Examensarbeit, 2020
193 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Einordnung und Definition des Heterogenitätsbegriffs
3 Heterogenität als soziales Konstrukt in der Gesellschaft
4 Heterogenität im Bildungskontext
4.1 Heterogenität im System Schule
4.2 Umgang mit Heterogenität im Unterricht
4.2.1 Gestaltung eines heterogenitätssensiblen Unterrichts
4.2.2 Kompetenzen und Einstellungen von Lehrkräften
5 Heterogenität im Mathematikunterricht der Grundschule
5.1 Heterogenität in den Bildungsstandards und dem sächsischen Lehrplan
5.2 Maßnahmen und Strategien für einen gelingenden Umgang mit Heterogenität
5.2.1 Innere Differenzierung
5.2.2 Natürliche Differenzierung
5.2.3 Substanzielle Lernumgebungen
5.2.4 Substanzielle Aufgabenformate
5.2.5 Perspektiven aus dem inklusiven Mathematikunterricht
5.2.6 Projekt PIKAS
5.3 Zusammenfassung der Ergebnisse der theoretischen Auseinandersetzung
6 Überblick über die empirische Studie
6.1 Untersuchungsziel und Forschungsfragen
6.2 Beschreibung der Stichprobe
6.3 Beschreibung des methodischen Vorgehens
6.3.1 Fragen-Leitfaden
6.3.2 Projektvorstellung, Datenschutz, Kontaktaufnahme
6.3.3 Gestaltung der Interviewsituation
6.4 Vorgehen für Analyse und Auswertung der Daten
7 Ergebnisse der Datenanalyse
7.1 Transkript Interview 1: Frau S.
7.1.1 Analyse und Auswertung der Daten
7.2 Transkript Interview 2: Frau B.
7.2.1 Analyse und Auswertung der Daten
7.3 Transkript Interview 3: Frau N.
7.3.1 Analyse und Auswertung der Daten
7.4 Transkript Interview 4: Frau J.
7.4.1 Analyse und Auswertung der Daten
7.5 Gesamtschau aller Interviews
8 Resümee – Implikationen für Theorie und Praxis
Die Arbeit untersucht Strategien und Maßnahmen für einen gelingenden Umgang mit Heterogenität im Mathematikunterricht der Grundschule. Ziel ist es, den geringen Forschungsstand zu Einstellungen und Handlungsmustern von Lehrkräften in der Praxis durch qualitative Interviews zu erweitern und Handlungsprämissen für die Unterrichtsgestaltung abzuleiten.
5.2.2 Natürliche Differenzierung
Im mathematikdidaktischen Kontext wurde das Konzept einer natürlichen Differenzierung von Aufgabenstellungen, die den fachlichen Inhalten bereits innewohnt und mit diesen argumentiert, entwickelt und in Form von Unterrichtsbeispielen und Lernumgebungen erprobt (vgl. Krauthausen und Scherer 2010: 5; Krauthausen und Scherer 2019: 46). Der Begriff der natürlichen Differenzierung zielt dabei auf eine „ganzheitliche Erarbeitung von Themen [..], bei der sich Aufgaben unterschiedliche[r] Schwierigkeitsniveaus in natürlicher Weise ergeben“ (Krauthausen und Scherer 2019: 49), ab. Dadurch entsteht ein Lernangebot für alle Schüler*innen, das nicht zusätzlich durch Lehrperson oder Medium differenziert werden muss (vgl. ebd.: 49). Natürlich Differenzierung eignet sich daher besonders für einen konstruktiven Umgang mit Heterogenität im Mathematikunterricht.
Die Konzepte der natürlichen Differenzierung und der substanziellen Lernumgebungen hängen eng miteinander zusammen und wurden von Wittmann (vgl. 1998: 337 ff.) auf den Mathematikunterricht bezogen (vgl. auch Krauthausen und Scherer 2010: 5). Auch Weskamp weist auf die natürliche Differenzierung als Weg für einen produktiven Umgang mit Heterogenität im Mathematikunterricht hin (vgl. Weskamp 2018: 1). Sie sieht darin eine Alternativlösung zur Festlegung verbindlicher Bildungsstandards, die modellhaft Aufgabenformate vorgeben, welche zwar inhaltsgleich sind, sich aber in unterschiedlichen Aufgabenstellungen für die Schüler*innen niederschlagen (vgl. Weskamp 2018: 1; KMK 2005: 13).
