Magisterarbeit, 2006
87 Seiten, Note: 16 Punkte/sehr gut
I. Introduktion
II. Medizinische Aspekte der allogenen Organtransplantation
1. Spendereignung und potentielles Spenderaufkommen
2. Lebendspende - das Verfahren der Wahl?
3. Transplantation und Indikation zur Transplantation
der einzelnen Organe im Überblick
a. Nierentransplantation
b. Herztransplantation
c. Lebertransplantation
d. Lungentransplantation
e. Transplantation von Bauchspeicheldrüse und Inselzellen
4. Transplantationsmedizin, Transplantatabstoßung und Immunbiologie ein Überblick
5. Ciclosporin, die immunpharmakologische Zeitenwende in der Transplantationsmedizin
III. Rechtliche Aspekte der Organtransplantation
1. Die Lebendspende im Lichte des Strafrechts
a. Grundsätzliche Subsidiarität der Lebendspende
b. Beschränkung des Spenderkreises nach § 8 Abs. 1 S. 2 TPG
aa. Gesetzgeberische Motive und Lebersegmentspende
bb. Empfängerprofil und Überkreuzspende
cc. Strafbarkeit und Ergebnis
2. Das Verbot des Organhandels nach §§ 17 und 18 TPG
a. Tatbestand und Umfang des Verbotes
b. Die Überkreuzspende im Lichte des Organhandelsverbotes
c. Reflexionen, Ergebnis und Kritik
3. Die Verteilung vorhandener Organe im Lichte des Rechts
a. Die Regelungen des Transplantationsgesetzes im Überblick
b. Reflexionen und Kritik
4. Die Regelungen der postmortalen Organentnahme
a. Organentnahme mit Einwilligung des Spenders
b. Organentnahme mit Zustimmung Dritter
c. Fehlende Organe - eine regelinduzierte Knappheit?
aa. Widerspruchslösung
bb. Enge und erweiterte Zustimmungslösung
cc. Informationslösung
dd. Modellvergleich im Hinblick auf deren Fähigkeit zur Generierung einer ausreichenden Versorgung mit Organtransplantaten
ee. Die kontemporäre Ausgestaltung der Widerspruchslösung in Europa - ein „unehrliches“ Modell?
IV. Notwendigkeit einer höheren Organverfügbarkeit
V. Änderungen des Transplantationsgesetzes (TPG) - Voraussetzung für neue Spendermodelle und ein höheres Aufkommen an Organtransplantaten
1. Ausweitung des Spenderkreises und Überkreuzspende
2. Aufhebung des Organhandelsverbotes nach §§ 17, 18 TPG
VI. Möglichkeiten zur Steigerung der Organverfügbarkeit
1. Aufklärungskampagnen
2. Anreizmodelle
a. Reziprozitätslösungen
b. Das Modell der belohnten Lebendspende
c. „Spanisches Modell“, Meldepflicht und Organisation
3. Markt und Organhandel
a. Marktliche Ausgestaltung der Lebendspende
b. Marktliche Ausgestaltung der postmortalen Organspende
aa. Modell von Richard Schwindt und Aden R. Vining
bb. Rabattmodell nach Henry Hansmann
cc. Modell nach Lloyd. R. Cohen
c. Reflexionen, Folgenbeurteilung der Aufhebung und mögliche Rechtfertigung des Verbots der Monetarisierung der Organspende
aa. Kategorischer Argumentationstyp
bb. Gesellschaftspolitischer Argumentationstyp
cc. Negative Externalitäten
dd. Asymmetrische Informationsverteilung
VII. Konklusion
Die Arbeit analysiert die Problematik der Knappheit von Organtransplantaten durch eine ethische, rechtliche und ökonomische Untersuchung. Ziel ist es, Lösungsansätze zu evaluieren, die eine Steigerung des Spenderaufkommens ermöglichen, ohne dabei grundlegende moralische oder rechtliche Standards zu verletzen.
1. Spendereignung und potentielles Spenderaufkommen
Um als postmortaler Organspender überhaupt in Betracht zu kommen, ist es Voraussetzung, dass der Tod des potentiellen Donors infolge einer durch eine zerebrale Hämorrhagie oder einer durch eine schwere Kopfverletzung verursachten mangelnden Durchblutung des Gehirns eintritt. Synchron zum Todeseintritt muss der Versterbende einer intensivstationären Behandlung zur Aufrechterhaltung seines Körperkreislaufes unterzogen werden, als dessen Organe nur dann als Transplantate Verwendung finden können.
