Examensarbeit, 2008
85 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Kontexte Internationaler Schulbuchforschung
2.1 Geschichtsbewusstsein als Determinante individueller und kollektiver Identität
2.2 Das Schulgeschichtsbuch als Transportmedium der Meistererzählung der Gesellschaft
2.3 Historische Entwicklung und Aufgabe der internationalen Schulbuchforschung
3. Probleme internationaler Schulbuchforschung
3.1 Die mediendidaktische Problemdimension - Das Schulbuch als Auslaufmodell?
3.1.1 Geschichtskultur, neue Medien und das Schulbuch
3.1.2 Studien zur Schulbuchbenutzung
3.2 Die politische und wirtschaftliche Problemdimension
3.2.1 Staatliche Vorgaben und Zulassungsverfahren
3.2.2 Schulbuchkritik der Öffentlichkeit
3.2.3 Ökonomische Zwänge der Verlage
3.3 Die methodologische Problemdimension
3.3.1 Auswahl des Untersuchungsgegenstandes
3.3.2 Analyseverfahren
3.3.3 Definierung von Analysekategorien
3.3.4 Interdisziplinäres Arbeiten
3.3.5 Organisation der Forschungsarbeit
4. Beispiele internationaler Schulbuchforschung
4.1 Die deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen von 1976
4.1.1 Die historisch-didaktische Problemlage
4.1.2 Bildung und Arbeit der deutsch-polnischen Schulbuchkommission
4.1.3 Der Inhalt der deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen
4.1.4 Aufnahme und Umsetzungen der Empfehlungen in Deutschland
4.2 Internationale Schulbuchforschung im Nahostkonflikt
4.2.1 Israel und Palästina - Eine Geschichte, zwei Identitäten
4.2.2 Problematische Darstellungen in Schulbüchern beider Nationen vor dem Hintergrund der nationalen Curriculumsentwicklung
4.2.3 Israelisch-palästinensische Schulbucharbeit - Beispiel eines neuen Arbeitsparadigmas der internationalen Schulbuchforschung?
5. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Aufgaben und Herausforderungen der internationalen Schulbuchforschung mit einem Fokus auf geschichtsdidaktische Prozesse. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Schulbücher als Medien der Identitätsbildung und Meistererzählungen fungieren, welchen Problemen sie in einer sich wandelnden Medienlandschaft gegenüberstehen und wie internationale Kooperationen durch Schulbuchrevisionen einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten können.
3.1.1 Geschichtskultur, neue Medien und das Schulbuch
Außerhalb des Schulunterrichts hat vor allem der Einfluss der Massenmedien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend zur Veränderung der Geschichtskultur beigetragen. Neben der wachsenden Anzahl an Zeitschriften und Magazinen war es vor allem das Fernsehen, das im Nachkriegsdeutschland einen Siegeszug feierte. Aus erst einem und später drei Programmen wurden im Laufe der Jahre mehr als 30 Programme, die mit verschiedenen Angeboten um die Gunst der Zuschauer buhlen und zu diesem Zweck immer neue Entwicklungen hervorbrachten. Zu diesen neuen Entwicklungen gehörte auch das Infotainment, das (zumindest im Hinblick auf die erreichten Quoten) erfolgreich Unterhaltung und Information miteinander verbindet und sich dabei auch häufig geschichtlichen Themen zuwendet. Prominentes Beispiel für diesen Trend sind die Sendungen des Historikers Guido Knopp, die zwar einen hohen Unterhaltungs- und auch Informationswert haben, gleichzeitig aber auch dazu tendieren, Geschichte aus sehr subjektiven Perspektiven darzustellen, genau wie viele andere Fernsehsendungen und Spielfilme auch.
