Diplomarbeit, 2008
149 Seiten, Note: sehr gut
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
I. Einleitung
1. Ein altes und neues Thema – die Historiographie der Legionen
2. Herangezogene Quellen und Quellenkritik
II. Die tschechoslowakische Legion in Russland: ein Überblick
III. Aus Österreich-Ungarn in den Ersten Weltkrieg
1. Der Krieg vor dem Einrücken in die Armee Franz Josefs
2. Spätere Legionäre als Angehörige der k.u.k. Bewaffneten Macht
3. Nationalismus innerhalb des Heeres der Monarchie: Meinungen tschechischer und slowakischer Soldaten über Andere
4. Gefangennahme durch die Russen: „Es war höchste Zeit“
IV. Von der Front in die Tiefen Russlands
1. Leben in den russischen Gefangenenlagern
2. Rekrutierung in die Legion und Aktivitäten der tschechoslowakischen Auslandsaktion
V. Erneut an die Front, unter eigenem Banner
1. Die Legion im Weltkriegseinsatz: bis zu den Schützengräben von Zborov
2. Die Zweite Revolution: der „Rückzug von Tarnopol“ bis zum Frieden von Brest-Litovsk
3. Die Legion als russische Eliteeinheit
VI. Russland im Bürgerkrieg: Kämpfe, Verhandlungen und die Eisenbahn
1. Der Übergang vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg: Die Schlacht von Bachmač und das Problem der Evakuierung
2. "Vápno připraveno, jděte bílit." – „Der Kalk ist bereit, geht weißen.“
3. Die Tschechoslowakische Armee unter „eigener Ordnung“ in Sibirien
VII. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschichte der tschechoslowakischen Legionäre in Russland im Zeitraum von 1914 bis 1920 mit einem besonderen Fokus auf der Perspektive der einfachen Soldaten. Ziel der Arbeit ist es, eine Militärgeschichte „von unten“ zu erstellen, die den persönlichen Weg der Legionäre vom Dienst in der k.u.k. Wehrmacht bis zur Heimkehr nachzeichnet und dabei mentalitätsgeschichtliche Aspekte sowie die Wahrnehmung der Ereignisse durch die Soldaten in den Mittelpunkt stellt.
2. Herangezogene Quellen und Quellenkritik
Die vorliegende Arbeit nutzt die „Renaissance“, die die Geschichte der Legionen gegenwärtig genießt. Während Bücher von Legionären, wie zum Beispiel die berühmten Memoiren von General Radola Gajda, in den antiquarischen Blickpunkt gerückt sind, tauchten bislang unpublizierte Zeugnisse bis jetzt unbekannter Legionäre auf. Das Internet konnte mittlerweile die Schranken für Publikationen, die sonst wegen hoher Druckkosten nie erschienen wären, aufheben. Die Zugänglichkeit der Arbeiten ist somit ebenfalls weitaus höher, da praktisch jeder kostenlos auf sie zugreifen kann. Außerdem eröffnet das eine Möglichkeit für die Publikation von Tagebüchern, die ansonsten deswegen, weil sie formlose, schwer lesbare Texte sind, für den Druck eher uninteressant sind. Die Qualität der Aufbereitung der Veröffentlichung steht dabei gedruckten Transskripten keineswegs nach.
Diese bislang in der Literatur unberücksichtigten, persönlichen Quellen bilden die Basis für diese Darstellung der Legionen in Russland. Stellenweise wurden Auszüge aus in Sekundärliteratur verwendeten Quellen herangezogen, sowie als Kontrast die Memoiren des Sudetendeutschen Fritz Schwarzer. Dementsprechend rücken auch der einzelne Legionär und seine persönliche Sicht der Dinge in den Mittelpunkt. Die Vorteile dieser Methode liegen vor allem darin, die Moral und die Haltung des einzelnen Legionärs gegenüber Entscheidungen und Ereignissen besser nachvollziehen zu können und daraus Hinweise auf die Mentalität dieser Armee zu erhalten. Es handelt sich trotzdem nur um eine Selektion, gewisserweise eine Wahl von Stichproben, die nicht dazu dienen kann, allgemeine Aussagen zu treffen. Sekundärliteratur wurde benötigt, um die beschriebenen Ereignisse in Zusammenhang mit der bekannten Geschichte der Legion bringen zu können. Die Memoiren wiederum erlauben aber auch eine neue Perspektive auf eben diese Zusammenhänge. Zu revolutionären Erkenntnissen in Bezug auf die Geschichte der Legion hat die Auswertung nicht geführt, vielmehr scheinen nur die bereits bekannten Fakten bestätigt zu werden, auch wenn einige neue Details bekannt wurden.
