Examensarbeit, 2020
176 Seiten, Note: 1,0
I. Abstract
II. Vorwort: Ein sprachliches Kaleidoskop
III. Die Wahrnehmung – Ein kognitiv-soziales Konstrukt
IV. Das Was: Der Sprachraum Deutschlands
4.1 Die Standardsprache Hochdeutsch – Eine Prestigesprache
4.2 Die (Basis-)Dialekte – familiär und vertraut
4.3 Irgendwo zwischen beiden Polen – Die Regionalsprachen
V. Das Wer: Die subjektive Komponente der Perzeptionslinguistik
VI. Das Wie: Salienz und Pertinenz
6.1 Die Salienz als sprachliche Auffälligkeit
6.2 Die Pertinenz: Die Bewertung von Varietäten
6.3 Ein kleiner Einblick in den aktuellen Forschungsstand der Regionalsprachenforschung
VII. Der Methodenkoffer der Wahrnehmungsdialektologie
7.1 Mental-Maps
7.2 Salienz- und Pertinenz-Tests
VIII. Darstellung der eigenen empirischen Untersuchung
8.1 Aufstellung der Hypothesen
8.2 Die Vorgehensweise
8.3 Untersuchungsresultate
8.3.1 Ergebnisse der Mental-Maps
8.3.2 Ergebnisse des Salienz- und Pertinenztests
8.3.3 Überblick: Salienz und Pertinenz der 20 Sätze im Vergleich
IX. Fazit: Allgemeine Tendenzen der Wahrnehmungsdialektologie
9.1 Resümee der aufgestellten Hypothese
9.2 Abgleich mit der Vergleichsstudie Hettlers
9.3 Vergleich mit den Karten des Norddeutschen Sprachatlasses (NOSAs)
9.4 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
X. Ausblick: Fragen, Probleme, Lösungsansätze
Das Hauptziel der Arbeit ist die wahrnehmungsdialektologische Untersuchung der diatopischen Verortung und der laienlinguistischen Bewertung von Regionalsprachen in Norddeutschland am Beispiel der Stadt Rostock. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern eine homogene Probandengruppe eine relative Konstanz in ihrem Wissen über regionale Sprachvarietäten sowie in deren Wahrnehmung (Salienz) und Bewertung (Pertinenz) aufweist, und inwiefern diese Daten mit bestehenden Vergleichsstudien und dem Norddeutschen Sprachatlas korrelieren.
Die Wahrnehmung – Ein kognitiv-soziales Konstrukt
Der neue Blick der Dialektologie, „[d]er Blick auf den linguistischen Laien, auf seine Sicht der Dialekte […]“, führt dazu, dass der Nicht-Linguist als Sprachbenutzer mit seinen Vorstellungen und Wahrnehmung in Gegensatz gesetzt wird zum bisherigen Expertenwissen. Die Wahrnehmung der Sprecher muss daher, ähnlich wie die Wahrnehmungsdialektologie selbst, terminologisch definiert werden. Anders widmet sich 2010 dieser Aufgabe und expliziert den Wahrnehmungsbegriff im Sinne eines terminus technicus als eine „[…] soziale Repräsentation […]“, welche aus der kognitiven Verarbeitung sozialer Informationen über Situationen sowie Personen entsteht. Durch diese können „[…] Aspekte der sozialen Urteilsbildung und Stereotypisierung untersucht werden.“ Der Begriff der Wahrnehmung kann gemäß Anders in drei Dimensionen (psychisch-physiologisch, sozial, kognitiv) aufgeschlüsselt werden:
Die erste Dimension, die psychisch-physiologische, greift auf die biologischen Vorgänge der Perzeption zurück. Es ist die reine Aufnahme externer und interner Informationen über den menschlichen Sinnesapparat. Für die Ethnodialektologie hat dieses reine Perzept als Resultat keine primäre Relevanz, da es sich nicht mit der Sprache per se auseinandersetzt.
Die zweite Dimension ist die kognitive. Sie beschreibt Anders als „[…] reine Informationsaufnahme eines kognitiven Objektes durch ein kognitives Subjekt […]“ sowie die dazukommenden kognitiven Verarbeitungsprozesse. Die Perzeption wird demnach durch die Apperzeption ergänzt. Das Perzept liegt somit in Form eines kognitiven Konstruktes als Endresultat vor, welches expliziert und reflektiert werden kann. Da Sprache jedoch nicht nur eine Aktivität eines einzelnen Individuums ist, sondern stets der Interaktion bedarf, bietet auch diese Dimension der Wahrnehmung keine ausreichende Basis für die Perzeptionsdialektologie.