Hans-Jürgen Pandel spricht von der Entwicklung einer eigenständigen Geschichtskultur seit den 80er-Jahren, „deren Kennzeichen eine alltagsweltliche Präsenz von Geschichte“32 ist, deren Impulsgeber aber gleichzeitig nicht die Geschichtswissenschaft ist. Ausdruck findet diese eigenständige Geschichtskultur neben dem Fernsehen auch in der Belletristik, der bildenden Kunst, Theaterstücken, Ausstellungen und Festen. Angesichts der Fülle der verschiedenen Angebote und ihrer Omnipräsenz kann ohne größere Bedenken die Behauptung aufgestellt werden, dass das Geschichtsbewusstsein der Jugendlichen heute nicht mehr primär durch Unterricht und Schulbuch, sondern durch außerschulische Angebote geprägt wird. Das Schulbuch verliert damit seine „Deutungshoheit“ in historischen Fragen, die es vorher innehatte.33
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Schulbuchs als Medium gesellschaftlicher Identitätskonstruktion ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, Aufgaben und Probleme der internationalen Schulbuchforschung anhand von Fallbeispielen zu diskutieren.
2. Kontexte Internationaler Schulbuchforschung: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Geschichtsbewusstseins und die Funktion des Schulbuchs als Transportmedium staatlicher Meistererzählungen sowie die historische Genese der Forschungsdisziplin.
3. Probleme internationaler Schulbuchforschung: Hier werden die didaktischen, politisch-ökonomischen und methodologischen Dimensionen analysiert, die die Schulbuchforschung heute vor Herausforderungen stellen, insbesondere in Bezug auf den Medienwandel und staatliche Zulassungsverfahren.
4. Beispiele internationaler Schulbuchforschung: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand der deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen sowie der Forschung zum Nahostkonflikt, wie Schulbuchrevisionen in unterschiedlichen politischen Kontexten praktisch umgesetzt werden können.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die identifizierten Probleme der Schulbuchforschung zugleich als Motor für notwendige methodische Anpassungen und eine zukunftsorientierte Friedensarbeit dienen können.
Internationale Schulbuchforschung, Geschichtsbewusstsein, Meistererzählung, Schulbuchanalyse, Mediendidaktik, Völkerverständigung, Geschichtsdidaktik, deutsch-polnische Schulbuchkommission, Nahostkonflikt, Schulbuchzulassung, Identitätsentwicklung, politische Bildung, Multiperspektivität, Friedenssicherung, Georg-Eckert-Institut.
Die Arbeit analysiert die internationale Schulbuchforschung als wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Analyse und Revision von Schulbüchern befasst, um Vorurteile abzubauen und zur Völkerverständigung beizutragen.
Die zentralen Felder umfassen die Rolle von Geschichtsbewusstsein und Identität, die mediendidaktische Problematik im digitalen Zeitalter, politische Einflussnahme durch staatliche Zulassungsverfahren sowie ökonomische Zwänge der Verlage.
Ziel ist es, die Aufgaben und Probleme der Forschung darzustellen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Kontexte die Entwicklung und Umsetzung von Schulbuchrevisionen beeinflussen.
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, der auf der Literaturrecherche und der kritischen Reflexion wissenschaftlicher Debatten basiert, um verschiedene methodische Zugänge zur Schulbuchanalyse (deskriptiv, quantitativ, qualitativ) gegenüberzustellen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Kontextualisierungen, die systematische Darstellung von Problemfeldern der Forschung (didaktisch, politisch, methodologisch) und eine detaillierte Betrachtung zweier prominenter Fallbeispiele.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Schulbuchrevision, Meistererzählung, Geschichtskultur, internationale Kooperation und Friedenssicherung.
Das Georg-Eckert-Institut fungiert als weltweit führendes Zentrum der internationalen Schulbuchforschung, das Forschung koordiniert, Publikationen herausgibt und als neutrale Vermittlungsinstanz bei internationalen Schulbuchprojekten dient.
Während die deutsch-polnische Zusammenarbeit auf staatlich legitimierten bilateralen Kommissionen basierte, erfolgt die Forschung im Nahostkonflikt aufgrund der politischen Spannungen primär durch zivilgesellschaftliche Initiativen und Forschungsgruppen auf einer weniger formalisierten Ebene.
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