Diplomarbeit, 2008
191 Seiten, Note: "gut"
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Historischer Rückblick der Psychiatrie Geschichte
3.1 Von den Anfängen in der Antike bis ins 20.Jahrhundert
3.1.1 Die Psychiatrie bei den Römern und Griechen
3.1.2 Die Psychiatrie im Mittelalter und der Renaissance
3.1.3 Die Psychiatrie im 17. und 18. Jahrhundert
3.1.4 Die französische Schule
3.1.5 Die Psychiatrie im 19. Jahrhundert
3.1.5.1 Exkurs: Psychiker versus Somatiker
3.1.5.2 Wilhelm Griesinger und die 1. biologische Psychiatrie
4. Die Psychiatrie in Österreich
4.1 Theodor Meynert und sein Wirken
4.2 Die Fieberkur von Julius Wagner Jauregg
4.3 Sigmund Freud und die Psychoanalyse
5. Die Psychiatrie im Nationalsozialismus
5.1 Ideologische Hintergründe
5.2 Der Beginn der Zwangssterilisierungen
5.3 Die Euthanasie an psychisch Kranken
5.4 Kindereuthanasie
5.5 Neue Therapieverfahren im Nationalsozialismus
5.6 Die Situation in der Psychiatrie nach 1945
6. Neuere Entwicklungen im 20. Jahrhundert
6.1 Die zweite biologische Psychiatrie
6.1.1 Die ersten wirksamen Medikamente
6.1.2 Krankenversorgung und Psychiatrie Reform
7. Historische Entwicklung einer psychiatrischen Systematik
7.1 Traditionelle Nosologien
7.2 Die Klassifikation von Heinroth und Jacobi
7.3 Das Konzept der Einheitspsychose
7.4 Karl L. Kahlbaum und sein Einfluss auf die Psychiatrie
8. Neue Sichtweise der psychiatrischen Erkrankungen im 20. Jahrhundert
8.1 Emil Kraepelin und Eugen Bleuler
8.1.1 Die Klassifikation von Emil Kraepelin
8.1.2 Das Dichotome Modell von Kraepelin
8.1.3 Bleuler und sein Schizophreniekonzept
8.1.4 Exogene Nervenkrankheiten
8.1.5 Körperbautypen und psychische Erkrankungen
8.1.5.1 Pyknischer Typ
8.1.5.2 Astehnischer oder Leptosomer Typ
8.1.5.3 Athletische Typ
8.1.6 Die Psychopathologie von Kurt Schneider
9. Die Klassifikationen im 21. Jahrhundert
9.1 ICD und DSM in ihrer historischen Entwicklung
10. Die Antipsychiatrie
11. Schlussbemerkung
12. Verzeichnisse
12.1 Literatur
12.1.1 Monographien
12.1.2 Zeitungen und Zeitschriften
12.2 Internetverzeichnis
Diese Diplomarbeit untersucht den historischen Wandel in der Wahrnehmung und Behandlung psychisch kranker Menschen von der Antike bis zum 21. Jahrhundert, mit einem speziellen Fokus auf die psychiatrische Entwicklung in Österreich und die Rolle der Antipsychiatrie.
3.1.1 Die Psychiatrie bei den Römern und Griechen
Die Geschichte der Psychiatrie, wie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Medizin im Allgemeinen, beginnt mit den Griechen. Die Griechen sprachen sich im Gegensatz zu den älteren Hochkulturen, die von übernatürlichen Kräften ausgingen, für natürliche Erklärungen aus. Man kann daraus schließen, dass die Griechen die Begründer der wissenschaftlichen Medizin und Psychiatrie waren.
Die großen griechischen Mediziner waren eindeutig Hippokrates (460-377 v. Chr.) und Galen (130-201 n. Chr.), die jedoch immer nur am Rande die Geisteskrankheiten erwähnten, was ihnen auch später Phillipe Pinel - auf den in Kapitel 3.4. genauer eingegangen wird- vorwarf. Er machte sie wegen ihres Desinteresses verantwortlich, dass die Psychiatrie bis zum 18. Jahrhundert keine wesentlichen Fortschritte machte.
Dennoch gibt es einige beachtliche Erkenntnisse aus der Antike. Man griff nun auf natürliche Erklärungen von Geisteskrankheiten zurück und suchte eine Verknüpfung zwischen körperlichen und seelischen Vorgängen. Im „Corpus hippocratum“, die von Hippokrates verfassten Schriften, entwickelte er die so genannte „Humoralpathologie“, die dann später von Galen ausformuliert wurde und als „Galenismus“ eine weite Verbreitung erfuhr.