Neu hingegen ist der Fokus auf die „Sicht von unten“, aus dem direkten Blickwinkel der Beteiligten. Den Soldaten im Felde war es nicht möglich über alle Ereignisse, die teilweise weit von ihnen entfernt stattfanden, Bescheid zu wissen. Umso wichtiger erscheinen ihnen Geschehnisse, die direkt um sie herum passieren. Für den Historiker werden dadurch die Ereignisse greifbarer. Er blendet sie nicht, wie sonst bei der Betrachtung einer übergeordneten, abstrakten Ebene, aus. Scheinbar triviale Details sensibilisieren für die Alltagsgeschichte. Die „Sicht von unten“ erlaubt dem modernen Betrachter auch, sich der untersuchten Zeit dadurch zu nähern, indem er, heute als geschichtlich bedeutend eingestufte Ereignisse, aus der Perspektive von unmittelbar Betroffenen und Beteiligten realisiert.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historiographische Bedeutung der Legionen in Russland und stellt den methodischen Fokus auf eine Militärgeschichte „von unten“ anhand persönlicher Zeugnisse heraus.
II. Die tschechoslowakische Legion in Russland: ein Überblick: Dieses Kapitel bietet eine kurze historische Übersicht über die Entwicklung der tschechoslowakischen Militäreinheiten in Russland von der Gründung bis zum Bürgerkrieg.
III. Aus Österreich-Ungarn in den Ersten Weltkrieg: Hier wird die prekäre Lage tschechischer und slowakischer Soldaten in der k.u.k. Wehrmacht, die nationalistische Abneigung gegenüber den privilegierten Nationalitäten und der Weg in die Gefangenschaft thematisiert.
IV. Von der Front in die Tiefen Russlands: Dieses Kapitel beschreibt das Leben in den Gefangenenlagern sowie die schwierigen Prozesse der Rekrutierung von Kriegsgefangenen für die tschechoslowakische Legion.
V. Erneut an die Front, unter eigenem Banner: Hier werden die militärischen Einsätze der Legion, der Übergang zum bewaffneten Kampf und die Schlacht von Zborov als zentraler mythologischer Punkt analysiert.
VI. Russland im Bürgerkrieg: Kämpfe, Verhandlungen und die Eisenbahn: Das Kapitel behandelt die Rolle der Legion im russischen Bürgerkrieg, die Kämpfe um die Kontrolle der Transsibirischen Eisenbahn und das schwierige Verhältnis zu den Bolschewiken sowie anderen politischen Akteuren.
VII. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Entwicklung der Legionäre durch die verschiedenen Kriegsphasen und unterstreicht die Bedeutung der "Sicht von unten" für das historische Verständnis.
Tschechoslowakische Legion, Erster Weltkrieg, Russischer Bürgerkrieg, Kriegsgefangenschaft, Anabasis, Tschechoslowakische Auslandsaktion, Zborov, Bachmač, Militärgeschichte von unten, Soldatenleben, Nationalismus, Legionäre, Memoiren, Tagebücher, Ostfront
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle und die Erfahrungen der tschechoslowakischen Legionäre, die während des Ersten Weltkriegs und des russischen Bürgerkriegs in Russland kämpften.
Die Arbeit beleuchtet das Leben in der k.u.k. Wehrmacht, die Erfahrungen in russischer Gefangenschaft, die Rekrutierungsprozesse und den militärischen Einsatz der Legion unter Berücksichtigung der individuellen Perspektiven der Soldaten.
Das Hauptziel besteht darin, eine Militärgeschichte „von unten“ zu schreiben, indem primär Tagebücher und Memoiren der Legionäre ausgewertet werden, um deren Sicht auf die Ereignisse zu erfassen.
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse von Selbstzeugnissen und Memoiren von sieben Legionären, die durch Sekundärliteratur und Archivdaten vergleichend kontextualisiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen: vom Kriegsausbruch und den Spannungen in der Armee der Monarchie über die Gefangenschaft und das Lagerleben bis hin zum bewaffneten Kampf der Legion im russischen Bürgerkrieg.
Die wichtigsten Begriffe sind Tschechoslowakische Legion, Gefangenschaft, Zborov, Bachmač, "Sicht von unten" und die Identitätsbildung der tschechoslowakischen Soldaten.
Die Arbeit argumentiert, dass staatliche Befehle und diplomatische Korrespondenz die erlebte Realität der Soldaten oft nicht widerspiegeln; persönliche Zeugnisse ermöglichen ein tieferes Verständnis für die Moral und Mentalität der Armee.
Dieser Vorfall wird als Katalysator betrachtet, der das gespannte Verhältnis zwischen der Legion und den Sowjetbehörden eskalieren ließ und maßgeblich zur bewaffneten Kontrolle der Transsibirischen Eisenbahn durch die Legion beitrug.
Die Legion wird als revolutionäre Streitmacht dargestellt, die ihre eigene Politik machte und sowohl gegen die Bolschewiki kämpfte als auch zeitweise als Teil der Interventionsmächte in das Geschehen eingriff.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