III. Die Wahrnehmung – Ein kognitiv-soziales Konstrukt: Dieses Kapitel definiert Wahrnehmung als ein kognitiv-soziales Konstrukt und gliedert den Begriff in die drei Dimensionen der psychisch-physiologischen Perzeption, der kognitiven Verarbeitung und der sozialen Intersubjektivität.
IV. Das Was: Der Sprachraum Deutschlands: Hier wird das theoretische Fundament über das sprachliche Kontinuum zwischen Standardsprache und Basisdialekt gelegt und die Regionalsprachen als Vermittler innerhalb dieses Spektrums verortet.
V. Das Wer: Die subjektive Komponente der Perzeptionslinguistik: In diesem Teil rückt der linguistische Laie in den Fokus, wobei dessen Alltagswissen als Schnittpunkt von individuellen Erfahrungen und sozialen Repräsentationen diskutiert wird.
VI. Das Wie: Salienz und Pertinenz: Das Kapitel führt die zentralen Konzepte der Salienz als sprachliche Auffälligkeit und der Pertinenz als Bewertungsprozess ein, um deren Rolle für Sprachwandelprozesse zu verdeutlichen.
VII. Der Methodenkoffer der Wahrnehmungsdialektologie: Hier werden die Erhebungsinstrumente vorgestellt, insbesondere die Mental-Maps als visuelle kognitive Landkarten sowie Salienz- und Pertinenz-Tests mittels Tonproben.
VIII. Darstellung der eigenen empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel dokumentiert die Durchführung der Untersuchung in Rostock, beschreibt das methodische Vorgehen bei den 58 Gewährspersonen und präsentiert die detaillierten Ergebnisse der Erhebungen.
IX. Fazit: Allgemeine Tendenzen der Wahrnehmungsdialektologie: Das abschließende Fazit resümiert die Forschungsergebnisse, verifiziert die aufgestellten Hypothesen und gleicht die Erkenntnisse mit dem Norddeutschen Sprachatlas sowie der Vergleichsstudie von Hettler ab.
Wahrnehmungsdialektologie, Perzeptionslinguistik, Regionalsprache, Mental-Maps, Salienz, Pertinenz, Sprachwandel, Laienwissen, Norddeutschland, Sprachvarietät, Soziolinguistik, Dialektologie, Sprachwahrnehmung, Stereotyp, Sprachgebrauch.
Die Arbeit untersucht, wie linguistische Laien in Norddeutschland regionale Sprachformen wahrnehmen, verorten und bewerten, um Erkenntnisse über Sprachwandelprozesse zu gewinnen.
Die zentralen Themen sind die Wahrnehmungsdialektologie, die subjektive Bewertung von Sprachvarietäten (Salienz und Pertinenz) sowie die Rolle des Alltagswissens von Sprechern.
Das Ziel ist die wahrnehmungsdialektologische Analyse der Verortung und Bewertung regionalsprachlicher Merkmale in Rostock, um die Hypothese der relativen Konstanz des Laienwissens innerhalb einer homogenen Gruppe zu verifizieren.
Es wird ein triangulierter Ansatz gewählt, bestehend aus Mental-Maps (Draw-a-Map-Technik) sowie Salienz- und Pertinenztests auf Basis von zwanzig ausgewählten Hörbeispielen.
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen zur Wahrnehmung, zur Struktur des Sprachraums, zur Subjektivität linguistischer Laien sowie die methodische Erfassung und detaillierte Auswertung der eigenen empirischen Untersuchung.
Wahrnehmungsdialektologie, Salienz, Pertinenz, Mental-Maps, Regionalsprache, Sprachwandel, Laienwissen und Norddeutschland.
Die Kompensationshypothese betont die emotionale Bindung von Sprechern an Regionalsprachen und erklärt, warum diese trotz geringeren Prestiges gegenüber dem Standard oft positiv bewertet werden, da sie Heimatgefühle und Solidarität vermitteln.
Das Sächsische nimmt in der Laienperzeption eine Sonderrolle ein, da es in der Erhebung mehrheitlich als "typisch unsympathisch" bewertet wird, was stark mit der Aussprache und soziokulturellen Stereotypen verknüpft ist.
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