Die „Humoralpatholgie“ bezog sich auf die 4 Säfte- Lehre, die das Temperament auf die Säfte im Körper zurückführte. So stand das Blut für den Sanguiniker (lebhafter, heiterer Mensch), die gelbe Galle für den Choleriker (leidenschaftlicher, jähzorniger Mensch), die schwarze Galle für den Melancholiker (trübsinniger, schwermütiger Mensch) und der Schleim für den Phlegmatiker (körperlich träger, geistig wenig regsamer Mensch). Kam es folglich zu einer Störung im Säfte- Gleichgewicht, gingen die Griechen davon aus, dass dies für die Entstehung von Krankheiten verantwortlich sei.
1 Vorwort: Dankesworte der Autorin an Unterstützer und Wegbegleiter.
2 Einleitung: Motivation zur Arbeit, Darstellung der Stigmatisierung psychisch Kranker und Zielsetzung der Untersuchung.
3 Historischer Rückblick der Psychiatrie Geschichte: Überblick über die Wahrnehmung psychischer Krankheiten von der Antike bis zum 19. Jahrhundert.
4 Die Psychiatrie in Österreich: Historische Analyse der psychiatrischen Institutionen und bedeutenden Persönlichkeiten in Wien.
5 Die Psychiatrie im Nationalsozialismus: Beschreibung der grausamen Tötungsprogramme, der Euthanasie und der Ideologien hinter diesen Verbrechen.
6 Neuere Entwicklungen im 20. Jahrhundert: Darstellung des Aufkommens moderner medikamentöser Therapien und der damit verbundenen Reformprozesse.
7 Historische Entwicklung einer psychiatrischen Systematik: Analyse der Entwicklung psychiatrischer Termini und Einteilungsversuche über die Jahrhunderte.
8 Neue Sichtweise der psychiatrischen Erkrankungen im 20. Jahrhundert: Detaillierte Betrachtung klinischer Klassifikationsmodelle, insbesondere durch Kraepelin und Bleuler.
9 Die Klassifikationen im 21. Jahrhundert: Historische Entwicklung und Bedeutung internationaler Systeme wie ICD und DSM.
10 Die Antipsychiatrie: Kritische Auseinandersetzung mit der antipsychiatrischen Bewegung und deren ideologischem Hintergrund.
11 Schlussbemerkung: Zusammenfassende Reflexion über die historische Entwicklung und das aktuelle Ziel einer humaneren Psychiatrie.
Psychiatrie, Geisteskrankheiten, Psychiatriegeschichte, Nationalsozialismus, Euthanasie, Schizophrenie, Psychoanalyse, Klassifikation, Antipsychiatrie, Historische Entwicklung, Somatiker, Psychiker, Psychopathologie, Symptomatologie, Medizingeschichte
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung der Psychiatrie und beleuchtet, wie sich der Umgang mit und die Sichtweise auf psychisch kranke Menschen über die Jahrhunderte verändert haben.
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung psychiatrischer Systeme, die düstere Periode der Psychiatrie im Nationalsozialismus sowie die Rolle der Psychoanalyse und Antipsychiatrie.
Das Ziel ist es, das Verständnis für die psychiatrische Versorgung in Österreich zu schärfen und aufzuzeigen, dass psychische Erkrankungen ebenso eine adäquate medizinische Behandlung verdienen wie somatische Leiden.
Die Autorin stützt sich auf eine umfassende Literatur- und Quellenanalyse, um die historische Entwicklung und die verschiedenen Ansätze psychiatrischer Systematik darzustellen.
Der Hauptteil gliedert sich in historische Rückblicke seit der Antike, die Entwicklung psychiatrischer Klassifikationssysteme (z.B. von Kraepelin oder Bleuler) sowie die kritische Beleuchtung der Antipsychiatrie und der NS-Zeit.
Schlüsselwörter sind unter anderem Psychiatriegeschichte, Euthanasie im Nationalsozialismus, Schizophreniekonzept, Klassifikationssysteme (ICD/DSM) und der Wandel des Menschenbildes in der Medizin.
Meynert wird als bedeutender klinischer Forscher und Professor gewürdigt, dessen Fokus auf der anatomischen Hirnforschung und Zytoarchitektonik lag, wobei er jedoch für sein mangelndes Interesse an der individuellen Patientenzuwendung kritisiert wird.
Die Autorin betrachtet die Antipsychiatrie als ein notwendiges, wenn auch kontroverses Korrektiv, das die Psychiatrie zur Selbstreflexion zwang und auf die Gefahren von Stigmatisierung und Etikettierung aufmerksam machte.
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