Essay, 1999
8 Seiten
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Die arbeitspolitische und militärische Bedeutung
2. Zweckreduziertes Fahren
3. Mittler zwischen Mensch, Landschaft und Kultur
4. Die Fiktion der eigenen Beteiligung
5. Die Vereinbarkeit des Unvereinbaren
Die vorliegende Arbeit untersucht den Mythos der "Reichsautobahn" im Nationalsozialismus und analysiert, wie dieses Projekt dazu diente, unvereinbare gesellschaftliche und ideologische Gegensätze – etwa zwischen Naturromantik und industrieller Moderne – symbolisch zu versöhnen. Ziel der Untersuchung ist es, das Fortwirken dieses Mythos bei den Zeitgenossen und dessen Bedeutung als "Denkmal der Massengesellschaft" kritisch zu beleuchten.
Die Vereinbarkeit des Unvereinbaren
Wenn auch der >Volkswagen< bloßes Versprechen blieb und Hunderttausende bei Kriegsende nur einen KdF-Sparvertrag in Händen hielten, aber keinen KfZ-Sein, die Vision von einem >Volk auf Rädern< nahm nun erstmals konkrete Gestalt an. Sie hob das Lebensgefühl und stärkte den >Drang in den freien Raum<, wie Todt meinte. >Im Kraftwagen ist auch der kleine Mensch, dessen Veranlagung und Schicksal nicht zum kühnen Eroberer gereicht hat, in der Lage, selbst seine kleinen Entdeckungsfahrten zu machen< (Todt 1937).
Die >Reichsautobahnen< von Rainer Stommer (1995) als >Pyramiden des Dritten Reiches< bezeichnet, stellten die Realisierbarkeit von Träumen der eigenen Mobilität und zugleich der Überwindbarkeit der Grenzen dar. Der Kern des Autobahnmythos ermöglichte die Vereinbarkeit des Unvereinbaren. Letztlich versprach er die Aufhebung der unaufhebbaren Dialektik von individueller Freiheit und gesellschaftlichem Eingebundensein (vgl. Grode LM 12/97).
Die nationalsozialistische Autobahn wurde für die Zeitgenossen zum sichtbaren Beweis der Versöhnung von Technik und Natur, von Maschine und Handwerk, von Beton und Stein, von Naturbewahrung und gigantischen Eingriffen in die Landschaft, von Nutzbau und Kunstwerk, Tempel und Massenverkehrsmittel.
Die arbeitspolitische und militärische Bedeutung: Das Kapitel erläutert, dass der Autobahnbau entgegen der nationalsozialistischen Propaganda sowohl wirtschaftlich als auch militärisch von geringerer Bedeutung war als behauptet.
Zweckreduziertes Fahren: Hier wird der Kontrast zwischen der heutigen funktionalen Nutzung der Autobahn und dem historischen Erbe der Motorisierung des Volkes im NS-Staat dargelegt.
Mittler zwischen Mensch, Landschaft und Kultur: Dieses Kapitel beschreibt die ästhetische Inszenierung der Autobahn als "Kunstraum" und das voyeuristische Erlebnis des "Autowanderns".
Die Fiktion der eigenen Beteiligung: Die Analyse konzentriert sich darauf, wie Medien und Propaganda dem Individuum eine Teilhabe am Autobahnprojekt suggerierten, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.
Die Vereinbarkeit des Unvereinbaren: Das Kapitel schließt mit der Feststellung, dass der Autobahnmythos als zentrales Versprechen diente, widersprüchliche Sehnsüchte der Moderne ideologisch zu harmonisieren.
Reichsautobahn, Nationalsozialismus, Mythos, Volksgemeinschaft, Motorisierung, Autowandern, Fritz Todt, Propaganda, Moderne, Technik, Landschaft, Massengesellschaft, Verkehrspolitik, Ideologie, Herrschaft
Die Arbeit analysiert die symbolische und ideologische Bedeutung des nationalsozialistischen Autobahnbaus als Mittel zur Mythenbildung und gesellschaftlichen Manipulation.
Die Schwerpunkte liegen auf der Diskrepanz zwischen NS-Propaganda und Realität, der Ästhetisierung des Autofahrens sowie der Rolle des Projekts für die "Volksgemeinschaft".
Die Untersuchung fragt danach, wie es dem NS-Regime gelang, durch den Autobahnbau widersprüchliche gesellschaftliche Sehnsüchte zu vereinen und so einen nachhaltigen Mythos zu etablieren.
Es handelt sich um eine kultur- und zeithistorische Analyse, die technische Aspekte, propagandistische Inszenierungen und psychologische Wirkungsmuster in einen historischen Kontext setzt.
Im Hauptteil werden die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit des Baus, die Inszenierung als Gemeinschaftserlebnis und die ideologische Brücke zwischen Weimarer Planung und nationalsozialistischer Umsetzung erörtert.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Mythos, reaktionäre Modernität, Volksgemeinschaft und die Vereinbarkeit des Unvereinbaren geprägt.
Während die Autobahn heute rein funktional und verkehrstechnisch genutzt wird, diente sie damals als Medium der sinnlichen Vermittlung nationaler Größe und als symbolisches Versprechen von Freiheit.
Das NS-Regime nutzte das Versprechen des eigenen Autos (Volkswagen) und das "Autowandern", um dem Individuum eine Form von Autarkie und Teilhabe an der Macht zu suggerieren.
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