Magisterarbeit, 2008
127 Seiten, Note: 1,85
1 Das „finstere“ Mittelalter – eine schwindende Assoziation
2 Der Mythos vom Mann im Mond
2.1 Ursprünge
2.1.1 Die griechische Mythologie als erste Quelle
2.1.2 Vermischung der antiken Vorlagen mit einer Bibelepisode
2.2 Englische Überlieferungen: Vom Mittelalter bis zu Shakespeare
2.2.1 Alexander Neckam
2.2.2 „Man in the Moon“
2.2.2.1 Der Text in der Brook-Ausgabe
2.2.2.2 Inhaltliche Erläuterungen zum Gedicht
2.2.2.3 Sprachliche und metrische Gesichtspunkte
2.2.2.4 Interpretationsansätze
2.2.3 Das Motiv bei Chaucer und Henryson
2.2.4 Shakespeares inhaltliches und idiomatisches Aufgreifen des Motivs
2.3 Variantenreicher Mythos im deutschen Sprachraum
3 Literarische Darstellungen von Himmel und Hölle in der mittelalterlichen Visions- und Immramliteratur
3.1 Definition und Überblick über die Gattungen Vision und Immram
3.1.1 Die Vision des Tundal
3.1.2 Die Seereise des Heiligen Brendanus
3.2 Die vier eschatologischen Räume in der mittelalterlichen Vision
3.2.1 Fegefeuer und Hölle
3.2.1.1 Das Reinigungsfeuer in der Vorstellung des Christentums
3.2.1.2 Die Vorstellung der Hölle im jüdischen und christlichen Glauben
3.2.1.3 Die Vermischung von Hölle und Fegefeuer in der Vision des Tundal und der Navigatio Sancti Brendani Abbatis
3.2.1.3.1 Feuer, Wasser und Lärm als feste Bestandteile von infernum und purgatorium
3.2.1.3.2 Die Unterwelt aufgeteilt in verschiedene „Aufenthaltsbereiche“
3.2.1.3.2.1 Homers Hades als Vorbild für mittelalterliche Unterweltsbeschreibungen
3.2.1.3.2.2 Die Höllenräume und Läuterungsstationen in Tundals Vision mit Hinblick auf Dante
3.2.2 Paradies und Himmelreich in der mittelalterlichen Literatur
3.2.2.1 Zusammenhänge, Überschneidungen und Abgrenzungen
3.2.2.2 Lokalisierungsversuche im Mittelalter
3.2.2.3 Die Paradiesbewohner und ihre Bezirke in der Vision Tundals
3.2.2.4 Himmlisches Ambiente
3.3 Die Prüfungen der Jenseitsreisenden
3.3.1 Die Brücke in Tundals Unterwelt
3.3.2 Die Feuerprüfungen
3.3.3 Der Weg als Ziel in der Navigatio Sancti Brendani Abbatis?
4 Ein irdisches Paradies geformt von Menschenhand: Das Schlaraffenland – The Land of Cokaygne
4.1 Die historische Entwicklung des Topos und dessen Motive in Europa im Hinblick auf den mittelenglischen Harley-Text
4.1.1 Die Idee der `Utopia´ seit Hesiod und Platon bis Thomas Morus
4.1.2 Paradies und Schlaraffenland im Zeichen des Goldenen Zeitalters
4.1.2.1 Die paradiesischen Inseln Atlantis und Meropis
4.1.2.2 Das Augusteische Zeitalter
4.1.2.3 Die Wunderländer von Lukian und Laktanz
4.2 Hochzeit des Motivs im europäischen Mittelalter
4.2.1 Darstellungen in Italien, Spanien und Frankreich
4.2.1.1 Etymologie der romanischen Termini
4.2.1.2 Ein Überblick über die bekanntesten Schlaraffenland-Texte des mittelalterlichen Europa
4.2.2 „The Land of Cokaygne“ – ein mittelenglisches Gedicht über das Schlaraffenland der Mönche
4.2.2.1 Etymologische Betrachtung der westgermanischen Terminologie
4.2.2.2 Überlieferung und Gattung sowie sprachliche Beobachtungen in „The Land of Cokaygne“
4.2.2.3 Die Verwendung der traditionellen Schlaraffenlandtopoi
4.2.2.4 Die spezielle Bedeutung des Karnevalesken für das Schlaraffenlandmotiv
4.3 Die Vermischung der Schlaraffenlandtopoi mit Motiven aus den mittelalterlichen Vorstellungen von Paradies und Himmelreich
4.4 Die Weiterentwicklung der Schlaraffenland-Motivik in der Neuzeit
5 Ein komparativer Rückblick mit Fokus auf intentionale und inhaltliche Gemeinsamkeiten in „The Man in the Moon“, „The Land of Cokaygne“ und der Vision des Tundal
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Darstellung fantastischer Mythen und Jenseitsvorstellungen im Mittelalter. Im Fokus stehen dabei das Motiv des Mannes im Mond, die eschatologischen Räume von Himmel und Hölle sowie der Topos des Schlaraffenlands. Es wird analysiert, wie diese Erzählungen gesellschaftliche und kirchenkritische Kritik üben, moralische Diskurse widerspiegeln und dabei antike sowie christliche Motive miteinander verknüpfen, um die soziale Realität der Zeit zu kommentieren.
