Diplomarbeit, 1993
100 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
1. Zum Begriff
2. Zur Unterscheidung
2.1. Free Banking
2.2. Silvio Gesell als Ausgangspunkt einer monetären Zirkulativitätstheorie
2.2.1. Keynes über Gesell
2.2.2. Politisch-ökonomische Standortbestimmung
2.2.2.1. Abgrenzung von Weg und Ziel
2.2.2.2. Produktionsfaktordiskussion
3. Problemeingrenzung und Vorgehensweise
II. Zur Kritik des Geldsystems
1. Geld
2. Kontradiktorische Effekte der Wertaufbewahrungsfunktion
2.1. Von der Einschränkung der Quantitätstheorie
2.2. Zur Kritik des Say'schen Theorems
3. Komperative Neutralitätsanalyse
3.1. Prämonetäre Ökonomie
3.2. Geldwirtschaft
3.2.1. Allientabilität und Akzeptabilität
3.2.1.1. Sozialökonomische Differenzierung
3.2.1.2. Die Nutzung der Notwendigkeit
3.2.2. Strukturell asymmetrische Verwendungsprämierung
3.2.3. Der 'Preis' der Nicht-Neutralität
4. Liquiditätstheoretische Geld- und Zinsanlyse
4.1. Zins als Liquidisierungskosten
4.2. Remanente Liquidisierungskosten
4.3. Produktion der Liquidität
4.4. Der Geldzins als Fehlallokationsmechanismus
4.4.1. Monetäres Recycling
4.4.2. Der Preis als Knappheitsindikator von Gütern
4.4.3. Der Zins als Knappheitsindikator 'sofortiger Verfrügungsrechte' über Güter
5. Kapital, Krise und Ökologie
5.1. Monetäre Kapitaltheorie
5.1.1. Primärer und sekundärer Kapitalcharakter
5.1.2. Geldkapitalzins und Sachkapitalertrag
5.2. Monetäre Krisentheorie
5.2.1. Wachstumszwang
5.2.2. Der Krisenmechanismus
5.2.3. Ökologie: Wirtschaftlichkeit oder Rentabilität
III. Inkonsistenzkritik der Geldrelevanz in der Marx'schen Kapitaltheorie
1. Die Verwirklichungsbedingungen der Arbeit
1.1. Der Kapitalvorschuß und der 'Händewechsel'
1.2. Geldzins und 'industrieller Profit'
1.3. 'Fungierender Kapitalist' und 'funktionsloser Investor'
2. Der Doppelcharakter des Geldes
2.1. Geld als Äquivalentform der Ware
2.1.1. Wertmaß und Zahlungsmittel
2.1.2. Schatzbildung
2.2. Geld als Nicht-Äquivalent der Ware
2.2.1. Gesellschaftliche Macht in privater Hand
2.2.2. Asymmetrie von Kauf und Verkauf: James Mill
2.2.3. Egalisierung durch Abstraktion
2.2.4. Die Voraussetzung der Mehrwertaneignung
2.2.5. Der Wert des Geldes
2.2.6. Letztendlich: Die juristische Transaktion
IV. Postkapitalistische Geldpolitik
1. 'Carrying costs' für Geld: Freigeld
1.1. Das Konzept
1.2. Die Wirkung
2. Freigeld in der Praxis
2.1. Renovatio Monetarum: Freigeld 'by accident'
2.2. Die 'Wära-Tauschgesellschaft'
2.3. Das Nothilfeprogramm von Wörgl
V. Kritisches Resümee
Die Arbeit untersucht das bestehende Geldsystem als zentrale, kapitalistische Institution, die strukturelle Dysfunktionalitäten in der Allokation von Ressourcen verursacht. Das primäre Ziel ist es, diese Zusammenhänge durch eine zirkulativitätstheoretische Perspektive zu analysieren, um das Geldsystem kritisch zu hinterfragen und Möglichkeiten einer postkapitalistischen Geldordnung aufzuzeigen.
