Bachelorarbeit, 2011
30 Seiten, Note: 1.0 (Excellent)
1 Einleitung
2 Gedichte der Frühphase
3 Gedichte der Spätphase
4 Motive und Themen
5 Form und Aufbau
6 Fazit
Die Arbeit untersucht den lyrischen Wandel im Gesamtwerk von Gottfried Benn, indem sie repräsentative Gedichte seiner Früh- und Spätphase analysiert und gegenüberstellt, um die Frage nach Kontinuität oder Bruch in seiner Schaffensweise zu beantworten.
2.1 Kleine Aster
Kleine Aster (I, S. 11) ist das erste Gedicht des fünfteiligen Morgue-Zyklus, der ersten veröffentlichten Gedichtsammlung Gottfried Benns. Die fünfzehn Verse wirken wie zufällig dahin geschrieben. Kleine Aster weist weder eine Stropheneinteilung noch ein durchgängiges Metrum auf, die Reime in Vers eins und drei sowie in den Versen sieben und acht wirken zufällig und stören infolgedessen nicht die Wirkung von Formlosigkeit. Durch die überwiegende Reimlosigkeit, den saloppen Tonfall und die umgangssprachlichen Elemente wie beispielsweise „ersoffen“ (V. 1), „irgendeiner“ (V. 2) und „packte“ (V. 10), die weit von konventionellem ‚lyrischem‘ Sprachstil entfernt sind, entsteht der Eindruck, es handele sich um einen Erzähltext und nicht um ein Gedicht. Hinzu kommt der auffällig häufige Einsatz der Lokaladverbien „in“ (V. 9, 10, 13) „zwischen“ (V. 3, 11) und „auf“ (V. 1) und des Zeitadverbiums „als“ (V. 4, 12). Eine solche Anhäufung von Präpositionen findet sich zwar sehr oft im Bereich der Prosa, in der Lyrik jedoch nur in Erzählgedichten. Anders als bei einem ‚klassischen Gedicht‘ stehen zudem nicht emotionale Befindlichkeiten, sondern das Beschreiben einer konkreten Handlung – die Öffnung einer männlichen Leiche - im Mittelpunkt. Gleichwohl handelt es sich bei Kleine Aster ebenso wenig um eine Ballade, da es ihm an der für dieses Genre charakteristischen strophischen, metrischen und reimtechnischen Ausformung mangelt. Mittels adverbialer Bestimmungen und durch den Gebrauch der unterschiedlichen Zeitformen Plusquamperfekt (V. 2/3) und Präteritum (V. 4- 12) wird das Geschehen zeitlich und räumlich verortet. Somit bewegt sich Kleine Aster zwischen den Gattungen Lyrik und Prosa. Man könnte Kleine Aster demnach als ein Prosastück in Versform charakterisieren.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob es einen tatsächlichen Wandel in Gottfried Benns Lyrik zwischen Früh- und Spätwerk gibt oder ob Kontinuität überwiegt.
2 Gedichte der Frühphase: Dieses Kapitel analysiert repräsentative Beispiele der frühen Sektionslyrik wie "Kleine Aster" und "Requiem" hinsichtlich ihrer Form und Motivik.
3 Gedichte der Spätphase: Hier werden späte Gedichte wie "Nur zwei Dinge" und "Kann keine Trauer sein" untersucht, die einen neuen Umgang mit Themen wie Vergänglichkeit und Metaphysik zeigen.
4 Motive und Themen: Das Kapitel kontrastiert die medizinisch geprägten Inhalte der frühen Lyrik mit den eher existentiellen Lebensbilanzen des Spätwerks.
5 Form und Aufbau: Es wird untersucht, inwiefern ein Stilwandel von expressionistischer Eruption hin zur klassischen Formvollendung in Benns Werk erkennbar ist.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert, dass Benn trotz des Wandels ein "evangelischer Heide" blieb, der die Ambivalenz zwischen Moderne und Tradition als produktive Spannung nutzte.
Gottfried Benn, Lyrik, Frühphase, Spätphase, Morgue, Sektionslyrik, Kontinuität, Wandel, Expressionismus, absolutes Gedicht, Formbewusstsein, Nihilismus, Naturwissenschaft, Religion, Moderne
Die Arbeit untersucht das lyrische Werk von Gottfried Benn und analysiert die Entwicklung von der frühen, expressionistischen Sektionslyrik bis hin zum reflektierten Spätwerk.
Im Fokus stehen der Vergleich der Motivwahl, die formale Gestaltung der Gedichte sowie Benns Auseinandersetzung mit Religion, Wissenschaft und dem Sinn der Kunst.
Das Ziel ist es, zu klären, ob Benns Entwicklung als Bruch oder als Kontinuität verstanden werden muss und wie er die Spannung zwischen Tradition und Moderne in seiner Lyrik auflöst.
Die Autorin wählt repräsentative Gedichte aus Früh- und Spätphase aus, analysiert diese im Detail und ordnet sie durch Einbeziehung biografischer und essayistischer Quellen in den Kontext von Benns Gesamtwerk ein.
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation konkreter Gedichte, die Analyse der Themen und Motive sowie eine Untersuchung der Formgebung, etwa das Spannungsfeld zwischen freier Form und dem Anspruch auf das "absolute Gedicht".
Wichtige Begriffe sind Benns "Morgue"-Gedichte, die Unterscheidung zwischen Früh- und Spätwerk, das Verhältnis von Kunst zu Religion sowie die ästhetische Formgebung.
Gottfried Benns Tätigkeit als Arzt und Pathologe prägte besonders seine frühen Werke, in denen er medizinische Sujets wie Obduktionen radikal und provokant in seine Lyrik integrierte.
Im Gegensatz zur frühen Ablehnung und Parodie christlicher Glaubensinhalte ersetzt Benn im Spätwerk die Religion durch die Kunst als neuen Sinnstifter, ohne sich jedoch vollständig von seiner protestantischen Prägung losreißen zu können.
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