Zwar ist der Anteil der Verstorbenen, deren Todesursache traumatisch bedingt ist und die als Spender in dem Sinne geeignet sind, dass diese obige Kriterien erfüllen, infolge verbesserter Schutzsysteme, insbesondere in Kraftfahrzeugen, weiter rückläufig, so versterben weniger als 1 % eines solchen Hirntodes und kommen damit als postmortale Organspender in Betracht, doch könnte diese Anzahl der theoretisch geeigneten Spender immer noch nahezu den doppelten jährlichen Organbedarf der Bundesrepublik decken.
I. Introduktion: Diese Einleitung beschreibt die aktuelle moralische Krise der Gesellschaft im Umgang mit modernen medizinischen Möglichkeiten und die daraus resultierenden ethischen Konflikte für Ärzte bei der Organtransplantation.
II. Medizinische Aspekte der allogenen Organtransplantation: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Arten der Transplantation, die medizinischen Hürden wie die Immunabstoßung und die historische Entwicklung durch immunpharmakologische Fortschritte wie die Entdeckung von Ciclosporin.
III. Rechtliche Aspekte der Organtransplantation: Es erfolgt eine detaillierte Analyse des Transplantationsgesetzes, insbesondere hinsichtlich der Lebendspende, des Organhandelsverbots und der verschiedenen Zustimmungsmodelle zur Organentnahme.
IV. Notwendigkeit einer höheren Organverfügbarkeit: Hier wird der limitierende Faktor der Transplantatknappheit verdeutlicht, der jährlich zahlreiche Todesfälle zur Folge hat und die Grenzen aktueller Ersatztherapien wie der Dialyse aufzeigt.
V. Änderungen des Transplantationsgesetzes (TPG) - Voraussetzung für neue Spendermodelle und ein höheres Aufkommen an Organtransplantaten: Dieses Kapitel diskutiert die ethische und rechtliche Zulässigkeit einer Ausweitung des Spenderkreises und der Aufhebung des Organhandelsverbots.
VI. Möglichkeiten zur Steigerung der Organverfügbarkeit: Es werden Strategien wie Aufklärungskampagnen, Anreizmodelle, das „Spanische Modell“ sowie marktliche Lösungsansätze und deren Konsequenzen wie negative Externalitäten oder Informationsasymmetrien untersucht.
VII. Konklusion: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die Organknappheit zwar tragisch, aber nicht unvermeidbar ist, und plädiert für die Implementierung neuer Anreizmodelle unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen und ethischen Rahmenbedingungen.
Organtransplantation, Transplantationsgesetz, Lebendspende, Postmortale Spende, Organmangel, Transplantatknappheit, Organhandel, Zustimmungsmodell, Widerspruchslösung, Reziprozitätslösung, Immunsuppression, Ciclosporin, Ethik, Menschenwürde, Allokation.
Die Arbeit befasst sich mit der problematischen Knappheit an Organtransplantaten und untersucht, welche Möglichkeiten existieren, dieses Defizit unter ethischen, rechtlichen und ökonomischen Gesichtspunkten zu beheben.
Die zentralen Felder sind die medizinischen Grundlagen der Transplantation, die rechtlichen Regelungen im Transplantationsgesetz, ethische Argumentationsmodelle zur Organspende und ökonomische Ansätze zur Steigerung der Verfügbarkeit.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Knappheit an Organen nicht naturgegeben ist, sondern durch politische und strukturelle Anpassungen – unter strikter Wahrung ethischer Grenzen – positiv beeinflusst werden kann.
Der Autor stützt sich auf eine juristische und ethische Analyse unter Einbeziehung ökonomischer Theorien, um die Wirksamkeit bestehender Regelungen und möglicher Alternativmodelle zu bewerten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine medizinische Bestandsaufnahme, eine tiefgehende juristische Analyse des TPG (inklusive Lebendspende- und Organhandelsverbote) und die Evaluierung verschiedener Anreizmodelle zur Verbesserung des Spenderaufkommens.
Wichtige Begriffe sind Organtransplantation, Transplantationsgesetz, Lebendspende, Organhandel, Zustimmungsmodell, Allokation und ethische Menschenwürde.
Das spanische Modell wird als organisatorischer Ansatz hervorgehoben, der durch gezielte Identifikation von Spendern in Krankenhäusern und entsprechende finanzielle Ausstattung der Kliniken das Spenderaufkommen effizienter gestaltet.
Die Überkreuzspende wird kritisch betrachtet, da sie rechtlich als möglicher Verstoß gegen das Verbot des Organhandels ausgelegt werden könnte, sofern sie als „Naturalientausch“ oder Tauschgeschäft unter Leistung und Gegenleistung gewertet wird.
Die Reziprozitätslösung bietet einen Ansatz, bei dem die eigene Bereitschaft zur postmortalen Spende die Priorität auf der Warteliste für ein eigenes Spenderorgan erhöht, was ohne direkte finanzielle Transaktionen zu einer fairen Anreizstruktur führen könnte.
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