Der Mythos vom Mann im Mond
Das Kindermärchen vom Mann im Mond, der, aus der menschlichen Gesellschaft verbannt, als Strafe für seine Sünde verdammt dazu ist, auf dem Mond auf ewig sein Dasein zu fristen, ist ein Mythos mit einer Jahrhunderte langen Geschichte. Mit speziellem Fokus auf die mittelalterlichen Darstellungen des Mondmannes soll im Folgenden ein chronologischer Überblick über die Entwicklung dieses bis heute populären Motivs gegeben werden.
Schon in der Antike bestand weithin die Meinung, im Mond verberge sich etwas Geheimnisvolles, was die menschliche Fantasie natürlich hinreichend anregte. Der im ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr. lebende Philosoph und Biograph Plutarch schreibt seine eigenen Gedanken in dem Kapitel „Über das Mondgesicht“ (griech. Περὶ τοῦ ἐμφαινομένου προσώπου τῷ κύκλῳ τῆς σελήνης) in seinen Moralia (griech. ’Ηθυκά) nieder. Die Sprecher in diesem Kapitel, nämlich Sulla, der den Mythos erläutert, der Dialogsführer Lamprias und Apollonides, ein Gelehrter der Geometrie (Cherniss and Helmbold 1957, 3ff.), liefern dabei geradezu verblüffend modern anheimelnde Erklärungen des mysteriösen Antlitzes im Mond.
1 Das „finstere“ Mittelalter – eine schwindende Assoziation: Dieses Kapitel erläutert die historische und literarische Neubewertung des Mittelalters und widerlegt dessen veraltete Darstellung als rein „dunkle“ und unproduktive Epoche.
2 Der Mythos vom Mann im Mond: Der Text bietet einen Überblick über die Ursprünge und die literarische Entwicklung des Mondmann-Motivs von der Antike über mittelenglische Gedichte bis zu Shakespeare und dessen Bedeutung im deutschen Sprachraum.
3 Literarische Darstellungen von Himmel und Hölle in der mittelalterlichen Visions- und Immramliteratur: Hier werden Definitionen der Visionsgattungen dargelegt und die eschatologischen Konzepte von Himmel, Hölle, Fegefeuer und Paradies anhand exemplarischer Texte analysiert.
4 Ein irdisches Paradies geformt von Menschenhand: Das Schlaraffenland – The Land of Cokaygne: Das Kapitel analysiert die historische Entwicklung des Schlaraffenland-Topos als Utopie und dessen literarische Ausformung im Mittelalter sowie die Vermischung mit christlichen Jenseitsmotiven.
5 Ein komparativer Rückblick mit Fokus auf intentionale und inhaltliche Gemeinsamkeiten in „The Man in the Moon“, „The Land of Cokaygne“ und der Vision des Tundal: Der abschließende Vergleich legt die inhaltlichen Gemeinsamkeiten der behandelten Mythen offen und zeigt auf, wie diese als satirische Instrumente zur Kritik an gesellschaftlichen Missständen und der Kirche fungierten.
Mittelalter, Mann im Mond, Schlaraffenland, Visionsliteratur, Jenseitsvorstellungen, Himmel, Hölle, Fegefeuer, Tundal, Seereise des Heiligen Brendan, Gesellschaftskritik, Utopia, Karnevalesk, Literaturgeschichte, Religion
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Aufarbeitung und Verbreitung zentraler Mythen und Jenseitsvorstellungen in der mittelalterlichen Literatur, insbesondere im englischsprachigen Raum.
Die Schwerpunkte liegen auf der Figur des „Mannes im Mond“, den Darstellungen von Himmel, Hölle und Fegefeuer in der Visionsliteratur sowie dem utopischen Motiv des Schlaraffenlands.
Ziel ist es, die Entwicklung dieser Mythen aufzuzeigen und zu analysieren, wie sie als Mittel der gesellschaftlichen Satire und Kritik an sozialen sowie religiösen Missständen eingesetzt wurden.
Die Arbeit nutzt eine komparatistische und literaturhistorische Herangehensweise, um verschiedene Texte, Gattungen und deren historische Zusammenhänge zu vergleichen.
Der Hauptteil analysiert intensiv die literarischen Quellen wie die Tundal-Vision oder das Gedicht „The Land of Cokaygne“ und stellt diese in den Kontext ihrer Entstehungszeit und der theologischen Traditionen.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Vision, Eschatologie, Utopie, Karnevalesk, Gesellschaftskritik und Motivgeschichte aus.
Es wird als ein „irdisches Paradies“ verstanden, das als satirisches Gegenstück zum religiösen Himmelreich fungiert und leibliche Wünsche sowie Gesellschaftskritik in den Vordergrund stellt.
Er dient als populärer Mythos, der über Jahrhunderte hinweg als Projektionsfläche für moralische Lehren, aber auch für den Wunsch nach Freiheit von irdischen und göttlichen Gerichtsbarkeiten diente.
Sie stellt ein zentrales, äußerst beliebtes Beispiel mittelalterlicher Visionsliteratur dar, das die eschatologischen Räume exemplarisch beschreibt und eine Vermischung von Hölle und Fegefeuer aufweist.
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