2.1. Free Banking
Aus den Schriften von Rittershausen ging - kurz gesagt - die, beispielsweise von George A. Selgin so benannte, 'Theory of free Banking' 4 hervor, die vor allem das Phänomen Arbeitslosigkeit, als ein wesentliches Symptom dysfunktionaler Allokations- und Distributionsprozesse im Kapitalismus, auf die staatlich monopolisierte Emission von Banknoten und deren Annahmezwang zurückführt.5
Das unter staatlichem Monopol emitierte 'Zwangsannahmegeld' sei seiner Aufgabe, Leistungsangebot und Leistungsbedarf zu vermitteln nicht gewachsen, das, sofern es "... nicht in das Wasser der Inflation springen will, ... in das Feuer der Deflation geworfen ..."6 werde:
Inflation bedinge aus Sicht der Produzenten und Realwertbesitzer Unattraktivität des Austauschs von Realwerten in Geldwerte. Der Anreiz sinkt Leistungspotentiale zur Leistungserstellung zu nutzen. Deflation schaffe für Geldwertbesitzer den Anreiz, den Austausch in Realwerte aufzuschieben, also Leistungspotentiale nicht 'abzurufen'. In beiden Fällen komme es so zu einer Unterversorgung mit 'geeigneten' Zahlungsmitteln.7
Diese Anfälligkeit für Disfunktionalitäten in seinen Vermittlungsdiensten wiese nur das monopolisiert emitierte 'Zwangsannahmegeld' auf. Daraus leitet sich die Forderung nach "... competetive supply of money ... einer wettbewerblichen Geldemission ..."8 unter einem einheitlichen Währungsstandard ab.9 Die Wirkung sei, daß solche unter Konkurrenz emitierten Banknoten aus der Volkswirtschaft verdrängt werden, die (relativ) ungeeignet sind, Austauschprozesse zu ermöglichen. Und zwar durch die Konkurrenz solcher Emittenten, deren Geld dazu besser geeignet ist:10
'Inflationiert' ein Emittent seine Geld- bzw. Zahlungsmittelemission sinkt die Annahmebereitschaft bei Realwertbesitzern, Produzenten und Verkäufern. 'Verknappt' ein Emittent seine Zahlungsmittel um sie 'teuer' zu machen, so werden kreditbedürftige Produzenten zur 'billigeren' Emissionskonkurrenz wechseln.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Begriff der Zirkulativitätstheorie ein und grenzt das Vorhaben von anderen ökonomischen Ansätzen wie dem "Free Banking" ab.
II. Zur Kritik des Geldsystems: Dieses Kapitel analysiert das Geldsystem als dysfunktionale Institution, die durch Zins und Kassenhaltung die Allokation von Ressourcen negativ beeinflusst.
III. Inkonsistenzkritik der Geldrelevanz in der Marx'schen Kapitaltheorie: Das Kapitel hinterfragt die marxsche Kapitaltheorie und kritisiert eine vermeintliche Inkonsistenz in der Behandlung geldtheoretischer Aspekte.
IV. Postkapitalistische Geldpolitik: Hier werden Konzepte wie das Freigeld als Antwort auf die identifizierten Probleme des kapitalistischen Geldsystems diskutiert und auf ihre praktische Umsetzung geprüft.
V. Kritisches Resümee: Das abschließende Kapitel reflektiert die dargestellten Theorien und Praxisbeispiele und diskutiert offene Fragen sowie Widersprüche im zirkulativitätstheoretischen Ansatz.
Geldsystem, Zirkulativitätstheorie, Geldzins, Kapitalismuskritik, Marx, Freigeld, Liquidität, Allokation, Fehlallokation, Deflation, Inflation, Wära, Wörgl, Kaufkraft, Reproduktion
Die Arbeit befasst sich mit der Kritik am bestehenden Geldsystem und dessen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Allokation und soziale Verhältnisse, insbesondere aus der Sicht der sogenannten Zirkulativitätstheorie.
Die Themenfelder umfassen die Rolle des Geldes als Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel, die Entstehung des Zinses, die Auswirkungen auf die Sachkapitalbildung und die daraus resultierenden Krisenmechanismen.
Ziel ist es, das Geldsystem als konstituierende Institution für systemische Fehlallokationen zu identifizieren und die ökonomische Macht des Geldbesitzers gegenüber den produzierenden Wirtschaftssubjekten darzulegen.
Die Arbeit nutzt eine systemtheoretische und literaturanalytische Herangehensweise, um die zirkulativitätstheoretische Literatur zu systematisieren und die Nicht-Neutralität des Geldes nachzuweisen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Kritik des aktuellen Geldsystems, eine Auseinandersetzung mit der marxschen Theorie sowie die Untersuchung von Modellen für eine postkapitalistische Geldpolitik, etwa durch Umlaufgebühren.
Begriffe wie Zins, Liquidität, Fehlallokation, monetäre Verzerrung, Sachkapital und Freigeld sind zentral für das Verständnis der Argumentation.
Im Gegensatz zu neoklassischen Ansätzen, die Geld oft nur als "Schleier" über der Realwirtschaft betrachten, argumentiert diese Arbeit, dass Geld und insbesondere das Geldsystem strukturverändernd auf die Produktion und Konsumtion wirken.
Diese Experimente dienen als empirische Belege für die These, dass durch die Einführung von Umlaufsicherungen (Demurrage) für Geld eine Belebung der lokalen Wirtschaft und eine Reduktion der Arbeitslosigkeit in Krisenzeiten erreicht werden kann.
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