Masterarbeit, 2021
84 Seiten, Note: 1,6
Was ist die ‚bürgerliche Familie‘ bei Fontane? 3
Theoretische Vorbetrachtungen 6
Forschungsüberblick 6
Poetologie der Familie 7
Zeitgenössisches Familienverständnis 11
Die Konstruktion der Familie durch Geschlechterrollen 14
Zur Scheintrennung von Familie und Arbeit 17
Das bürgerliche Haus als Brutkasten der Familienideologie 18
Krise und Verfall der bürgerlichen Familie 21
Familienkonstruktion bei Fontane 23
Der Ort der Familie: L’Adultera 23
Stadthaus: Der standardisierte Raum der Familie 24
Landhaus: Ein transitorischer Ort? 29
Palmenhaus: Austritt aus dem gesellschaftlichen Familienrahmen 32
Italien: Die Reise zum Familienideal? 35
Arbeiterhäuser: Familienglück im schlichten Rahmen 37
Das Andere der Familie: Ausschlussmechanismen in Grete Minde 41
Das Ausland in der Familie: Grete als ‚fremde Frau‘ 44
Mythenfigur im eigenen Haus: Fremdheitsstilisierung anhand der Religion 48
Alternative Familienformen: Eine wirkliche Option oder nur Schein? 52
Der Preis der Familie: Die Poggenpuhls 54
Der gute Name: Finanzielles Mittel oder nur Dekor? 57
Die Ehe als ein Mittel gegen finanzielle Not? 61
Weibliche Arbeit im Adel: eine Annäherung an das Bürgertum? 67
Familienzusammenhalt oder Pflichtgefühl? Die Funktion reicher Verwandter 71
Fremdheit als konstitutives Element der bürgerlichen Familie 77
Die vorliegende Masterarbeit analysiert die literarischen Mittel, mit denen Theodor Fontane das Konzept der bürgerlichen Familie in ausgewählten Romanen konstruiert und dekonstruiert, um deren Instabilität sowie deren Rolle als performatives gesellschaftliches Konstrukt aufzudecken.
Palmenhaus: Austritt aus dem gesellschaftlichen Familienrahmen
„Ehebruch ist bei Fontane immer außerhalb der Gesellschaft und meist im Bereich der Natur angesiedelt, was darauf hinweist, daß er als Durchbruch einer Naturgewalt gelesen werden soll, die mit den gesellschaftlichen Konventionen unvereinbar ist.“ Die sexuelle Macht des Ehemanns über seine Frau kann nur außerhalb der Gesellschaft gebrochen werden, in einer erotisierten Umgebung, welche die Frau in ihrer Verführbarkeit zeigt, deren Sittlichkeit und Tugend nur eine Fassade darstellen. Ideal geeignet sind Treibhäuser, die eine lange Tradition mit dem Exotischen und Erotischen verbindet. Ein solches ist denn auch der Ort, an dem Melanie völlig die gesellschaftlichen Normen des Bürgertums verlässt.
In L’Adultera ist der Übertritt von der Gesellschaft in die Natur ein doppelter: So durchschreiten Rubehn und Melanie den Park durch einen „langen und schmalen Spaliergang“ im Garten selbst, um zu einem „altmodische[n] Treibhaus“ zu gelangen. (LA 77) Dieses ist von der früheren Herrschaft „inzwischen mit all seinen Blattpflanzen und Topfgewächsen in die Hände des alten Gärtners übergegangen.“ (LA 77)
Was ist die ‚bürgerliche Familie‘ bei Fontane?: Dieses Kapitel beleuchtet das wandelbare Konzept der bürgerlichen Familie und stellt die forschungsleitende Frage nach der Konstruktion familialer Beziehungen in Fontanes Werken.
Theoretische Vorbetrachtungen: Hier werden der Forschungsstand zum Familienbegriff, die Rolle von Wohnraum sowie die Bedeutung von Geschlechterrollen und Arbeit für die bürgerliche Identität theoretisch gerahmt.
Familienkonstruktion bei Fontane: Dieses Kapitel analysiert anhand der Romane L’Adultera, Grete Minde und Die Poggenpuhls die räumlichen, sozialen und finanziellen Faktoren, die das Zusammenleben in Fontanes literarischen Familien bestimmen.
Fremdheit als konstitutives Element der bürgerlichen Familie: Das Fazit fasst zusammen, dass Fontane Familie stets durch das definiert, was sie exkludiert, und die bürgerliche Idylle als prekäre und instabile Konstruktion entlarvt.
Theodor Fontane, bürgerliche Familie, Realismus, L’Adultera, Grete Minde, Die Poggenpuhls, Familienkonstruktion, Geschlechterrollen, Wohnraum, Fremdheit, gesellschaftliche Normen, Eheallianzen, soziale Identität, Versorgungsgemeinschaft, Ausschlussmechanismen.
Die Arbeit untersucht, wie Theodor Fontane in seinen Romanen das Konzept der bürgerlichen Familie darstellt und welche literarischen Mittel er nutzt, um deren vermeintliche Stabilität zu hinterfragen.
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Bedeutung des Wohnraums, dem Einfluss finanzieller Abhängigkeiten, den Mechanismen der Geschlechterrollen sowie der Ausgrenzung von Figuren, die als fremd wahrgenommen werden.
Ziel ist es zu zeigen, dass die bürgerliche Familie bei Fontane ein instabiles „performatives Konstrukt“ ist, das sich durch ständige Abgrenzung nach außen definiert.
Die Autorin nutzt eine Kombination aus einzeltextanalytischen Ansätzen und diskursanalytischen Methoden, um die literarischen Texte in ihren zeitgenössischen soziokulturellen Kontext einzubetten.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der drei Romane L’Adultera, Grete Minde und Die Poggenpuhls, wobei jeweils spezifische Schwerpunkte wie Raumtheorie, religiöse Ausgrenzung und die Funktion des Namens sowie der Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft untersucht werden.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Familienideal, Realismus, Fremdheit, soziale Identität und symbolische Konstruktion der Privatsphäre geprägt.
Der Wohnraum in L’Adultera fungiert als psychologischer Spiegel der Figuren und als Grenzsystem, das gesellschaftliche Zugehörigkeit oder Ausgrenzung sowie die Emanzipation der Hauptfigur Melanie nachzeichnet.
Während in den bürgerlichen Familien die emotionale Bindung im Vordergrund steht, ist die Adelsfamilie Poggenpuhl vor allem durch den Erhalt des „guten Namens“ und eine prekäre finanzielle Versorgungsgemeinschaft charakterisiert.
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