Im Folgenden sollen nun Voraussetzungen bzw. förderliche Rahmenbedingungen für eine gelingende natürliche Differenzierung aufgezeigt werden. Krauthausen und Scherer (vgl. 2010: 5 f.) beschreiben anhand von fünf Merkmalen, wie die natürliche Differenzierung eines Lernangebots umgesetzt werden kann:
Kriterium eins ist die Gleichheit des Lernangebots für alle Kinder. Dieses gleiche Lernangebot sollte nicht mit dem gleichen Inhalt – beispielsweise einer qualitativen Differenzierung in Sinne von in „leichte“, „mittlere“ und „schwere“ Aufgaben unterteilten Arbeitsblättern – verwechselt werden. Ein gleiches Lernangebot liege erst dann vor, wenn alle Schüler*innen an der gleichen, dem Arbeitsprozess übergeordneten Problemstellung arbeiten. Um dies zu realisieren, reiche in den meisten Fällen eine Aufgabenstellung bzw. ein Arbeitsblatt für alle Kinder aus. (vgl. ebd.: 5)
1 Einleitung: Hinführung zum Thema, Darlegung der Relevanz und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Umgangs mit Heterogenität im Mathematikunterricht.
2 Einordnung und Definition des Heterogenitätsbegriffs: Theoretische Herleitung und Definition von Heterogenität als komplexes, konstruiertes Phänomen.
3 Heterogenität als soziales Konstrukt in der Gesellschaft: Analyse der gesellschaftlichen Dimensionen und Auswirkungen von Heterogenitätszuschreibungen.
4 Heterogenität im Bildungskontext: Untersuchung der schulischen Rahmenbedingungen, der institutionellen Diskriminierung und der Anforderungen an Lehrkräfte.
5 Heterogenität im Mathematikunterricht der Grundschule: Darstellung fachdidaktischer Konzepte wie natürliche und innere Differenzierung sowie Vorstellung des Projekts PIKAS.
6 Überblick über die empirische Studie: Methodische Erläuterung der qualitativen Experteninterviews und der Auswertung nach Gläser und Laudel.
7 Ergebnisse der Datenanalyse: Präsentation der Analyseergebnisse aus den vier geführten Lehrerinterviews inklusive Transkriptionen und Auswertungen.
8 Resümee – Implikationen für Theorie und Praxis: Synthese der Ergebnisse und Ableitung von Handlungsempfehlungen für die zukünftige Unterrichtsgestaltung.
Heterogenität, Mathematikunterricht, Grundschule, Natürliche Differenzierung, Binnendifferenzierung, Inklusion, Lehrer*inneneinstellungen, Individuelle Förderung, Lernumgebungen, PIKAS, Qualitative Inhaltsanalyse, Kompetenzorientierung, Schulsystem, Leistungsheterogenität, Selbstgesteuertes Lernen
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte in Grundschulen mit der Heterogenität ihrer Schülerschaft im Mathematikunterricht umgehen und welche Strategien sie dabei anwenden.
Zentrale Themen sind der Umgang mit Leistungsunterschieden, die Gestaltung differenzierter Lernumgebungen, die Bedeutung von Lehrer*inneneinstellungen und die Passung zwischen Bildungspolitik und unterrichtlicher Realität.
Das Ziel ist es, bestehende didaktische Konzepte zur natürlichen Differenzierung mit der Praxis abzugleichen, um Handlungsbedarfe aufzuzeigen und Ansätze für einen gelingenden Umgang mit Vielfalt im Unterricht zu finden.
Es handelt sich um eine qualitative Studie, die auf problemzentrierten Leitfadeninterviews mit vier Grundschullehrerinnen basiert und diese mittels der qualitativen Inhaltsanalyse auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Heterogenitätsbegriffs und der Differenzierungsstrategien (Kapitel 2-5) sowie die empirische Analyse von vier Lehrerinterviews (Kapitel 6-7).
Heterogenität, Mathematikunterricht, Differenzierung, Inklusion, Lehrer*inneneinstellungen und Lernumgebungen.
Sie gilt als fachdidaktisches Konzept, das es ermöglicht, dass Schüler*innen an einem gemeinsamen Lerngegenstand auf individuellem Niveau arbeiten können, ohne dass das Angebot durch die Lehrkraft künstlich zerlegt werden muss.
Die Lehrerinnen betonen häufig eine Diskrepanz zwischen dem hohen Anspruch an Differenzierung und den schulorganisatorischen Rahmenbedingungen (wie Zeitmangel und Klassengrößen), was oft zu Überforderung führt.
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