Bachelorarbeit, 2007
55 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Periphrasen
2.1. Was sind Periphrasen?
2.2. Periphrastisches Inventar der spanischen Sprache
2.2.1. Partizipialperiphrasen
2.3. Zusammenfassung
3. Wodurch lassen sich die beiden Periphrasen voneinander unterscheiden?
3.1. Syntaktische Kriterien
3.1.1. Trennbarkeit von Auxiliar und Auxiliado
3.1.2. Erweiterbarkeit der Partizipialform
3.1.3. Herauslösbarkeit der Fügung als Relativsatz
3.1.4. Erfragbarkeit der Fügung bzw. ihrer Bestandteile
3.1.4.1. Einfache Interrogation
3.1.4.2. Interrogation ¿Qué + Auxiliar + hecho?
3.1.4.3. Interrogation mit ¿Cómo? ohne Partizip
3.1.5. Objekt- und Subjektwahl
3.2. Paradigmatische Kriterien
3.2.1. Substitution der gesamten Periphrase
3.2.1.1. Substitution des Partizips durch ein Adjektiv
3.3. Semantische Kriterien
3.3.1. Die Nicht-Ableitbarkeit der Periphrase
3.3.2. Auxiliarität und Bleaching
3.3.3. Aspektualität
3.3.3.1. Durativer Aspekt
3.3.3.2. Resultativer Aspekt
3.3.3.3. Iterativer – wiederholender Aspekt
3.4. Zusammenfassung
4. Grammatikalisierung
4.1. Die Ebenen der Grammatikalisierung
4.2. Verfahren zur Ermittlung des Grammatikalisierungsgrades
4.2.1. Die Anwendbarkeit des Verfahrens von Lehmann auf die beiden Periphrasen
4.3. Zusammenfassung
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die grammatikalischen und semantischen Unterschiede zwischen den spanischen Verbalperiphrasen haber + Partizip Perfekt (PP) und tener + PP, deren Unterscheidung in der gängigen Grammatikographie oft vernachlässigt wird. Ziel ist es, mithilfe syntaktischer, paradigmatischer und semantischer Analysen die verschiedenen Grammatikalisierungsgrade dieser Konstruktionen zu bestimmen und ihre spezifischen Funktionsbereiche – insbesondere die Temporaldeixis bei haber und den resultativen Aspekt bei tener – präzise abzugrenzen.
3.1.1. Trennbarkeit von Auxiliar und Auxiliado
Die Trennbarkeit von Auxiliar und Auxiliado, auch Fügungsenge genannt, ist ein Kriterium von Lehmann mit dem sich feststellen lässt, ob eine Konstruktion, bestehend aus Auxiliar und Auxiliado, eine syntaktische Einheit bildet. Es geht um die Autonomie der periphrasenkonstituierenden Elemente innerhalb der Periphrase. Je autonomer, bzw. je beweglicher auf syntagmatischer Ebene das Auxiliar und das Auxiliado ist, desto weniger periphrastisch ist die Konstruktion. Mit anderen Worten: Es wird gefragt, wie eng, bindend oder zwingend die Verbindung zwischen Auxiliar und Auxiliado ist. Dazu werden die periphrasenkonstituierenden Elemente voneinander getrennt.
Beispiel: Los señores López siempre han deseado vivir en un barrio tranquilo. → * Los señores López siempre han vivir en un barrio tranquilo deseado.
Beim vorangegangenen Beispiel fällt auf, dass sich die syntaktische Einheit zwischen haber und seinem Perfektpartizip nicht aufbrechen lässt. Das Auxiliado benötigt das Auxiliar, andernfalls entsteht ein nicht grammatischer Satz, der syntaktisch nicht zulässig ist und dessen Bedeutung nicht klar zu erschließen ist.
1. Einleitung: Die Arbeit motiviert sich aus der Beobachtung der unsicheren Verwendung von haber + PP und tener + PP bei Muttersprachlern und der mangelnden klaren Differenzierung in der Grammatikographie.
2. Periphrasen: Es werden grundlegende Definitionen von Periphrasen erläutert und die Einordnung der Partizipialperiphrasen in das Inventar der spanischen Sprache vorgenommen.
3. Wodurch lassen sich die beiden Periphrasen voneinander unterscheiden?: Dieser Hauptteil analysiert die Konstruktionen mittels syntaktischer (Trennbarkeit, Erweiterbarkeit), paradigmatischer (Substitution) und semantischer (Aspektualität) Kriterien, um den Grad der Periphrastizität zu bestimmen.
4. Grammatikalisierung: Auf Basis theoretischer Modelle von Traugott, Lehmann und Heine wird der Grammatikalisierungsprozess beider Periphrasen quantifiziert und qualitativ gegenübergestellt.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass haber + PP eine stark grammatikalisierte, temporaldeiktische Konstruktion darstellt, während tener + PP eine geringere Grammatikalisierung zeigt und primär den resultativen Aspekt betont.
Spanische Sprache, Verbalperiphrasen, haber + PP, tener + PP, Grammatikalisierung, Partizipialperiphrasen, Syntax, Semantik, Auxiliarität, Aspektualität, resultativer Aspekt, Temporaldeixis, Sprachwandel, Fügungsenge, grammatikalische Funktionen.
Die Arbeit untersucht die syntaktischen und semantischen Unterschiede zwischen den zwei spanischen Konstruktionen haber + Partizip Perfekt und tener + Partizip Perfekt.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Periphrastizität, die Grammatikalisierungstheorie sowie die Analyse von Verbkonstruktionen unter Verwendung von Korpusbeispielen.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass es sich nicht um äquivalente, beliebig austauschbare Formen handelt, sondern um Konstruktionen mit unterschiedlichen Funktionen und Grammatikalisierungsgraden.
Es werden syntaktische Tests (wie Umstellungen und Erfragbarkeiten), paradigmatische Ersetzungen und die Anwendung etablierter Grammatikalisierungsmodelle (nach Traugott, Lehmann und Heine) eingesetzt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine syntaktische Untersuchung (Fügungsenge, Erweiterbarkeit), eine paradigmatische Analyse (Substitution) und eine semantische Untersuchung (Auxiliarität, Aspektualität).
Zentrale Begriffe sind Grammatikalisierung, Auxiliarität, periphrastische Konstruktionen, Aspektualität und die Differenzierung zwischen haber und tener.
Die Arbeit zeigt, dass haber nahezu vollständig auxiliarisiert ist und der Temporaldeixis dient, während tener Vollverbcharakter bewahrt und meist einen resultativen Aspekt ausdrückt.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass haber + PP zu ca. 83 % grammatikalisiert ist, wohingegen tener + PP eine deutlich geringere Grammatikalisierung (ca. 16,6 %) aufweist.
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