordnung Europas zu. Von der Modernisierung und Rationalisierung der polnischen Wirtschaft, ihrer Anpassung an die Interessen des deutschen Kapitals, dem Ausbau der Verkehrswege, vor allem aber von der Beseitigung der agrarischen Überbevölkerung hing aus deutscher Sicht der Erfolg einer Großraumwirtschaft ab.
Für kein anderes Land im besetzten Europa entwickelten die Deutschen derartig radikale, auf Massenvertreibungen und Massenmord ausgerichtete Umgestaltungspläne.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Zweiten Weltkrieg als Doppelcharakter aus militärischem Feldzug und rassenideologischem Vernichtungskrieg und legt die zentralen Fragestellungen der Arbeit dar.
2. Nationalsozialismus: Ursprung und Ideologie: Dieses Kapitel analysiert die ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus, wie Sozialdarwinismus, Antisemitismus und Antislawismus, sowie deren Entstehung und Verbreitung im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
3. Der Griff nach Osteuropa: Hier werden die wirtschaftlichen Expansionspläne, die Rolle der Ostforschung und die theoretischen Konzepte hinter der angestrebten „Neuordnung“ Europas sowie die Verwaltung der besetzten Gebiete thematisiert.
4. Okkupation und Besatzung: Dieses umfangreiche Kapitel beschreibt die konkrete Besatzungs- und Vernichtungspolitik in Polen und der Sowjetunion, inklusive der Rolle der Wehrmacht, der SS und der Polizei bei der Umsetzung von Terror und Massenmord.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont das Zusammenspiel von ideologischen Zielen und ökonomischen Kalkülen bei der Radikalisierung der nationalsozialistischen Verbrechen.
Nationalsozialismus, Vernichtungspolitik, Osteuropa, Besatzung, Wirtschaftspolitik, Ideologie, Antisemitismus, Generalplan Ost, Massenmord, Hungerplan, Zweiter Weltkrieg, Rassenpolitik, Zivilverwaltung, Partisanenbekämpfung, Kollaboration.
Die Diplomarbeit beleuchtet die nationalsozialistische Besatzungs- und Vernichtungspolitik in Polen und der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs, wobei ein Fokus auf den Verflechtungen von ideologischen Motiven und wirtschaftlichen Interessen liegt.
Zentrale Themen sind die ideologischen Grundlagen des NS-Regimes, die wirtschaftliche Expansion nach Osten, die konkrete Umsetzung von Terror- und Mordprogrammen durch deutsche Institutionen sowie die Rolle der beteiligten Akteure.
Das Ziel ist es, einen zusammenfassenden Überblick über die deutsche Besatzungspolitik zu geben und aufzuzeigen, wie ökonomische und ideologische Faktoren die Verbrechen des NS-Regimes beeinflussten.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden Analyse und Auswertung umfangreicher Sekundärliteratur, um die komplexen Zusammenhänge der Zeitperiode wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die ideologischen Ursprünge des Nationalsozialismus, die konkreten Pläne für Osteuropa (einschließlich des Generalplans Ost), sowie eine detaillierte Untersuchung der Besatzung und der Vernichtungsprogramme in Polen und der UdSSR.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Vernichtungspolitik, Ostforschung, Hungerplan, Massenmord und Besatzungsrealität charakterisiert.
Die deutsche Ostforschung lieferte die pseudowissenschaftliche Legitimation, indem sie Polen als „überbevölkert“ und „kulturarm“ darstellte und somit „nützliche“ von „unnützen“ Bevölkerungsteilen unterschied, was die spätere Vernichtungspolitik ideologisch unterfütterte.
Der Autor greift die Debatte um Täter-Biografien auf, stellt sie in den Kontext der Organisationen (wie Polizeibataillone) und weist darauf hin, dass neben dem Antisemitismus auch Opportunismus und institutionelle Zwänge entscheidende Faktoren für die Beteiligung am Morden waren.
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